Aachen/Wassenberg: Zwölfeinhalb Jahre Haft für 40-Jährigen

Aachen/Wassenberg : Zwölfeinhalb Jahre Haft für 40-Jährigen

„Es war eine Tat nahe am Mord”, so der Vorsitzende der Aachener Schwurgerichtskammer, Richter Dr. Gerd Nohl.

Er legte am Mittwoch in der außergewöhnlich langen Urteilsbegründung dar, warum die Kammer den 40-jährigen Wasseringenieur Frank M. „nur” wegen Totschlags an seiner Ehefrau Antoinette verurteilte.

Der eifersüchtige Ehemann streckte Ende Juli 2003 auf einer Wiese nahe dem Rursee seine Frau mit zehn Messerstichen in den Brustkorb nieder. Dafür - und weil er sie bereits im Juni davor zwei Mal heftig verprügelt hatte - muss der Wassenberger für zwölfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Die Staatsanwältin hatte Lebenslang wegen Mordes aus niederen Beweggründen gefordert.

„Geh nur, du Mörder!” schallte es aus dem Publikum, als der Verurteilte nach der Verkündung zurück in die Zelle geführt wurde. Immer wieder kam im Saal verhaltenes Schluchzen bei der Schilderung der tragischen Familien-Verwicklungen auf.

„Das war bis zum Frühjahr eine Bilderbuch-Familie”, stellte der Richter fest. Dann aber hätten sich die Ereignisse schicksalhaft entwickelt. So, wie er es auch aus vielen ähnlich gelagerten Fällen kenne.

Eines allerdings, darauf legte der Vorsitzende Wert, könne nicht festgestellt werden: Die Tat des 40-Jährigen war kein Ausrasten, kein Totschlag im Affekt, der eventuell eine mildere Strafe verdient habe. Die Tat war vorbereitet, Messer und Klebeband führte er in einem Stoffbeutel bei sich.

Die Ehefrau sei an jenem Juli-Wochenende nicht freiwillig mit ins Auto gestiegen und zum Rursee zu einer letzten Aussprache mitgefahren. Frau M., die einen Geliebten hatte und aus der gemeinsamen Doppelhaushälfte ausgezogen war, zeigte seit seinen brutalen Schlägen im Juni höllische Angst vor ihrem Mann. Das hatten diverse Zeugen wie auch Tochter und Sohn vor Gericht übereinstimmend bekundet.

Damals im Juni 2003 schlug der rasend Eifersüchtige seiner Frau so heftig ins Gesicht, dass ihr ein Backenzahn fehlte. Wütend zog er sie an den Haaren die Kellertreppe hinunter, trat und schlug weiter, nötigte die Wehrlose, wie der Richter ausführte, zu dem Selbstbekenntnis, dass sie die Strafe verdient habe.

Tragisch für die Kinder sei insbesondere, rügte der Richter das wenig einsichtige Verhalten des Angeklagten, dass jener keine Möglichkeit zur Aufarbeitung der Tat zugelassen habe. Das sei nämlich mit ein wesentliches Ziel des Strafprozesses.