Kreis Düren: Zuhören und die Sorgen nachvollziehen

Kreis Düren : Zuhören und die Sorgen nachvollziehen

Meist beginnt alles recht harmlos: Ein banaler Konflikt oder auch nur das unbestimmte Gefühl, dass der Kollege einen irgendwie nicht leiden kann.

Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf und ehe man sich versieht, steckt man mitten drin in der Abwärtsspirale. Diagnose: Psychoterror am Arbeitsplatz.

„Mobbing belastet Arbeitnehmer, macht krank und führt sehr oft zum Ausschluss aus dem Arbeitsleben”, weiß Arbeiter- und Betriebspastoral Heinz Backes. Er ist Geschäftsführer der Mobbing-Kontaktstelle im Bistum Aachen, die unter anderem von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung getragen wird und mit der MobbingLine NRW zusammenarbeitet.

In Aachen, Mönchengladbach, Viersen, Krefeld und Düren haben die insgesamt 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kontaktstelle ein offenes Ohr für die Sorgen der Mobbingopfer.

Diese können sich telefonisch (anonym) aber auch im persönlichen Gespräch beraten lassen. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, den Menschen zuzuhören, ihnen zu zeigen, dass wir ihnen glauben und ihre Sorgen nachvollziehen können”, erklärt Hans-Georg Schluckebier, ehrenamtlicher Berater in der Regionalgruppe Düren/Eifel: „Wir überlegen mit ihnen, wie es weitergehen kann, geben Tipps und unterstützen sie, wo wir können.”

Man biete keine Therapie oder rechtliche Beratung an, sondern versuche einfach, „Lotse im Konflikt” zu sein. Manchmal reiche es schon, das Gespräch mit dem Vorgesetzten oder dem Personalrat zu suchen, die über die Konflikte innerhalb der Belegschaft gar nicht Bescheid wüssten.

Häufig seien die Betroffenen aber seelisch und körperlich bereits so angegriffen, dass man ihnen rate, sich der großen Belastung am Arbeitsplatz zu entziehen, um erst einmal wieder gesund zu werden.

Doch obwohl viele Mobbingopfer, die sich an die Kontaktstelle wenden, kaum noch einen Ausweg aus ihrer Situation sehen, bleiben Erfolge bei der Beratung nicht aus.

So erinnert sich die Dürener Beraterin Elke Böhme an den Fall einer Betroffenen, die nach und nach ihr Selbstbewusstsein zurückgewonnen hat. Am Ende habe sie dann die Kraft gefunden, sich einem klärenden Gespräch mit den Kollegen zu stellen. Böhme räumt aber ein, dass nicht immer alles so glatt läuft.

Die intensiven persönlichen Treffen finden manchmal sogar über den Zeitraum von einem Jahr hinweg statt. Damit die ehrenamtlichen Berater den Betroffenen auch bei schwierigeren Fällen helfen können, ist eine spezielle 40-tägige Ausbildung Pflicht.

Besonders angesichts der steigenden Anzahl von Telefonberatungen der Kontaktstelle wird deutlich, wie wichtig gut ausgebildete Berater sind: In den ersten sieben Monaten des Jahres gingen bereits 200 Anrufe ein, genauso viele wie im gesamten Jahr 2008.

Zum einem könne man von einer größeren diesbezüglichen Sensibilität der Menschen ausgehen. Andererseits läge die Steigerung aber auch daran, dass in der momentanen Krisensituation die Atmosphäre am Arbeitsplatz angespannt und damit die Gefahr des Mobbings größer sei.

Deshalb hat sich die Mobbing-Kontaktstelle auch am Klagemauerprojekt des Bündnisses für Menschenwürde und Arbeit beteiligt. Die Sammlung wird zur Zeit ausgewertet und an die Verantwortlichen in der Politik weitergereicht. Geschäftsführer Heinz Backes weiß, wie wichtig solche Zeichen gegen soziale Kälte sind: „Mobbing ist weiterhin ein großes Problem in der Arbeitswelt”.

Der direkte Draht zum Hilfsangebot

Das Mobbingtelefon ist montags und donnerstags von 18 bis 20 Uhr kostenfrei unter 0800/820182 zu erreichen.

Ein Termin für eine persönliche Beratung kann unter 02421/2084677 (Anrufbeantworter, Rückruf) vereinbart werden.