Städteregion: Zweiter Bildungsweg: Drei Stufen, zwei Standorte, ein Träger

Städteregion : Zweiter Bildungsweg: Drei Stufen, zwei Standorte, ein Träger

Der Aufregung, die in den vergangenen Monaten in politischen Kreisen geherrscht hatte, setzten Susanne Schwier und Markus Terodde am Freitagnachmittag demonstrative Gelassenheit entgegen. Die Bildungsdezernentin der Stadt Aachen und ihr städteregionaler Kollege legten im Gespräch mit unserer Zeitung dar, wie sie die Neuordnung des zweiten Bildungsweges in den kommenden Jahren vollziehen möchten.

Der Plan, den sie den Fraktionen Anfang kommender Woche vorlegen werden, lässt sich so zusammenfassen: drei Stufen, zwei Standorte, ein Träger.

Damit geht es allerdings nicht länger mehr nur um die für den 31. Juli geplante Zusammenführung des Euregio-Kollegs und des Abendgymnasiums. Schwier und Terodde rücken stattdessen auch die Abendrealschule mit in den Fokus. „Wir hatten die Abendrealschule eigentlich schon immer im Blick, aber in den politischen Diskussionen ist sie bisher zu kurz gekommen“, meint Terodde.

Zwar bleibt die Einrichtung, die ebenfalls in städteregionaler Trägerschaft ist, zunächst noch außen vor. Doch wenn zum Schuljahr 2021/22 die letzte Stufe des gemeinsamen Planes greift, dann sollen alle drei Bildungsgänge — Abendgymnasium, Kolleg und Abendrealschule — unter einem organisatorischen Dach und an zwei gleichwertigen Standorten angeboten werden.

Verkaufsverhandlungen laufen

Einer von ihnen steht bereits fest. Die Städteregion hat sich eindeutig für das Gebäude des bisherigen Euregio-Kollegs an der Friedrichstraße in Würselen ausgesprochen. Zu klären ist lediglich noch, ob sie die Immobilie weiterhin mieten oder aber von der Stadt Würselen erwerben wird. „Wir stehen in konkreten Verkaufsverhandlungen“, verriet Markus Terodde am Freitag. Und: „Wir werden dem Städteregionstag für seine Sitzung am 6. April einen Beschlussvorschlag unterbreiten.“

Von einem solchen ist die Stadt Aachen noch weit entfernt. Zwar teilt Susanne Schwier die von der Aachener Politik vielstimmig formulierte Forderung, dass ein „stabiler Standort für die Bildungs- und Wissenschaftsstadt“ unverzichtbar sei. „Ich bin aber sehr froh, dass ich vier Jahre Zeit habe, um in Ruhe nach einer geeigneten Immobilie zu suchen“, räumt Schwier ein. Dabei wird sie sich nach eigenen Worten auf den Bestand konzentrieren: „Einen Neubau kann ich mir nicht vorstellen.“

Die Zeit bis zu einer endgültigen Standortwahl muss also überbrückt werden. Das wollen Stadt und Städteregion schaffen, indem sie nach dem Ende des laufenden Schuljahrs und der offiziellen Auflösung des Euregio-Kollegs (Stufe 1) die Studierenden der neuen Einrichtung in einer zweiten Stufe zunächst auf die Friedrichstraße in Würselen (nach heutigem Stand gut 500) und die Eintrachtstraße in Aachen (etwa 70, nur im Vormittagsbetrieb) aufteilen.

Das soll für drei Schuljahre gelten, in denen die in Eintrachtstraße und Bischofstraße beheimatete Abendrealschule mit ihren aktuell 260 Schülern außen vor bleibt. Erst in einer dritten Stufe sollen zum Schuljahr 2021/22 dann alle drei Bildungsgänge organisatorisch zusammengefasst und auf zwei Standorte — in Würselen und Aachen — verteilt werden.

Susanne Schwier und Markus Terodde werteten dies gegenüber unserer Zeitung als „Ergebnis eines sehr gelungenen Prozesses“. Sie räumten allerdings ein, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch eine Vielzahl von Fragen beantwortet werden muss. Zum Beispiel die, was aus dem am Euregio-Kolleg beschäftigten Personal wird. Während für die beiden Sekretärinnen Stellen im städteregionalen Plan eingerichtet werden, müssen die angestellten Lehrer formal gekündigt und die verbeamteten Kollegen aus der bisherigen Trägerschaft befreit werden.

„Das sorgt natürlich für Unruhe in der Belegschaft“, weiß Terodde. Diese dürfte noch eine ganze Weile anhalten. Zwar beteuert der Dezernent, dass die Städteregion gerne möglichst alle Lehrkräfte des bis dato vom Verein Weiterbildungskolleg (WbK) privat geführten Euregio-Kollegs beim Übergang in die öffentliche Trägerschaft mitnehmen wolle. „Die Entscheidung trifft letztlich aber die Bezirksregierung. Und manche der Betroffenen werden wohl leider erst im Juni oder Juli Gewissheit haben.“

In Geduld üben muss sich auch die Politik. Denn zu den finanziellen Auswirkungen ihres Drei-Stufen-Plans können die Verwaltungen noch keine konkreten Aussagen machen. „Es gibt große Finanzierungsunterschiede zwischen einer öffentlichen Schule und einer privaten Ersatzschule“, gibt Susanne Schwier zu bedenken. Gleichwohl sei es das Ziel, beim Betrieb auch weiterhin eine „schwarze Null“ zu schreiben.

Allerdings müssen Stadt und Städteregion nach Aussage der Dezernentin in einer Übergangsphase bis Ende 2018 mit zusätzlichen Belastungen rechnen. Der Grund liegt im Schulgesetz: Während die Bezuschussung für das Euregio-Kolleg als Privatschule mit dessen Auflösung am 31. Juli endet, werden die Landesmittel an die Städteregion erst mit deutlicher Verzögerung erhöht. Denn maßgeblich für die Gewährung der Pro-Kopf-Pauschale sind die Schülerzahlen des vorletzten Jahres.