Aachen: Zahlen steigen stark an: Hautkrankheit Krätze eine Plage

Aachen : Zahlen steigen stark an: Hautkrankheit Krätze eine Plage

Der Apotheker spricht sogar von einer Seuche: „Wir haben eine Krätze-Epidemie.“ Die Zahl der Behandlungen allein in seiner Wirkungsstätte hat sich in zwei Jahren verfünffacht, von sechs in 2013 auf bisher 30 allein in diesem Jahr: „Es grassiert hier.“

Die ansteckende Krankheit, die von Haut zu Haut übertragen und von lästigen Milben ausgelöst wird, komme in allen Schichten vor, vom Obdachlosen in Rothe Erde bis zu Stationen im Krankenhaus, in Seniorenheimen oder Kitas. Und oft herrsche auch bei Ärzten „völlige Unklarheit“.

Ähnliche Auskunft gibt Dr. Daniela Höller Obrigkeit von der Praxisklinik für Dermatologie am Boxgraben. „Das hat signifikant zugenommen. Wir haben in den letzten drei, vier Monaten mehr Fälle gehabt als in den fünf Jahren zuvor.“ Ein typisches Symptom sei der nächtliche Juckreiz. Auch in der Privatpraxis hätten sich die Krätze-Fälle erschreckend vermehrt. So würden die Viecher gerne aus einem Urlaubshotel mitgebracht, auch in Pflegeeinrichtungen, Kindergärten oder Schulen würden immer wieder Ansteckungen gemeldet.

Dennoch will Dr. Verena Bochat vom Gesundheitsamt der Städteregion nicht von einer Epidemie sprechen, dazu seien die Zahlen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (rund 500.000 Menschen im Einzugsgebiet) zu niedrig. Aber immerhin: 2013 wurden 26 Fälle gemeldet, bisher in diesem Jahr bereits 104: „Es ist schon deutlich ansteigend. Woran das liegt, können wir nicht sagen.“ Allerdings seien ja nur die Fälle aus den Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“

Die Krätze wird ausgelöst durch mit bloßem Auge kaum wahrnehmbare Spinnentiere, die starke Hautreaktionen auslösen. Betroffen sind insbesondere Kinder in Kindertagesstätten und Schulen sowie pflegebedürftige Menschen, da die Krätze bei Hautkontakt übertragen wird. Beispiele hierfür sind das gemeinsame Schlafen in einem Bett, Spielen und Kuscheln sowie pflegerische Tätigkeiten. Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass auch Eltern verpflichtet sind, Kita oder Schule über die Krankheit zu informieren. Eine Wiederzulassung des Kindes darf erst nach Therapie erfolgen. Zudem sei es immens wichtig, die Hautkrankheit so schnell wie möglich richtig zu behandeln.

Allerdings sei die Diagnose nicht ganz einfach, mitunter werde auch auf eine Allergie, ein Ekzem oder Neurodermitis gesetzt, weiß Dr. Bochat. Auch gebe es, ähnlich wie bei Läusen, eine Hemmung, sich mit dem Thema Krätze zu beschäftigen, „weil es einem peinlich ist.“ Deshalb versuche man, eine breite Öffentlichkeit zu informieren, „weil die Krätze gut behandelbar ist.“ Ganz wichtig sei deshalb sowohl eine schnelle Meldung als auch die korrekte Behandlung der Krankheit, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden. Im Verdachtsfall wird geraten, schnellstmöglich einen Hautarzt aufzusuchen. „Denn je eher Krätze richtig behandelt wird, desto eher lässt sie sich eindämmen.“

Krätze (medizinisch: Skabies) ist eine weit verbreitete parasitäre Hautkrankheit des Menschen. Sie wird durch Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) verursacht. Die 0,3 bis 0,5 Millimeter großen Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort ihre Eier ab. Ihre Absonderungen sorgen für heftige Hautreaktionen mit Bläschen, Pusteln und nachfolgend auch Kratzwunden. Die Inkubationszeit beträgt etwa drei bis sechs Wochen.

Für befallene Patienten gilt in Deutschland nach Paragraf 34 Infektionsschutzgesetz bereits bei Verdacht ein Verbot des Aufenthalts in Gemeinschaftseinrichtungen. Die Behandlung erfolgt vor allem mit einer Insektizid-haltigen Salbe, die in der Regel nach einer einmaligen Anwendung die Milben abtötet.