Wassenberg: Zahme Zeugen einer rauen Zeit

Wassenberg : Zahme Zeugen einer rauen Zeit

„Und der Haifisch, der hat Zähne...” - wer kennt diese Textzeilen aus Bertholt Brechts Dreigroschenoper nicht.

Erika und Erwin Held haben auch Zähne, im Mund und auf dem Tisch, denn ihre Leidenschaft ist selten. Sie sammeln fossile Haifischzähne.

Megadolon-Zahn

Von nur stecknadelkopfgroßen Exemplaren bis zu ausgewachsenen knapp zehn Zentimetern eines „Megadolon” (Riesenhais) reicht die Palette. Auf den letztgenannten ist Erika Held besonders stolz, denn den hat sie gefunden.

Und genau dieser Zahn gilt als so etwas wie die „Blaue Mauritius” unter den Haizahnsammlern. Eine kleine Gemeinschaft ist es, die den Strand rund ums niederländische Cadzand immer wieder nach den bis zu 65 Millionen Jahre alten Zeitzeugen absucht.

„Wir haben uns immer gefragt, warum die Leute in so gebückter Haltung am Strand entlanglaufen”, berichtet Erwin Held von den Anfängen der Sammelleidenschaft. Durch seine Neugier und mit Hilfe einiger fleißiger Sammler kamen auch er und seine Frau dann zu diesem faszinierenden Hobby.

Das war Anfang der 80er Jahre, und bis heute sind über 300 Zähne zusammengekommen. Auf den ersten Blick wirken sie mit ihrer schimmernden Oberfläche und dem dahinter liegenden Stein wie eine Kralle oder ein zufällig vom Meer so geschliffener Stein.

„Es ist am Anfang gar nicht so leicht, die Zähne zu entdecken, doch wenn man einmal den Blick dafür hat, ist es einfach”, weiß Erwin Held.

Wahrscheinlich würde jeder normale Strandspaziergänger die dunklen Zeugen längst vergangener Epochen auch für Steine halten. Doch die Helds haben bereits einen Blick dafür entwickelt. Darum reisen sie immer wieder in diese ganz spezielle Küstenregion. „Nur dort gibt es die Möglichkeit, die Haifischzähne auch zu finden”, erklärt Erika Held.

Denn hier, so berichtet das Sammlerpaar weiter, wird immer wieder Sand vom Meeresgrund aufgetragen, um den Landverlust durch Erosion zu vermindern und die Küste zu erhalten. Mit der Zeit werden aus dem Sand tief vom Grund des Meeres auch enthaltene Fossilien ausgespült, die schließlich vor den Füßen der Sammler liegen.

Fein von Sandrückständen gesäubert, landeten die guten Stück zunächst in einem kleinen Sammelbehälter in der Wohnung der Helds.

Die Boxen und Kisten wurden immer größer. Jetzt hat sich das Paar entschieden, besondere Stücke in Schaukästen zu präsentieren. Natürlich immer mit einem Bestimmungsbuch in der Hand, um den Namen des dazugehörigen Raubfisches dazuschreiben zu können.

Dabei erfahren die Betrachter zum Beispiel, dass der eingangs erwähnte seltene Megadolon-Zahn zu einem bis zu 18 Meter langen Räuber der Meere gehörte. Die kleinen Zeitzeugen sind allerdings wesentlich handlicher und auch zahmer.