Hückelhoven: „Wohnen an der Autobahn”

Hückelhoven : „Wohnen an der Autobahn”

Das geplante Wohngebiet zwischen der L117, der Autobahn 46, der Bahntrasse und dem Wohngebiet „Robert-Koch-Straße” in Ratheim ist eine schwere Geburt.

Die Änderungen, die im Flächennutzungsplan erforderlich werden, sind so umfangreich, dass bei allen Gruppen, die im politischen Bereich den neuen Bebauungsplan absegnen müssen, noch Beratungsbedarf besteht.

Insgesamt sollen in dem Gebiet, das von manchen ganz und gar nicht einschmeichelnd mit dem Slogan „Wohnen an der Autobahn” etikettiert wird, 125 Wohneinheiten entstehen. Dafür müssen eine ganze Reihe von Vorraussetzungen geschaffen werden.

Wie werden die Bewohner des neuen Baugebietes vor dem Lärm der Autobahn geschützt? Da gibt es strenge Auflagen, auf die das staatliche Umweltamt Aachen aufmerksam macht und mit dem Finger auf das Bundesimmissionsschutzgesetz verweist. Die erforderlichen Schallschutzmaßnahmen waren im Bebauungsplanentwurf nämlich nicht vorgesehen. Wer mit „Wohnen an der Autobahn” Geld verdienen will, muss schon einiges investieren...

Das anfallende Abwasser muss ja auch irgendwohin. Dafür werden an jedem Grundstück Einzelversickerungsanlagen installiert. Die müssen bestimmte Abstände einhalten. Dafür aber sind die Grundstücke in dem neuen Baugebiet zu eng beschnitten. Ein Problem, das aber mit der Kunst der Ingenieure in den Griff zu kriegen ist.

Wo hin mit dem Abwasser aus den einzelnen Häusern? Dafür muss ein Versickerungsbauwerk geschaffen werden. Dafür müssen Leitungen von den Häusern im Wohngebiet unter der Autobahn hindurch gelegt werden, die dann in einem „Bauwerk” münden.

Was passiert mit dem Verkehr, den die Bewohner der 125 neuen Wohneinheiten verursachen werden? Wie kommen die überhaupt in das neue Baugebiet? Dafür muss ein neuer Kreisverkehr an der L117 angelegt werden.

Stadt bleibt draußen

Das alles kostet Geld - das hat die Stadt zum einen nicht, und zum anderen: Wenn sie es hätte, würde sie es nicht dafür ausgeben. Denn das, bitteschön, soll der Investor selbst bezahlen.

Das aber muss mit ihm vertraglich geregelt werden: „Mit dem Investor ist im Rahmen des städtebaulichen Vertrages eine Vereinbarung über die Übernahme der Herstellungskosten für den Kreisverkehr und für das Versickerunsgsbauwerk zu treffen”, heißt es in dem Beschlussvorschlag, den die Stadtverordneten in der nächsten Ratssitzung absegnen sollen.

„Bei ordnungsbehördlichen Dingen möchten wir als Stadt möglichst ganz draußen bleiben”, betont Kämmerer Helmut Holländer. Wohl wissend, dass sonst eine Menge Ärger mit den künftigen Neu-Ratheimern ins Haus stünde.