Kreis Heinsberg: Züchter müssen Klasse und Masse produzieren

Kreis Heinsberg : Züchter müssen Klasse und Masse produzieren

„Wie lange soll ich denn?” Mit dieser Frage zu Beginn seiner Rede beim Heinsberger Schweinetag, der großen Informationstagung des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion für den Kreis Heinsberg, gab Karl-Heinz Funke, Bundeslandwirtschaftsminister a.D., am Donnerstagnachmittag in der Oberbrucher Festhalle eine kleine Kostprobe seines Humors.

Eine Statistik der Universität Oxford, nach der rund 20 Prozent der rund 140 Teilnehmer ihm schon nach zehn Minuten nicht mehr zuhören würden, schloss er gleich an. Die „Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der tierischen Veredlung” waren dann sein Thema, das er über eine Stunde lang beleuchtete, durchaus ernsthaft, in kleinen Einschüben aber nicht weniger humorvoll.

Wenn es um die Zukunftsperspektiven der Schweinezucht gehe, müssten drei Dinge untersucht werden, erklärte er den rund 140 Zuhörern: die Entwicklung der Märkte, das Verhalten der Verbraucher und die Situation des Wettbewerbs. Dabei bringe es überhaupt nichts, nur den deutschen oder europäischen Markt zu betrachten.

Man müsse die internationalen Märkte im Auge haben, erklärte er. Der Spruch „Klasse statt Masse” führe agrarpolitisch in die Irre. Der Veredler müsse heute Klasse und Masse bieten, wenn er überleben wolle. Die Bereitschaft der Verbraucher, mehr zu zahlen, sei nicht vorhanden. „Warum sollte der Verbraucher auch mehr geben, als er unbedingt muss?”. So lautete Funkes Frage. Die Antwort gab er selbst: „Entweder habe ich die Marktmacht, dann kann ich es durchsetzen, sonst kann ich es nicht.”

Dann vermittelte er den Zuhörern einen Exkurs durch die Geschichte des Verbraucherverhaltens seit dem Zweiten Weltkrieg. Wo früher jeder versucht habe, sich selbst zu versorgen, sei heute ein völlig verändertes Verhalten feststellbar: weg vom Rohstoffeinkauf hin zum Fertigprodukt.

Deutschland habe einen hervorragenden Standard, um in Zentraleuropa, ja sogar weltweit mithalten zu können, zog er nach einer kurzen wirtschaftsgeografischen Betrachtung ein eindeutiges Fazit. Deutschland habe die Rohstoffe, Kenntnisse in Lebensmitteltechnologie und Hygiene sowie in Forschung und Tiermedizin, das Produktionswissen und nicht zuletzt eine hohe Kapitalverfügbarkeit. Dabei verhehlte er allerdings nicht, dass in Zukunft auch Gen- und Biotechnologie eine große Rolle spielen würden.

Laut Berechnungen der Welternährungsorganisation werde die Nachfrage auf Basis des heutigen Produktionsstandes in den nächsten zehn Jahren weltweit um 60Prozent steigen, so Funke. Die bereits in den 90er Jahren erhobenen Zahlen hätten sich schon bis heute bestätigt und würden sogar übertroffen. 25 Prozent ließen sich über die Fläche ausweiten, 35 Prozent allein über Produktivitäts- und Intensitätsentwicklung.

„Wenn wir das nicht wollen, wollen wir nicht teilhaben an dem, was ist auf der Welt!” Deutschland müsse sich eine Weltmarktorientierung zulegen. „Wenn wir die nicht haben, werden wir scheitern.” Allerdings müssten dabei die politischen Regelungen stimmen. Die Vermarktung sei noch zu verbessern, räumte Funke ein. „Halten Sie Ihre Veredlung in Ordnung”, lautete sein Appell. „Das können nur wenige, auch dauerhaft nur wenige. Und die Nachfrage wird auf Dauer steigen!”