Erkelenz: Zukunftsmusik von 1934 heute Wirklichkeit

Erkelenz : Zukunftsmusik von 1934 heute Wirklichkeit

„Die Welt von Morgen - Erfindungen, die noch gemacht werden können.”

Diese Schlagzeile über einen Beitrag in der Erkelenzer Zeitung von 1934 blickt phantasievoll in die Zukunft, in die Zeit, in der wir heute leben. Was vor 68 Jahren Zukunftsmusik war, ist heute schon Wirklichkeit.

Dazu heißt es in dem Beitrag: „Alle Errungenschaften der Wissenschaft, sei es nun auf technischem, physikalischem, chemischem oder medizinischem Gebiet, galten stets dem Streben, alle Kräfte der Natur dem in Menschen in immer höherem Maße dienstbar zu machen.

Was den größten Geistern der Vergangenheit wie Traum und Märchen vorkommen würde, ist für uns zur Wirklichkeit, für unsere Kinder sogar schon zu Selbstverständlichkeit geworden.

Die Zeit der Pferdepost scheint in nebliger Ferne zu liegen und es erhebt sich mit der Vorstellung der Welt von Morgen zugleich die Frage, ob es noch vollkommene umwälzende Erfindungen geben kann. Diese Frage ist absolut zu bejahen. Jede Kultur beginnt bei der Nutzbarmachung von Energien in der Natur.

Die in der Kohle aufgespeicherte Sonnenwärme vergangener Jahrtausende war für sie die herrschende Energiequelle des vergangenen Jahrhunderts. Nur in verhältnismäßig geringem Umfang verwandte man daneben die „weiße Kohle”, das Wasser als Antriebskraft.

Erst mit der Wende zu 20. Jahrhundert kam eine dritte Kraftquelle dazu, das Erdöl, das in seinen verschieden Produkten heute unentbehrlich geworden ist. Wie aber, wenn man in der Zukunft statt der in der Kohle aufgespeicherten Sonnenenergie die Sonne direkt in den Dienst der Menschheit stellte.

Auch hier hat die Wissenschaft bereits Versuche unternommen. Wie wäre es, wenn man die Wärme des Golfstromes oder des Erdinneren nutzen würde. Ein alter Traum der Menschheit ist es von jeher gewesen, die im Gewitter vorhandene Elektrizität unmittelbar nutzbar zu machen.

Welche umwälzende Energiegewinnung könnte erst auf einem anderen physikalischen Gebiet vor sich gehen: bei der Atomspaltung. Das markante Zeichen der Veränderung zwischen der Welt von gestern und heute ist das vollkommen verwandelte Verkehrsproblem.

Erst mit der Eisenbahn begann das Leben des heutigen Menschen und mit dem Stratosphärenflug wird das des morgigen anbrechen. Ein weiterer Schritt auf diesem Weg wäre dann die Erreichung anderer Planeten.

Wie gut wäre es, wenn in flachen Küstenlandschaften Windkraftstationen errichtet würden, um die Kraft des Windes, oder das strömende Wasser bei Ebbe und Flut zur Energiegewinnung zu nutzen. „Wunder über Wunder” kann die Zukunft also bringen.

Auf chemischen und medizinischem Gebiete kann sich die Welt von Morgen ebenfalls wesentlich von unserer unterscheiden. So würden synthetische Nahrungsmittel eine Umwälzung in der Gesamternährung bedeuten und die Hungersnot in der Welt lindern. Hand in Hand könnten die medizinischen Fortschritte zur völligen Neuschaffung des Weltbildes dienen.

So ist es der künftigen Welt vorbehalten, eine künstliche Zellenbildung zu ermöglichen, mit der es gelingen würde, alle Gewebekrankheiten der Menschen zu heilen und die Medizin zu einem fast unvorstellbaren Helfer und Retter der Menschheit zu machen.

Betrachten wir es aber einmal recht: Ist denn der Unterschied, der zwischen unseren heutigen Lebensführung und der vor nur 100 bis 200 Jahren liegt, nicht noch größer und gewaltiger als jeder zukünftige es werden kann? Alle „Wunder” der kommenden Welt sind heute schon als Ahnung vorhanden und wir alle schaffen unbewusst aber zuverlässig Tag für Tag an ihrer Verwirklichung.”