Köln: Alter Markt in Eschweiler Hand

Köln : Alter Markt in Eschweiler Hand

„Da simmer dabei, dat is prima.” Um 13.15 Uhr setzen „De Höhner” zu ihrem Superhit an. Spätestens in diesem Moment gibt es auf dem Kölner Alter Markt kein Halten mehr. Tausende Hände fliegen in die Luft, lauthals singen die Jecken mit.

Vor einer großen Leinwand, die das Konzert vom Heumarkt nebenan überträgt. Gänsehautstimmung. Frank Lersch, 34, Wirt aus Eschweiler, steht in Verkaufswagen 3. Er lächelt, klatscht kurz in die Hände und singt ein paar Textzeilen mit.

Gemeinsam mit seinem Bruder Marc, 36, hat er etwas Bemerkenswertes geschafft: Als Auswärtige sind sie nun mit von der Partie - beim heißumkämpften Bierausschank im Kölner Karneval. Der Alter Markt gehört ihnen.

Lange können sich die Brüder und ihr 39-köpfiges Team aber nicht mit singen, klatschen und schunkeln aufhalten. Die Karnevalsfans haben reichlich Durst und verlangen Nachschub.

Es ist ein anstrengender Job. Rund fünf Stunden zuvor ist von Hektik noch nichts zu sehen. Gerade eine handvoll Jecken hat sich bereits in der Innenstadt eingefunden, als Marc und Frank Lersch den Platz zum ersten Mal betreten.

Aufbauen müssen sie nichts, dafür ist die große Brauerei zuständig, die das Biermonopol in der fünften Jahreszeit innehat. Acht Getränkewagen und vier Stände, an denen Dosen verkauft werden, bewirtet das Eschweiler Team. Aber wie kommen Eschweiler Wirte auf so einen begehrten Platz in Köln?

32.000 Plastikbecher

Bei der Ausschreibung hat die Kölner Willi-Ostermann-Gesellschaft den Zuschlag bekommen. Der Rest ist kölsche Klüngel: Bei der Willi-Ostermann-Gesellschaft ist jemand, der jemanden kennt, der mit den Lerschs befreundet ist. Und schon waren die Brüder mit im Boot.

Routiniert spulen sie am frühen Morgen des 11. 11. ihr Programm ab. Sie schließen die Wagen auf und verteilen ihr Personal, das nach und nach eintrudelt. Sie verteilen Wechselgeld und bringen 4000 Plastikbecher in jeden Wagen.

Frank Lersch hat von Wagen 3 aus den Überblick, sein Bruder dreht immer wieder Runden und schaut nach dem Rechten. Eingreifen müssen beide nicht. Das Team funktioniert reibungslos.

„Köln ist einfach etwas ganz Besonderes”, sagt Karl-Hans Butterweck und lacht. Mit 66 Jahren ist er der Senior-Kellner in der Mannschaft. Er steht auch in Wagen Nummer 3. Ruhig und stets mit einem Lächeln bedient er die Narren.

Gegen Mittag wird es trotz des großen Andrangs gemütlich rund um den Wagen. Eine 34-köpfige Gruppe aus den Niederlanden hat eine der vier Seiten in Beschlag genommen. Sie haben kleine Snacks mitgebracht, von denen sie gerne auch Frank Lersch und seinem Team abgeben.

Karneval ist längst zu einem riesigen Geschäft geworden. Das zeigen auch die Standgebühren, die laut Frank Lersch „exorbitant hoch” sind. In Köln sind diese Gebühren an den Umsatz gekoppelt.

Rund 20 Prozent der Einnahmen müssen die Brüder Lersch abtreten, dazu kommen die Personalkosten sowie weitere Ausgaben, etwa für die 32.000 Becher. Und hinzu kommt die Konkurrenz der Kioske. Zwei Euro kostet ein 0,25-Liter-Getränk an den Wagen, im Kiosk gibt es die Halbliterflasche für denselben Preis. Trotzdem möchten viele Wirte dabei sein.

Marc und Frank Lersch sind dabei. Kein Wunder, ihre Arbeit ist ja auch kein Ehrenamt, und der Geldkuchen, der im kölschen Karneval verteilt wird, ist riesig. Doch dieses Jahr geht es den Lerschs weniger ums Geld.

„Wir gehen nicht von viel Gewinn aus in diesem Jahr. Aber jetzt haben wir einen Fuß in der Tür”, sagt Frank Lersch. Ein Karnevalshit beschreibt den Tag für die Brüder Lersch sehr treffend: „Da simmer dabei, dat is prima.”