Alsdorf: Zündende Ideen und leuchtende Beispiele

Alsdorf : Zündende Ideen und leuchtende Beispiele

Physikalische Gesetze und chemische Formeln aus der Schulzeit haben viele Erwachsene leider längst vergessen, nicht aber die Experimente, die ein Fachlehrer mehr oder weniger erfolgreich vorführte, um Naturwissenschaften plausibel zu machen.

Vor allem, wenn der Unterrichtsraum, bisweilen ein kleiner Hörsaal, verdunkelt wurde und ein wenig von der Atmosphäre des legendären Films „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann einkehrte, in dem ein gemachter Mann sich nochmals als Pennäler auf die Schulbank begibt — eine unter Alkohol und bei reichlich Tabakgenuss geborene Schnapsidee. Diese Form von Klamauk ist nicht die Sache von Theo Schmitz.

Seine Experimente sind seriös und exakt komponiert — und dadurch ungleich spannender und faszinierender. Das werden Mitglieder seines Teams beim Alsdorfer Stadtgespräch zum Thema „Zündende Ideen — leuchtende Beispiele. Die Energiewende vor Ort“ im Energeticon Alsdorf am Mittwoch, 5. November, unter Beweis stellen.

Da ist Hochspannung im wahrsten Sinne des Wortes angesagt. Die Besucher dürfen gespannt sein. Blitze zucken, Qualm steigt auf Theo Schmitz ist Naturwissenschaftler, aber auch Tüftler, ja Bastler. Und Chef einer eigenen Firma mit dem etwas nüchtern klingenden Namen „Wissenschaftlich- technische Beratung und Entwicklung“, die in einem Vorort von Mönchengladbach in einem alten Bauernhof angesiedelt ist. Als Firmenaktivitäten werden angegeben: Entwicklung und Bau von Experimenten, Experimente-Shows, Vermietung von Publikumsmagneten, Modellbau, Planung und Realisierung von Spezialanfertigungen.

Damit verbunden sind publikumswirksame und nachvollziehbare Experimente, um komplizierte Sachverhalte und die Anwendung von aus Naturwissenschaften resultierenden Erkenntnissen zu verstehen, die unseren Alltag begleiten, ja bestimmen, ohne dass uns das oft bewusst ist. Mit den Jahren haben Schmitz und sein Team gut 1000 Experimente und entsprechende Kons-truktionen entwickelt und gesammelt. Seine Crew besteht aus Fachleuten, darunter sind der Elektrotechniker und der Physiker zu finden, aber auch der Sportlehrer, der Schüler, der Vorlesungsmeister, der Chemiker und der Metallurge. Die lassen je nach Auftrag und Anforderung Blitze zucken, Qualm aufsteigen und Funken sprühen. Gegenstände bewegen sich wie von Geisterhand, aus Spannung wird Musik und vieles mehr.

Dabei hat die berufliche Laufbahn von Schmitz unspektakulär begonnen. 1972 nahm er in Aachen das Studium der Chemie auf. „Schon als Schüler am Stiftischen Humanistischen Gymnasium Mönchengladbach fand ich diese Welt reizvoll“, sagt er. Der Student Theo Schmitz wollte aber noch mehr erfahren, wechselte an die Universität zu Köln, um dort zusätzlich auch noch Physik zu studieren, machte dort dann sein Examen. „Ich habe da frühzeitig Kontakt mit dem WDR-Fernsehen bekommen.“

Er entwickelte Experimente für die Sendereihe „Kopf um Kopf“, ein Spiel rund um Wissenschaft, die 1971 von Alexander Cube entwickelt wurde und noch bis 1991 lief. Dabei traten Schüler gegen Lehrer an und mussten wissenschaftliche Phänomene, die in kurzen, ungewöhnlichen Experimenten dargestellt wurden, erklären. Das ideale Betätigungsfeld für Theo Schmitz! Es folgte die WDR-Sendereihe „Kopfball“, in der von Zuschauern eingereichte Fragen zur Welt der Wissenschaft beantwortet wurden, bei der auch der bekannte Wissenschaftsjournalist und Moderator Ranga Yogeshwar mitwirkte, der am Jülicher Forschungszentrum seine Abschlussarbeit geschrieben hat. Und wieder war Schmitz mit seinen Ideen und Experimenten dabei. So auch bei der ZDF-Reihe „Knoff-Hoff-Show“, die locker mit dem Begriff „Know-How“ (Gewusst wie) umging.

Bei „Quarks & Co“ mischte Schmitz zudem mit. Auch bei der bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen beliebten Reihe „Die Sendung mit der Maus“ durfte Schmitz nicht fehlen, der auch schon mal „der Experimentator vom Niederrhein“ genannt wird. Die Arbeit wurde schon nach wenigen Jahren zum Fulltime-Job, erzählt Theo Schmitz. Zumal er nicht nur für Sender arbeitet(e), sondern auch für Firmen und Institute, so zum Beispiel für die Universität zu Köln. Weißer Rauch Ist auch schon mal ein Experiment richtig daneben gegangen?

Schmitz schmunzelt und erzählt von einer Rezeptur aus einem Buch, die er „stur“ nachgemischt und vor einem Einsatz auf der Bühne im heimischen Keller zwischengelagert hatte. Nach einer Weile habe es einen „lauten Puff“ gegeben und weißer Qualm drang aus dem Keller in die Wohnräume. Durch konsequentes Lüften war das Problem schnell behoben. „Zum Glück war meine Familie nicht daheim.“ Da hätte er wohl viel Ärger bekommen.

Für die Livesendung am nächsten Tag hat Schmitz dann lieber die Mixtur frisch vor Ort bereitet, damit das Ganze auch dann „Puff macht“, wenn es auch soll. Das hat dann auch geklappt. Großen Wert legt der Naturwissenschaftler, der auch schon mal gerne selbst mit klassischer Fliege am Kragen und weißem Kittel auf der Bühne agiert oder sich als Zauberer Merlin kostümiert, darauf, dass Sicherheit oberstes Gebot bei den Experimenten ist. Alles wird vorher vor Ort geprobt. Und natürlich werden alle Anforderungen für Brand- und Explosionsschutz genau eingehalten.

So soll es auch am 5. November im Alsdorfer Energeticon sein, wenn es sein Team dort so richtig krachen lässt. Blitzritter im Video unter: http://www.youtube.com/watch?v=ByxNuaSMFFw Redaktion Städteregion (montags bis freitags, 10 - 18 Uhr) Tel.: 0241/5101-366 Fax: 0241/5101-360 staedteregion@zeitungsverlag-aachen.de