Städteregion: Zufriedenheit am Ende der Verhandlung

Städteregion : Zufriedenheit am Ende der Verhandlung

Es hat eine Weile gedauert, bis alle Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden waren. Seit kurzem werden die Beschäftigten der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW) in der Städteregion nach einem anderen System bezahlt. Einige erhalten nun mehr Lohn, andere etwas weniger. In jedem Fall biete das neue System „die größtmögliche Objektivität“, sagen die Verantwortlichen.

Dazu zählen zum Beispiel Fredi Gärtner, Leitung Sozialer Dienst bei der Caritas, und Jens Ahnert, Mitglied der Projektgruppe „Lohn“ als Vertreter des Sozialen Dienstes. In der Projektgruppe zur Erarbeitung der Systemumstellung — das bis dato gültige gab es mehr als 20 Jahre —, die vor mehr als zweieinhalb Jahren gegründet wurde, saßen zudem weitere Vertreter der Caritas und der Beschäftigten. MELBA heißt das wissenschaftlich anerkannte System. MELBA wird schon länger als Instrument für die Förderplanung benutzt und hat sich nun auch als geeignete Grundlage des neuen Lohnsystems gezeigt. Die Abkürzung steht für: Merkmalprofile zur Eingliederung Leistungsgewandelter und Behinderter in Arbeit. Um es einmal gelesen zu haben.

Ist zufrieden mit der neuen Regelung für den Werkstattlohn: Fredi Gärtner.
Ist zufrieden mit der neuen Regelung für den Werkstattlohn: Fredi Gärtner. Foto: Tobias Röber

Auf dem Papier sieht MELBA ziemlich einfach aus. Man will feststellen, welche Fähigkeiten eine Person hat, planen, welche Fähigkeiten bei einer Person gefördert werden sollen und schließlich prüfen, welche Ergebnisse eine geplante Förderung beziehungsweise Qualifizierung hat.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? In der Werkstättenverordnung gibt es klare Regeln, wie der Lohn auszuschütten ist. Das neue System betrifft einen der Bausteine, aus dem sich der Lohn der 1240 Beschäftigten in den insgesamt acht Werkstätten an sechs Standorten in der Städteregion zusammensetzt: den sogenannten Steigerungslohn. Jeder Beschäftigte erhält einen Grundlohn in Höhe von 80 Euro. Mit Erschwernis-, Leistungs- und Schichtzulagen sowie Nachzahlungen wird der Betrag aufgestockt.

Rückstellungen vorhalten

Auch ein sogenannter betriebsintegrierter Arbeitsplatz (der Beschäftigte wird in einer Firma des allgemeinen Arbeitsmarktes untergebracht) bringt zusätzlich Geld. Dazu kommt eben jener Steigerungslohn. Maximal kann ein Beschäftigter auf rund 300 Euro kommen. 70 Prozent des Jahresergebnisses muss die Caritas an Lohn ausschütten. Der Betrag variiert von Jahr zu Jahr, je nachdem, wie viel erwirtschaftet wurde. Zudem muss die Caritas Rückstellungen vorhalten, um Lohnfortzahlungen für ein Jahr gewährleisten zu können.

Mit MELBA werden 29 Merkmale bewertet (siehe Infobox). Mit jedem Beschäftigten wird einmal pro Jahr ein Zielvereinbarungsgespräch geführt. In diesem wird ein Fähigkeitsprofil des Beschäftigten erstellt. Gleichzeitig hat jeder Arbeitsbereich seine spezifischen Anforderungen. Sowohl für die Merkmale als auch für die Anforderungen gibt es Punkte. Um den Steigerungslohn zu erhalten, muss der Beschäftigte mindestens 55 Punkte im Fähigkeitsprofil erhalten. Generell gilt: Je mehr Punkte, desto mehr Geld gibt es. Bis zu drei Punkte können pro Merkmal vergeben werden. Zudem werden fünf Merkmale besonders hervorgehoben, für die dann auch mehr Punkte vergeben werden können.

Der Solidaritätsgedanke

Fredi Gärtner beziffert die Personengruppe, die nach dem neuen Lohn einen geringeren Steigerungslohn bekommt, auf zehn bis 15 Prozent. Und er betont: „Der Werkstattlohn ist keine Existenzsicherung!“ Eine zu meisternde Aufgabe des neuen Lohnsystems fasst Fredi Gärtner zusammen: „Wir wollen, dass das Lohnsystem gerecht ist. Dabei muss man bedenken, dass wir Menschen vom Schwerstmehrfachbehinderten bis zum Akademiker hier beschäftigen.“

Der Solidaritätsgedanke sei in den Werken der Caritas nach wie vor sehr groß, schließlich erwirtschafte nicht jeder Bereich gleich viel. Mit MELBA gebe es nun ein verbindliches System für alle. Zuvor sei die Arbeit in jedem Bereich separat bewertet worden, erklären Ahnert und Gärtner.