Aachen: „Amadi Export“: Altkleider-Container wieder in neuer Hand

Aachen: „Amadi Export“: Altkleider-Container wieder in neuer Hand

Und wieder geht alles von vorne los: 100 Altkleidercontainer werden abgebaut, 100 neue übers Stadtgebiet verteilt aufgestellt. Denn im kommenden Jahr wird wieder ein anderer Anbieter Aachen beehren, um hier das lukrative Geschäft mit der Sammlung von Alttextilien aufzuziehen.

Denn abermals hat es gestern bei der Stadt das skurril anmutende Auswahlverfahren gegeben, das für die Interessenten ein Glücksspiel darstellt. Denn eine „Glücksfee“ zieht einen Zettel aus einer Lostrommel — und darauf steht dann der Name desjenigen, der ein Jahr lang eine Sondernutzungserlaubnis für die 100 Standorte erhält. Der Sieger lautet diesmal: „Amadi Export“ und kommt aus Algermissen in Niedersachsen. Man löst die „Deutschen Textilrecycling-Werke“ ab, die im vergangenen Jahr das Losglück hatten.

Beschlossen worden war das neue Auswahlsystem im Herbst 2015 vom Stadtrat. Vorher hatten mehrere Sammler ihre Container aufgestellt — vor allem karitative Organisationen wie das DRK, die Malteser und die Wabe, die nun in die Röhre schauten und auf wichtige Einnahmen zur Finanzierung ihrer Angebote verzichten mussten. Die Stadt aber sagt, dass durch mehrere Ansprechpartner unter anderem die „Gewährleistung der Sauberkeit an den Containern“ schwerer gewesen sei. Überdies sei die zuvor bestehende Beschränkung auf karitative Organisationen „mit rechtlichen Unsicherheiten behaftet“ gewesen.

Das neue Verfahren habe sich in der Praxis bewährt: „Neben einer verbesserten Sauberkeit ist auch die Zahl der illegal aufgestellten Container in Aachen deutlich zurückgegangen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Im laufenden Jahr habe man nur noch sieben Altkleidercontainer eingezogen, im Jahr zuvor seien es 17 gewesen.

Wie lukrativ das Geschäft offenkundig ist, zeigt die Zahl derjenigen, die in Aachen Fuß fassen wollten. Diesmal bewarben sich nämlich gleich 27 Interessenten, während es im vergangenen Jahr nur deren acht waren. Gestern Vormittag hätten einige Antragsteller auch persönlich an der Auslosung teilgenommen, so die Stadt. Zunächst seien unter den Augen aller Anwesenden die Namen der Teilnehmer auf Karten geschrieben, diese dann in Umschläge gesteckt und anschließend in einer Box gemischt worden. Eine Juristin aus dem Fachbereich Recht habe schließlich einen dieser Umschläge aus der Box gezogen — ebenjenen mit „Amadi Export“.

Damit ging das DRK erneut leer aus, das sich 2015 als einzige karitative Organisation beteiligt hatte. Doch man zog gegen das Verfahren vors Verwaltungsgericht — und unterlag. Die Rotkreuzler ließen das nicht auf sich beruhen und gingen in die nächste Instanz, das Oberverwaltungsgericht Münster. Eine Entscheidung dort steht allerdings noch aus. Erstmal beginnt zum 1. Januar also erneut das große Containerrücken.