Kreis Düren: Archäologie: Verluste und Chancen durch den Tagebau

Kreis Düren: Archäologie: Verluste und Chancen durch den Tagebau

Die rasant voranschreitenden Tagebaue im rheinischen Braunkohlerevier stellen für die archäologische Denkmalpflege eine außerordentliche Herausforderung dar. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland unterhält daher seit 1978 eine eigene Außenstelle für die Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden. Seit 1995 hat die Außenstelle ihren Sitz in einem restaurierten Gutshof in Titz-Höllen.

Am 20. April 1990 gründeten das Land Nordrhein-Westfalen, die damalige Rheinbraun AG (heute RWE-Power) und der Landschaftsverband Rheinland die „Stiftung zur Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier“. Der Zweck der gemeinnützigen Stiftung ist es, die im Zusammenhang mit dem Braunkohlenbergbau im rheinischen Revier stehenden archäologischen, insbesondere wissenschaftlichen bodendenkmalpflegerischen Maßnahmen zu fördern. Ihre Aufgabe ist es, die archäologischen Arbeiten im Gebiet der Tagebaue Hambach, Inden und Garzweiler finanziell zu unterstützen. Dazu gehört das gesamte Spektrum von Ausgrabungen und wissenschaftlicher Forschung bis zur Publikation und Präsentation der Funde.

Die Tagebaue im Städtedreieck Köln, Mönchengladbach, Aachen gelten als die größte von Menschenhand geschaffene Abgrabung.

Bei einem Abbau von jährlich rund 360 Hektar Fläche reichten die Ressourcen der amtlichen Bodendenkmalpflege bei Weitem nicht aus, um die unwiederbringlichen Hinterlassenschaften aus Erd- und Menschheitsgeschichte vor der Zerstörung zu retten. Diese Erkenntnis führte 1990 zur Gründung der Braunkohlenstiftung, die hinsichtlich Umfang und Ausstattung in Deutschland führend ist. Über 14,7 Millionen Euro flossen seit der Gründung 1990, um die Bodendenkmalpflege im Gebiet des Braunkohlentagebaus zu intensivieren und jahrtausendealte Funde buchstäblich unter dem Schaufelrad vor ihrer Zerstörung zu retten. Trotz ganzjähriger Grabungsarbeiten können lediglich fünf Prozent der Verlustfläche archäologisch untersucht werden.

Der großräumige Abtrag einer alten Kulturlandschaft ist Verlust und Chance zugleich. Die Stiftung verschafft den Archäologen die Möglichkeit, den Verlust an historischer Substanz, wo immer es geht, zu dokumentieren und rasch auszuwerten. Das Rheinische Braunkohlenrevier wurde damit zu einer der archäologisch am besten erforschten Regionen Europas. Es werden Einblicke in Abschnitte der Erd- und Menschheitsgeschichte gewonnen, die andernorts nicht möglich sind.

Herausragende Beispiele dafür sind die Untersuchungen einer altstein- und metallzeitlichen Siedlungskammer im Inde- und Rurtal, die wissenschaftliche Erforschung der großen römischen Villenlandschaft im Tagebau Hambach, die Kirchengrabungen von Inden-Altdorf und Garzweiler sowie die archäologischen Maßnahmen in Burg Reuschenberg.

Die Braunkohlenstiftung fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs durch Stipendien für Abschlussarbeiten und wissenschaftliche Projekte — in den 25 Jahren immerhin 241 an der Zahl. Sie fördert Publikationen und Ausstellungen, betreibt aktive Öffentlichkeitsarbeit, und nicht zuletzt finanziert sie Prospektionen und Ausgrabungen. Insgesamt investiert die Stiftung jährlich rund 500.000 Euro. Der von den Stiftern ins Leben gerufene und mit 5000 Euro dotierte Archäologiepreis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten ist eine begehrte Auszeichnung mit Bedeutung weit über das Rheinland hinaus.