Hückelhoven-Ratheim: Zeichnen, was das Zeug hält

Hückelhoven-Ratheim : Zeichnen, was das Zeug hält

Herzberg de Pers - eigentlich Dr. Henning Herzberg, seines Zeichens Hückelhovener Architekt, Stadtplaner und Politiker - zeichnet und malt, was das Zeug hält. Oder anders ausgedrückt: nichts ist vor ihm sicher.

Denn wie andere Menschen eine Uhr oder den Wohnungsschlüssel bei sich haben, ist sein ständiger Begleiter ein Zeichenblock. Und so kann es geschehen, dass sich zwei irgendwo erregt miteinander unterhaltende Frauen, süffisant belächelt von einem dabeistehenden Mann, gut erkennbar auf einem Blatt Papier wieder finden.

Der 1938 in Magdeburg geborene Henning Herzberg, dessen Mutter nach dem Tod des Mannes und Vaters in zweiter Ehe den Namen de Pers angenommen hat, studierte Architektur und Städteplanung in Aachen und Berlin. Doch er hatte immer schon gespürt, dass ihm das zu wenig ist, um ein ausgefülltes Leben zu führen.

So lag es nahe, dass er in diesen beiden Städten und zudem in Salzburg sich noch der Malerei verschrieb. Aufgewachsen in Bergen auf der Insel Rügen hat er jedoch viel, wenn nicht alles, seinem damaligen Kunsterzieher Jochen Daerr zu verdanken, der Herzbergs Talent schnell erkannte und förderte. Sein zweiter großer Lehrer wurde Professor Wilhelm Tank in der Kunstakademie in Berlin, wo es den Künstler 1958 hinzog.

Und seit dieser Zeit, seit nunmehr 50 Jahren, ist der promovierte Stadtplaner auf der Suche nach dem immer wieder passenden oder vielleicht auch absoluten Strich. Seine Werke sind bestimmt von einem durchgehend graphischen Element, mit dem er in ständigem Wechsel zwischen strenger Federführung und lockerem Handgelenk das Wirkliche momenthaft festhält.

Diese Momenthaftigkeit zeugt von einem großen Spieltrieb, den sich der nun 70-Jährige nie hat nehmen lassen; seine Augen verraten immer noch seine kindliche Seite, ebenso in stetem Wechsel zwischen ironischem Lächeln und halbwegs strengem Anschauen. Herzbergs Einfallsreichtum, wobei zu bemerken ist, dass der Begriff des Einfallens hin und wieder wörtlich zu nehmen ist, wird in seinen Bildern und Zeichnungen ganz konkret - er ist selbst zu einem Thema geworden.

Denn der Künstler verwendet nicht nur die konventionell vorgegebenen Acryl- und Ölfarben, sondern neben seinem geliebten Bleistift auch Kugelschreiber und, wenn nichts von alledem vorhanden, Kaffee, Kakao oder Wein. So wird der Akt des Malens selber zu einem künstlerischen Vorgang: er trinkt und malt gleichzeitig.

Aber auch Eigelb und Eiweiß - und wer weiß, welche sonstigen, nicht von ihm verratenen Flüssigkeiten auch noch - mischen sich in sein Werk, was dem völlig reduzierten Bleistiftstrich hie dort eine ganz eigene Farblichkeit abgewinnt. Die elegante alte Lady im Wiener Konzerthaus, die ihren Mund so weit aus dem Gesicht hält, dass er beinahe abfällt, fängt die innere Stimmung der Dame gekonnt ein, während die drei Bilder aus Breteuil bei einem dortigen Künstlertreffen durch ihre eigenwillige Farbe bestechen.

Herzberg de Pers spielt zwischen situativer Assoziation und herangereifter Reflexion. Seine Werke erzählen immer eine kleine Geschichte, was eine mitunter klare Metaphorik voraussetzt. Hat man die erste Metapher erfasst, so öffnen sich einem die Bilder wie eine Novelle, die man liest. Ob es nun seine symbolischen Kompositionen, seine Reiseimpressionen von den Küsten dieser Welt oder seine Aktbilder sind, auf denen er die fleischlichen Deformierungen des weiblichen Körper fein herausarbeitet - die Lesbarkeit der Empfindung scheint sein künstlerisches Credo zu sein.

Am besten man schaut es sich selber an, im Alten Rathaus in Ratheim am Samstag, 18. Oktober, von halb drei bis halb sechs und Sonntag, 19 Oktober von elf bis halb sechs ist das noch möglich. Ein kleiner Spaziergang durch 50 Jahre Leben und Kunst.