Eschweiler: Auf Missionsreise für radikalen Islam

Eschweiler: Auf Missionsreise für radikalen Islam

Sie reisen täglich durch Deutschland, um für ihren Glauben zu werben. Am Freitag halten sie einen Vortrag in Pforzheim, am Samstag in Karlsruhe, am Sonntag wollen sie in Eschweiler über ein gottesfürchtiges Leben und die Liebe Allahs reden.

Diese rege islamische Missionstätigkeit wird von manchen Leuten kritisch gesehen, denn Abu Alia, Abu Muawiah und Abu Adam sind für den Verein „Einladung zum Paradies” (EZP) unterwegs, der einer konservativen Strömung des Islam zugerechnet wird, der Salafiyya. Die geplante Gründung einer Missionsschule in Mönchengladbach durch diesen Verein sorgte im vorigen Jahr für Schlagzeilen. Im Dezember wurden die Vereinsräume dort von Sicherheitskräften durchsucht.

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hält Salafisten für demokratiefeindlich und extremistisch, vor allem wegen ihrer Einstellung zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Aber gerade diese radikale Strömung des Islam zieht junge Menschen an, die zu dieser Religion konvertieren.

Der Salafismus gilt in Deutschland vor allem als Jugendbewegung. „Der Verein Einladung zum Paradies war in der Vergangenheit Anziehungspunkt für salafistisch orientierte Islamisten”, erklärte die Leiterin des NRW-Verfassungsschutzes, Mathilde Koller, im August vorigen Jahres, als der geplante Umzug des religiösen Zentrums von Braunschweig nach Mönchengladbach Aufsehen erregte. Der Verfassungsschutz werde die Entwicklung beobachten: „Wir wollen verhindern, dass gerade junge Menschen durch die in dem künftigen Missionszentrum vermittelte Ideologie radikalisiert werden.”

Strenggläubige Konvertiten

Sven Lau, der sich Abu Adam nennt, ist der 2. Vorsitzende von „Einladung zum Paradies”. Er und Abu Muawiah sind am Sonntag zu Gast in der Moschee Masjid Salam in Eschweiler. Der „Marokkanische Kultur- und Familienverein” hat sie eingeladen. Was dieser Verein zu den Vorwürfen gegen „EZP” sagt, hätten wir gern erfahren, der Verein ist aber unter den im Internet angeführten Telefonnummern nicht zu erreichen. Auch Abdessalam el Bourakkadi Soussi, Mitglied des Integrationsrats der Stadt Eschweiler, weiß wenig über den Verein, obwohl er ihn vor zwölf Jahren selber gegründet hat. Kurze Zeit später habe man sich „im Streit getrennt”, seitdem gibt es zwei marokkanisch geprägte Moscheen in Eschweiler. ElÊ Bourakkadi ist in der anderen aktiv.

Der Verein „Einladung zum Paradies” selber weist Versuche, ihn mit Extremismus in Verbindung zu bringen, immer wieder scharf zurück. „Wir sind die ersten, die gegen Terror sind”, versichert Abu Muawiah. Der Redner beklagt falsche Vorstellungen über den Islam und mangelnde Information in der Öffentlichkeit: „Wenn ihr über Islam etwas erfahren wollt, kommt zu uns, fragt uns doch.”

Die konservativen Vortragsreisenden sind nicht zum ersten Mal in Eschweiler. Auch Pierre Vogel war bereits da. Der frühere Boxer, der als 22-Jähriger zum sunnitischen Islam konvertierte und sich seitdem Abu Hamza nennt, gilt als Aushängeschild der strenggläubigen Konvertitenszene, seine Predigten werden im Internet millionenfach angeklickt.