Wegberg: Zu Jubiläum strahlt Gotteshaus wie neu

Wegberg : Zu Jubiläum strahlt Gotteshaus wie neu

In der Abendsonne strahlt die Friedenskirche Licht und Ruhe gleichermaßen aus.

Das Weiß der Fassade fängt die letzten Sonnenstrahlen auf, erhellt den schattigen Pfarrgarten, in dem sich lautstark zwei Katzen prügeln.

Der Idylle können die zwei Streithähne nichts anhaben, ganz im Gegenteil. Denn Leben gehört zur Evangelischen Friedenskirche Wegberg, und das seit genau 50 Jahren.

Am Reformationstag, Freitag, 31. Oktober, begeht die Pfarrgemeinde das Kirchenjubiläum: Am 1. November 1953, wurde das Gotteshaus mit einem festlichen Gottesdienst seiner Bestimmung übergeben.

Der Bau der Friedenskirche markiert sozusagen den Beginnt des protestantischen Lebens in Wegberg. „Bis 1945 gab es lediglich 60 Protestanten in Wegberg, doch die gehörten zur Evangelischen Pfarrgemeinde in Schwanenberg”, weiß Walter Gans, der die Chronik zum Jubiläum erstellte.

Mit der Flüchtlingswelle zum Ende des Zweiten Weltkriegs änderte sich das Bild schlagartig. Plötzlich strömten hunderte evangelische Christen in die Region. „In Wegberg kamen nach Kriegsende 1500 Gläubige hinzu”, berichtet der Hobbyhistoriker.

Und die wollten ihrem Glauben natürlich auch weiterhin nachgehen. Zunächst erfolgten Gottesdienst im Wohnzimmer einer Wegberger Familie, später zog die Gemeinde in eine Gaststätte, ehe ab 1949 ein Saal im Rathaus zur Verfügung gestellt wurde.

1952 stellte die Verwaltung der Gemeinde das heutige Grundstück zur Verfügung, die Protestanten gingen sogleich an die Planung. Noch im selben Jahr starteten die Ausschachtungen, bereits am 1. November 1953 wurde zum ersten Gottesdienst gerufen.

Geläutet werden konnte leider noch nicht, da die Glocke nicht rechtzeitig fertig wurde. Auch die Orgel erklang aus Geldmangel erst Jahre später. Dafür musizierte Hans-Joachim Haude auf dem alten Harmonium des Rathauses.

Maßgeblich an der Initiative zum Kirchenbau beteiligt war Pfarrer August Wirtz aus Schwanenberg. Bei der „Eröffnungsfeier” übernahm er nicht nur den Schlüssel aus den Hände des Präses der Landeskirche, Heinrich Held, sondern gab vermutlich auch der Friedenskirche den Namen. Erst 1963 wurde die Wegberger Gemeinde eigenständig, bis dahin gehörte sie zu Schwanenberg.

„Die Kirche war von vornherein als Mehrzweckraum geplant”, berichtet Gans. Im hinteren Bereich, der mit einer Schiebetür abgetrennt werden konnte, gab es Raum für die Bibliothek und Jugendarbeit. Zu Feiern wurde der Saal mit Tischen eingedeckt. Auch Kinofilme wurden in dem Raum gezeigt. „Damals verfügte die Kirche noch nicht über Bänke, die Gläubigen saßen auf Stühlen.”

Bereits in den 60ern hatte die Gemeinde mit einigen Mängeln am Gebäude zu kämpfen. Dachziegel zerbröselten, ein Notausgang fehlte, der Fußboden war zu rutschig, musste erneuert werden, und erste Risse taten sich im Mauerwerk auf. 1980 folgte die Außensanierung, 1988 wurde innen gestrichen, ehe 1994 die Orgel repariert und der heutige Holzboden verlegt wurde.

Die Kanzel und der Abendmahltisch wurden 1999 erneuert, 2001 entwarf der Wegberger Christian Walter die neuen Fenster. Im letzten Jahr stand schließlich wieder eine Restaurierung der Außenwand an. Gleichzeit wurden in Kooperation mit dem Kirchenkreis Sonnenkollektoren aufs Dach gesetzt, so dass die Kirche pünktlich zum Jubiläum erstrahlt wie neu.

So manche Höhen und Tiefen erlebten die Gläubigen in den 50 Jahren. In der Nachkriegszeit litt die Gemeinde unter notorischem Geldmangel. In den 70ern erklärte ein Gutachter die Kirche als nahezu baufällig, die Angst vor einem Abriss ging um. In den 80ern schlossen sich die Wegberger der Friedensbewegung an.

„Frieden war und ist für die Gemeinde wichtig, schließlich kamen die meisten Mitglieder durch den Krieg nach Wegberg”, erläutert Gans.

Die Kirche wurde zur atomwaffenfreien Zone erklärt. „Die Menschen hatten die Grauen des Krieges erlebt, und wollten alles dafür tun, damit nie wieder ein Krieg entstehen konnte”, erklärt Walter Gans. Das Presbyterium löste sich auf und musste neu gewählt werden. Später engagierte sich die Gemeinde ebenso für den Umweltschutz.

In ihren Pfarrern fanden die Wegberger Protestanten hilfreiche Weggefährten. Von 1963 bis 1971 kümmerte sich Pfarrer Friedrich Benz um die Belange der Gemeinde, es folgte Pfarrer Wolfgang Hindrichs, der 1972 von Pfarrer Gerhard Körtner abgelöst wurde, ehe 1980 Helmut Spree das Ruder übernahm.

Seit 1992 führt Pfarrerin Ute Schlammer die Friedenskirche.