Kreis Heinsberg: Zugabe beschwingt wie das ganze Konzert

Kreis Heinsberg : Zugabe beschwingt wie das ganze Konzert

Vivaldi und vor allem Bach auf dem Saxophon? Wer mag sich denn so etwas ausgedacht haben? Dies wird sich vielleicht der eine oder andere Musik-Traditionalist gefragt haben, als er das Programm für das zweite Meisterkonzert der Anton-Heinen-Volkshochschule in dieser Saison mit dem Alliage-Quintett im Atrium des Erkelenzer Cusanus-Gymnasiums gelesen hatte.

Die Skepsis war unbegründet, wie der begeisterte Beifall im gut besetzten provisorischen Konzertsaal bewies.

Alliage bedeutet im Französischen Verschmelzung oder Legierung und meint zunächst die Verbindung der Grundmetalle Kupfer und Zink des um die Mitte des 19.Jahrhunderts von dem Belgier Antoine Joseph Sax erfundenen neuen Musikinstruments, eben des Saxophons.

Aber diese Alliage lässt sich auch ausdehnen auf das musikalische Leitbild der fünf Musiker, bei denen sich ein einheitlicher Klangkörper und ausgelassene Spielfreude paaren und die Stilmischung von Klassik und zeitgenössischen Arrangements.

Für letztere waren verantwortlich der 1964 geborene japanische Komponist Jun Nagao und Sebastian Pottmeier, der Bariton-Saxophonist des Ensembles, das von Daniel Gauthier gegründet wurde, Professor für klassisches Saxophon an der Musikhochschule Köln und sozusagen der Leitwolf des Quintetts.

Mit den beiden spielten Lutz Koppetsch, Altsaxophon, Koryun Asatryan, Tenorsaxophon, beide Preisträger bedeutender Musikwettbewerbe, und die koreanische Pianistin Jang Eun Bae, die das harmonische Gesamtklangbild des Quintetts nicht nur verstärkte, sondern ihm auch besondere Nuancen zu verleihen verstand.

Temperamentvoll-volksliedhaft begann das Konzert mit ungarischen Tänzen aus dem 17. Jahrhundert des ungarischen Komponisten Ferenc Farkas, bei dem die Saxophonisten zunächst unter sich waren und sich bravourös auf dem manchmal schmalen Grat zwischen feiner Kammermusik und niveauvoller Unterhaltung bewegten.

Bei den folgenden „Sommer” und „Frühling” aus Vivaldis Vier Jahreszeiten (teilweise als Neukomposition von Jun Nagao) präsentierte sich das Quintett abermals in einer weiteren Variation seines Namens: Das Konzert in Erkelenz war nämlich gleichzeitig auch die Vorstellung seiner ersten CD bei Sony Classical unter dem Namen „Masquerade”; das heißt Vivaldi und der nachfolgende Bach (Gavotte aus der Französischen Suite Nr. 5 BWV 816; Choralvorspiel „Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ” BWV 639; Aria und Menuett aus der Französischen Suite BWV 813; Air aus der Orchester-Suite Nr. 3 BWV 1068) erschienen, um im Bild der Maskerade zu bleiben, in unterschiedlicher Verkleidung, waren mit einem neuen musikalischen Gewand maskiert.

Und diese Verkleidung war auch meist zu erkennen, zum Beispiel wenn im „Herbst”, also in der Hoch-Zeit der Jäger, der Freischütz aus der gleichnamigen Oper von Webers sein musikalisches Spielchen treibt. Beschwingt wie das ganze Konzert war auch die Zugabe, der zweite Walzer aus Schostakowitschs Jazz-Suite.