Kreis Heinsberg: Zehn Jahre Schuldnerberatung: Anerkennende Worte für „Erfolgsmodell”

Kreis Heinsberg : Zehn Jahre Schuldnerberatung: Anerkennende Worte für „Erfolgsmodell”

Ist es ein Grund zur Freude, dass die Schuldner- und Insolvenzberatung im Kreis Heinsberg „blüht, wächst und gedeiht”? Oder wäre es nicht schöner, wenn es sie gar nicht geben müsste?

Diese Fragen stellte Pfarrer Dr. Thomas Kreßner, ehemals Diakoniepfarrer des Kirchenkreises Jülich, als Moderator in den Raum, als am Donnerstag in den Räumlichkeiten der Evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven das zehnjährige Bestehen der Beratung gefeiert wurde.

Immer mehr Menschen in Not kämen in die Beratungsstelle. Und mit deren Hilfe fänden sie Wege aus der Not. So galten dem Gemeinschaftsprojekt von Diakonischem Werk und Arbeiterwohlfahrt und vor allem den Mitarbeitern viele anerkennende Worte.

Josef Krawanja, der Kreisvorsitzende der AWO, bezeichnete die - auch in der Heinsberger Erziehungsberatungsstelle praktizierte - Kooperation von Diakonie und Arbeiterwohlfahrt als „Erfolgsmodell”, das fortgesetzt werden sollte. Er erinnerte an den schwierigen und langwierigen Prozess, ehe die Beratungsstelle am 1.Oktober 1998 aus der Taufe gehoben werden konnte. Jens Sannig, Superintendent und Diakoniepfarrer des Kirchenkreises, stellte den Mitarbeitern ein gutes Zeugnis aus, der Gesellschaft aber ein Armutszeugnis, denn es sei ein Skandal, dass eine solche Beratungsarbeit in diesem Umfang überhaupt erforderlich sei. Menschen wieder Lebensperspektive und ein Stück ihrer Menschenwürde zu geben, dies werde in der Beratung geleistet.

Landrat Stephan Pusch gratulierte Trägern und Mitarbeitern, teilte aber die nachdenkliche Stimmung angesichts der Tatsache, dass Schulden machen gesellschaftsfähig und die Angebote verlockend seien, aber auch angesichts der aktuellen Finanzkrise. Er forderte ein Umdenken in der Gesellschaft, verantwortungsvolles Handeln und Bremsen in den Geschäftsmodellen. Lob für die „sehr kompetente Arbeit” der Beratungsstelle sprach Hans-Josef Mertens vom Kreissparkassenvorstand aus.

Die Unterstützung, die von der Sparkasse geleistet werde (in diesem Jahr 76.000 Euro), sei gut angelegtes Geld. Den Aspekt, dass Privatbanken bislang nicht bei der Finanzierung der Beratungsstelle ins Boot geholt werden konnten, führte Kreßner scherzhaft darauf zurück, dass diese demnächst wohl zu den Kunden der Schuldnerberatung gehören könnten... Auch Dieter Geitner, stellvertretender Bürgermeister von Hückelhoven, und Pfarrerin Irene Schlawin zählten zu den Gratulanten bei der Feier, die Udo Wolff am Klavier begleitete.

„Quo vadis Schuldnerberatung?” Diese Frage beleuchtete Hartmut Bröcker, Geschäftsführer des Evangelischen Fachverbandes für Schuldnerberatung. Er sprach sich für die Entwicklung nachhaltiger Finanzierungssysteme aus. Neben Sparkassen, Kommunen, Argen und Trägern sollten auch andere gesellschaftliche Gruppen mitwirken.

Auch über die Kostenfreiheit der Beratung müsse möglicherweise geredet werden. Dies dürfe jedenfalls nicht tabuisiert werden. Er skizzierte seine Idee der Schuldnerberatung als Service-Punkt in Sachen Finanzkompetenz, beispielsweise mit Online-Beratung und präventiver Netzwerkarbeit im Zusammenwirken mit Banken und Schulen.