Kreis Heinsberg: Zur Kriegsgräberpflege in Frankreich

Kreis Heinsberg : Zur Kriegsgräberpflege in Frankreich

Sie sind immer weltweit im Einsatz, da war der jüngste „Auftrag“ für 20 Mitarbeiter des in Geilenkirchen ansässigen Zentrums für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) eigentlich nichts Besonderes. Die Art der Arbeit bei der aktuellen Frankreich-Mission machte jedoch den Unterschied.

Dieses Mal waren die deutschen Diplomaten in Uniform nämlich nicht unterwegs, um die deutschen Verpflichtungen im Bereich der Rüstungskontrolle zu erfüllen, sondern engagierten sich mit Schaufeln und Pinseln erstmals für ihre im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Kameraden.

Brigadegeneral Peter Braunstein (links) und Oberstleutnant Thorsten Plonus sind sehr zufrieden mit der ehrenamtlichen Arbeit, die in Frankreich geleistet wurde. Foto: anna

Initiator dieses für das 1991 installierte Zentrum bisher einmaligen Projekts war Brigadegeneral Peter Braunstein, der seit drei Jahren Kommandeur in der Selfkant-Kaserne ist. Schon mehrfach sei er mit dem Thema in Berührung gekommen, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit seinem französischen Kollegen legte Brigadegeneral Peter Braunstein (r.) auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Cernay Blumen nieder. Foto: ZVBw

Das erste Mal sei dies 1991 bei einem Besuch im italienischen Monte Cassino gewesen, dann 1995, als er Bataillonskommandeur in einer Kaserne bei Meißen geworden sei und der Bundesförster ihm von einem kleinen Soldatenfriedhof im Wald erzählt habe, den man dann gemeinsam auch gefunden habe. Als Standortkommandeur in Berlin und bei seinem Einsatz im Kosovo habe ihn dieser Teil der Bundeswehrgeschichte natürlich ebenfalls beschäftigt, zuletzt dann 2014, als er mit dem Wachbataillon Berlin vier Tage auf dem französischen Soldatenfriedhof in Verdun gearbeitet und dann unter dem Triumphbogen in Paris am Grabmal eines unbekannten Soldaten einen Kranz niedergelegt habe.

Für Einsatz beworben

So habe er sich dann nach seinem Wechsel nach Geilenkirchen im vergangenen Jahr beim Volksbund Kriegsgräberfürsorge für einen Einsatz in diesem Jahr beworben, in dem sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, berichtet Braunstein.

In der Zeitung habe er zwischenzeitlich verfolgt, wie die beiden Staatspräsidenten Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier Ende 2017 auf dem elsässischen Berg Hartmannsweilerkopf, südwestlich von Freiburg im Breisgau, die deutsch-französische Museums- und Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg eingeweiht hätten, erzählt er. Und im Februar sei dann der Bescheid für den Einsatz der Gruppe aus dem ZVBw gekommen, nur gut zehn Minuten von dort entfernt im französischen Cernay. „Das sind die Zufälligkeiten des Lebens“, sagt er.

Rund 9000 deutsche Soldaten haben auf dem Friedhof in Cernay ihre letzte Ruhestätte gefunden, etwa 7500 davon fielen im Ersten Weltkrieg. Gestorben sind die meisten von ihnen bei den Kämpfen um den Hartmannsweilerkopf.

Trotz der hohen Auslastung der Einheit gelang es, für zwei Wochen die Aufgaben der Grabpflege vor Ort zu übernehmen. Oberstleutnant Thorsten Plonus, der in Hückelhoven lebt und Kasernenkommandant in Geilenkirchen ist, leitete das Projekt, an dem sich natürlich auch Braunstein aktiv beteiligte. Die 20 Kameraden und zivilen Mitarbeiter, die sich gemeldet hatten, waren in zwei Gruppen jeweils eine Woche in Cernay.

„Wir haben die schwarzen Metallkreuze mit ihren Betonsockeln gerichtet, sie abgeschliffen und neu angestrichen“, berichtet Braunstein von der schweißtreibenden Arbeit bei großer Hitze auf den freien Gräberfeldern. „Das war eine große Herausforderung für alle, die mitgemacht haben“, betont er. Vor allem freut ihn, dass sich auch Kameraden höherer Dienstgrade und höheren Alters für diese überaus anspruchsvolle Aufgabe freiwillig gemeldet hätten. Sogar ein Rollstuhlfahrer habe sich mit auf den Weg nach Frankreich gemacht. Auch bei der Übernachtung in Mehrmann-Stuben in der französischen Kaserne sei Teamgeist gefordert gewesen.

Am Wochenende zwischen den beiden Wocheneinsätzen besuchten alle Teilnehmer des ZVBw gemeinsam die neue Einrichtung auf dem Hartmannsweilerkopf. „Das ist noch einmal eine ganz andere Art des Gedenkens, denn hier wird in zwei Sprachen von beiden Seiten auf das damalige Geschehen geguckt“, erklärt Braunstein. In der zweiten Woche habe man sich dann zudem mit den Kameraden aus der Verifikationseinrichtung der französischen Armee getroffen, mit der bereits seit mehr als 25 Jahren eine Partnerschaft bestehe. Mit ihnen zusammen habe man auf dem Friedhof in Cernay einen Kranz niedergelegt.

„Ich bin froh, dass ich dabei war“, zieht wie Braunstein auch Plonus für sich ein positives Resümee aus seinem ersten Einsatz dieser Art. Auch ihn habe die hohe Motivation aller Teilnehmer bei diesen anspruchsvollen Bedingungen und der doch sehr eintönigen Arbeit überrascht, sagt er. Und dann spricht er noch sehr offen von seiner Selbsterfahrung. „Verwundung, Sterben und Tod sind doch irgendwie immer Bestandteil unseres Berufs“, sagt er. Wenn man sich auf die Arbeit an den Gräbern einlasse, komme man darüber schnell ins Nachdenken. „Es hat mir gutgetan, die Gedanken dort schweifen zu lassen“, sagt er. „Und man muss da auch gar nicht zu einem Ergebnis kommen.“

Nachdem schon eine Gruppe vor der aus Geilenkirchen vor Ort gewesen sei, präsentiere sich der Friedhof jetzt zu zwei Dritteln wieder hergerichtet, erklärt Braunstein. „Wir haben nicht nur mit viel Tempo, sondern auch mit hoher Qualität gearbeitet.“ Im Herbst soll nun die Entscheidung gefällt werden, ob sich das ZVBw für einen weiteren Einsatz im Jahr 2019 bewirbt, um die Arbeiten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Cernay fertigzustellen.