Hückelhoven: „Auf dem Weg zur Gemeinsamkeit”: Fest an und in der Moschee

Hückelhoven: „Auf dem Weg zur Gemeinsamkeit”: Fest an und in der Moschee

. Pavillons, Luftballons, fröhliche Gesichter und eigentlich gar nicht mehr so fremd riechende fremdländische Gerüche umfingen die Besucher an der Ludovicistraße vor der gelben Moschee.

Mit dem alljährlichen Kulturevent „Four Days - auf dem Weg zur Gemeinsamkeit” veranstaltete der Integrations- und Bildungsverein Hückelhoven e.V. (IBV) ein Fest für die ganze Familie und arbeitete einmal mehr an „seinem” Thema: der Integration.

Ein abwechslungsreiches Programm gab Besuchern die Möglichkeit, die Gemeinde kennen zu lernen, gemeinsam zu diskutieren und natürlich auch zu feiern. Moscheeführungen, eine Ausstellung über die Jugendarbeit und soziale Tätigkeiten der Gemeinde und ein Vortrag zum Thema „Jesus im Islam” standen auf dem Programm. Dazu gab es viel Raum und Unterhaltung für Kinder, Mokka und gutes Essen.

Im Garten bei den Frauen herrschte reges Treiben an Kleider-, Spielwarenständen und bei türkischen Spezialitäten, die von den Gemeindemitgliedern liebevoll zubereitet wurden: Mit Lahmacun, süßem Baklava, Cigkäfte, Künefe und vielem mehr konnten sich die Besucher so richtig verwöhnen lassen.

Im Gebetsraum saßen vereinzelt Männer auf dem Boden und beteten in Richtung des nach Mekka ausgerichteten Spitzbogens der Wandvertiefung. Auf einem kleinen Holzschemel, dem Rachle, las ein Mann im Koran. Immer werde der Koran so zu Studienzwecken respektvoll über dem Bauchnabel gehalten, erklärt Karadöl, der mit Mehmet Yilmaz für die Öffentlichkeitsarbeit des IBV zuständig ist.

Der Gebetsraum der Frauen liegt eine Etage höher. Sie können über Fernseher und Lautsprecher den Imam und Muezin der Männer sehen und hören oder eine eigene Imamin für das Gebet nutzen. Das liegt nahe, denn es gibt aktuell mehr weibliche als männliche Imame in der Gemeinde.

Anfang der siebziger Jahre gründete eine kleine Gruppe von türkischen Gastarbeitern die Gemeinde des IBV, der unter dem Dach des Verbands der islamischen Kulturzentren e.V. zu Hause ist. Damals konnten sie einen kleinen Raum auf dem Gelände von Schacht vier nutzen. Mitte der siebziger Jahre wurde die Moschee in Schaufenberg errichtet und seit 2003 steht die Moschee in Hückelhoven. Anfangs sei die Gemeinde geschlossener gewesen.

Als dann die Familien der Gastarbeiter nachzogen und mit ihnen die Jugend, öffnete sie sich zunehmend. Offen führte Karadöl denn auch gleich interessierte Besucher durch die Räume der Moschee und erzählte von den Aktivitäten der Gemeinde, die heute über 1500 Mitglieder zählt.

„Wir sind eine Familie,” sagte Karadö. „Probleme können hier gemeinsam besprochen und nach Lösungen gesucht werden.” Auch mit Schulen, evangelischen Gemeinden, der Drogenberatungsstelle Heinsberg und der VHS wird eng zusammen gearbeitet. „Uns ist wichtig, dass unsere Kinder auch wissen, was hier in der Region los ist. Sie sollen beides: ihre kulturellen und religiösen Wurzeln und ihre deutsche Identität finden und leben,” sagte Karadöl.

An den Vortrag „Jesus im Islam” schloss sich eine angeregte Diskussion an. Über einhundert Mal wird Jesus im Koran erwähnt und übertrifft damit sogar den Propheten Mohammed. Er zählt für die Muslime zu den fünf wichtigsten Propheten. Das Logo der Veranstaltung zeigt zwei verbundene Blätter. Ömer Karadöl: „Wir sind zwei Blätter ein und desselben Stammes.”

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