Kreis Düren: Wo der Orpheusspötter fröhlich zwitschert

Kreis Düren : Wo der Orpheusspötter fröhlich zwitschert

Wissen Sie, welche Farben der Ziegenmelker hat? Würden Sie eine Goldammer an ihrem Gesang erkennen? Wo lebt der Orpheusspötter im Winter? Und welcher Vogel kann kopfüber an Bäumen hinunterlaufen?

Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt es bei einem Vogelbestimmungskurs der Biologischen Station. „Das Interesse an den heimischen Vögeln wächst seit Jahren“, weiß Alexandra Schieweling von der Biologischen Station im Kreis Düren. „Die Menschen gehen gerne raus, bewegen sich in der Natur — und dann wollen sie wissen, wer da singt und fliegt.“

Bei manchen Menschen richtet sich der Blick vor allem auf das Vogelhäuschen im Garten und die Frage, ob sie auch wirklich alle da sind, die heimischen Vögel. Andere fahren durch halb Deutschland, um eine seltene Vogelart zu beobachten. Auf Internetplattformen wie www.ornitho.de beispielsweise würden solche seltenen Vögel gemeldet. So kommen Vogelfreunde ins Dürener Land, um dort die Grauammer (kleines Foto) zu sehen. Die war früher ein Allerweltsvogel, ist heute aber heute vielerorts wegen der intensiven Landwirtschaft nur noch selten zu beobachten. „Im Kreis Düren ist die Population stabil“, sagt Schieweling. Das sei auch verschiedenen Schutzmaßnahmen zu verdanken.

Optisch ist die Grauammer eher unscheinbar wie Spatzen und Lerchen, der Wiesenvogel klirrt aber gesanglich wie ein geschüttelter Schlüsselbund und sitzt dabei gerne auf Zaunpfählen oder Leitungsdrähten.

In die Ferne geht es mit der Biostation nicht, aber bei vier Exkursionen werden verschiedene Lebensräume wie Feld, Wald und See besucht. Wenn die Hobby-Ornithologen Glück haben, können sie an einem Termin bis zu 30 Vogelarten wie Heidelerche, Wiesenschafstelze und Orpheusspötter und hören und sehen. „Aber Vögel können nun mal fliegen, eine Garantie, eine bestimmte Art zu entdecken, gibt es daher nicht“, sagt Schieweling. Am Zülpicher See stünden die Chancen für den Eisvogel nicht schlecht und im Wald werden sicher Spechte zu sehen sein. „Wer sich Zeit nimmt, sieht, wie viele verschiedene Vögel es bei uns gibt, und hört, wie unterschiedlich diese Vögel singen“, sagt Schieweling. Die Vogelkundlerin selbst ist merklich beeindruckt von dieser Vielfalt, von den unterschiedlichen Federkleidern und den Stimmen der Tiere.

Löffelenten, Schnatterenten

„Am See sehen die Menschen zuerst einfach nur Enten. Beim genauen Hinsehen fällt aber auf, dass es nicht nur die bekannten Stockenten sind. Da sind auch Löffelenten, Schnatterenten, außerdem entdeckt man Saatgänse und Blässgänse.“ Man sieht eben nur, was man kennt — und vor allem Details in der Stimme oder im Federkleid sind oft interessant.

Aber: „Gerade das Erkennen von Vögeln an ihrem Gesang ist recht knifflig“, sagt Schieweling. Dafür braucht Übung, aber im Internet gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, den Gesang noch einmal nachzuhören. „Und zu jeder Jahreszeit muss auch ich mich noch einmal neu in die Stimmen der Vögel, die dann bei uns sind, hineinhören“, sagt Schieweling.

Der Kurs der wissenschaftlichen Mitarbeiterin richtet sich an Anfänger, Vorkenntnisse seien nicht nötig. Aber auch wer Feldlerchen, Kohlmeisen und Rotmilane längst kennt, könne noch viel Neues dazulernen. „Und was die Menschen kennen, sind sie auch bereit zu schützen“ — das ist das übergeordnete Ziel des Vogelbestimmungskurses.

Der Ziegenmelker ist schwarzbraun und sein Gefieder ähnelt dem von Baumrinde. Im Gesang der Goldammer hört man dem Volksmund zufolge ein „Wie, wie, wie hab ich dich lieb“ heraus. Der Orpheusspötter wohnt im Winter südlich der Sahara im tropischen Westafrika. Und kopfüber laufen kann nur der Kleiber.