Zuckerstückchen halten "Max" bei Laune

Zuckerstückchen halten "Max" bei Laune

Erkelenz (an-o) - Lisa strahlt: Soeben hat ihr der Preisrichter das Stoffabzeichen mit dem kleinen grünen Hufeisen darauf samt dazugehöriger Urkunde in die Hand gedrückt. Für die Zehnjährige ist dies der erste sportliche Erfolg in ihrem Leben.

Auf diesen Augenblick hat die Schülerin, die inzwischen Mitglied im Reit- und Fahrverein Erkelenz ist, lange gewartet. Als sie ihre "Trophäe" in der Hand hält, gehen ihr die vergangenen zwei Wochen noch einmal durch den Kopf: Sie denkt an den Lehrgang zurück, den sie und 20 andere Kinder mit ihren Ponys zusammen absolviert haben.

Als Erstes machte ihr Trainer Trockenübungen mit ihnen: Er zeigte den "Frischlingen", wie sie ihr Pony richtig aus dem Stall holen und fachgerecht anbinden. Das wusste Lisa natürlich schon vorher, "ich reite ja schließlich nicht erst seid gestern", dachte sie.

Aber es gab auch einige, wie Anna, die das noch nicht so gut konnten. Als dann jeder sein Pony angebunden hatte, machten sie sich daran, ihre Lieblinge zu putzen. Und da Lisa und Max, so hießt nämlich ihr Pony, ein eingespieltes Team sind, ging das natürlich alles ganz schnell. Innerhalb von zehn Minuten stand Max blitzblank in der Stallgasse. Lisa schaute zu, wie der Trainer den anderen erklärte, wofür man welche Bürste benutzt und wie man damit umgeht. Danach wurden die Ponys gesattelt und getrenst, also das Zaumzeug angelegt. "Gar kein Problem", dachte Lisa sich - aber da hat sie die Rechnung ohne Max gemacht, denn der fand die Heuballen viel interessanter als eine Trense. Und als er merkte, dass er nicht mehr angebunden ist und Lisa noch sämtliche Riemen sortieren muss, geht er gemütlich zum Heu: Erstmal ein Imbiss.

Aber Lisa gab nicht klein bei. "Es wäre doch gelacht, wenn ich mich gegen meinen Max nicht durchsetzen könnte", denkt sie und verschafft sich mit ein paar deutlichen Worten erst einmal den nötigen Respekt. Dann schiebt sie Max die Trense ins Maul. Das Zuckerstückchen folgt natürlich sofort, da das Pony schließlich bei Laune bleiben soll. Dann wurde es ernst.

Zwei Gruppen

Nachdem der Trainer sich jeden Einzelnen angesehen und sich ein erstes Urteil gebildet hatte, wurde die Gruppe in zwei Teile geteilt. Diejenige, die wie Lisa schon ganz gut mit ihrem Pony zurecht kamen, und die, die noch etwas Übung brauchten: Getrennte Reitstunden also. Und natürlich auch die Theorie: Sie bekamen Aufgabenblätter in die Hand gedrückt. Da standen Fragen drauf, die auch in der theoretischen Prüfung auftauchen konnten. Wofür man einen Gummistriegel benutzt, zum Beispiel. Das wusste Lisa natürlich schon längst: Nämlich um den groben Schmutz weg zu machen.

Dann war es fast soweit, der große Tag nahte. Jetzt hieß es, den Ponys die Mähne einflechten und beten, dass sie sich die Zöpfchen über Nacht nicht aufscheuern. Das war gar nicht so einfach: Entweder waren die Zöpfchen schief oder nicht gleich groß. Aber es klappte dann doch alles wie geschmiert. Jetzt noch die Nacht überstehen.

Morgens dann doch das große Chaos: Sie musste nämlich schnell noch die Mähne richten und dabei peinlich genau darauf achten, dass keine Flecke auf die weiße Reithose oder auf das Jacket kommen. Auch das überstand Lisa - obwohl sie sehr nervös war. Dann der praktische Teil der Prüfung. Nicht jedes Pony ist so gelassen wie Max, einige seiner "Kollegen" ließen sich von der Nervosität ihrer Reiterinnen anstecken. Nach dem Warmreiten aber hatten sich alle wieder gefangen. Die kleinen Reiterinnen zeigten dem Richter, was sie alles gelernt hatten - und das nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Theorie.

Jede hat die Prüfung bestanden. Und so gibt es nun 20 neue Mitglieder im Reitverein. Sie haben die erste Hürde im Reitsport zusammen mit ihren Ponys gemeistert. Darüber sind sie froh und darauf sind sie stolz.