Aachen: Wirtschaft profitiert von der Kunst und umgekehrt

Aachen : Wirtschaft profitiert von der Kunst und umgekehrt

Die Symbiose von Kultur und Wirtschaft — das hört sich schön an, kann Großes bewirken, bleibt aber viel zu oft eine Wunschvorstellung. Um das zu ändern, wurde das dreijährige vom NRW-Wirtschaftsministerium und der EU geförderte Modellprojekt „economy meets art“ (EMA) in der Städteregion Aachen initiiert.

Dieses fand nun mit einer Fachtagung im Mediensaal im Haus der Städteregion mit verschiedenen Talkrunden, die vom Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Mathieu, moderiert wurden, und Workshops seinen offiziellen Abschluss. Ein Anlass, um Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Dr. Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des Amtes für Kultur und Empirische Forschung der Städteregion Aachen, setzte sich maßgeblich dafür ein, dass das EMA-Projekt in der Städteregion umgesetzt wurde: „Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden, auch wenn es oft schwer ist, Unternehmer und Kulturschaffende zusammenzubringen.

Dennoch haben wir mit EMA Pionierarbeit geleistet.“ Nicht nur einzelne Projekte wie die Erstellung eines kulturwirtschaftlichen Leitbildes für die Stadt Herzogenrath oder der kürzlich stattgefundene Aktionstag „Open Steinweg“ in Stolberg waren Teil von EMA, auch Veranstaltungen, Fortbildungen und Existenzgründungsseminare für Kreative standen auf dem Programm.

Und oft ist es tatsächlich so, dass der Ausdruck der „brotlosen Kunst“ mit der Realität übereinstimmt. Aber nicht, weil Künstler schlechte Arbeit leisteten, meist fehle es ihnen an fundierten Kenntnissen in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und Selbstmarketing.

Denn eigentlich ist die Kunst- und Kulturwirtschaft eine Wachstumsbranche und somit ein wichtiger Standortfaktor. Viele Künstler warteten in ihrem „Elfenbeinturm“ jedoch immer noch darauf, entdeckt zu werden, wie Ursula Theißen, Leiterin des Frauenkulturbüros NRW e. V., weiß: „Gerade Künstlerinnen müssen im Bereich Selbstdarstellung noch viel lernen.

Dabei spielt das Gründen von Netzwerken eine entscheidende Rolle. Denn gemeinsam ist man stärker und sichtbarer.“ Aber auch Unternehmen müssen umdenken, so das Resultat: Oft mangelt es an der Bereitschaft, Kunst so zu nehmen, wie sie ist.

Dabei können gerade Unternehmen von Künstlern profitieren, zum Beispiel wenn es darum geht, alltägliche Routinen zu durchbrechen und infrage zu stellen.

Neben Galeristen, Unternehmern, EMA-Preisträgern und Verwaltungsmitarbeitern waren viele Künstler und Designer bei der Fachtagung vor Ort, welche von ihren Erlebnissen aus dem EMA-Projekt berichteten. So auch Daniel Hoernemann alias Walbrodt, der im Rahmen dieses Projektes sein eigenes Atelier in der Verwaltung der Städteregion einrichtete.

Unter dem Titel „Kunst und Verwaltung/Ordnungsbehörde für Schöpferisches“ stellte er von 2011 bis 2013 in den Räumen an der Zollernstraße einiges auf den Kopf. Kunst und Verwaltung — kann das eigentlich gut gehen? „Selbstverständlich“, so Walbrodt, „wenn beide Seiten bereit sind, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen.

Gerade Systeme, die auf Leistung orientiert sind, verlieren an Kreativität. Es ist wichtig, auch Irrationales in den Arbeitsalltag zu integrieren. So habe ich die Mitarbeiter der Städteregion zum Beispiel dabei beraten, wie sie ihre Büros anders gestalten können.“

Ein weiteres Erfolgsmodell aus der Städteregion ist die „designmetropole aachen“, die mittlerweile 40 Labels unter ihrem Dach versammelt. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen Kunst und Design und setzt dabei auf ein großes internationales Netzwerk.

Auf eine ebenfalls gelungene künstlerisch-wirtschaftliche Kooperation konnten die Künstlerin Gaby Peters, die 2012 den EMA-Preis erhielt, und der Unternehmer Peter Spielhoff, der mit seinem Unternehmen „the-red-point.gmbh“ maßgeblich dazu beitrug, dass ihre künstlerische Idee der sogenannten Glückskeks-Zerstampf-Maschine „Fortuna X/14.3“ technisch realisiert werden konnte, zurückblicken.

„Trotz häufiger Meinungsverschiedenheiten sind wir beide immer am Ball geblieben und haben viel voneinander gelernt“, so Spielhoff. EMA hat gezeigt: Gegensätze passen eben doch zusammen.