Aachen: „Wir stehen hinter dem Stadtbetrieb“

Aachen : „Wir stehen hinter dem Stadtbetrieb“

Die Fragezeichen sind groß. Was hat sich möglicherweise über Jahre im alten Steinbruch an der Dorfstraße in Hahn abgespielt? Was liegt dort außer den sofort sichtbaren Müllhaufen alles vergraben? Und aus welchem Grund wurde diese abgelegene städtische Fläche als Müllablageplatz missbraucht? Klar ist: Müll, egal welcher Art, hat dort nichts zu suchen.

Es handelt sich um Landschaftsschutzgebiet, die Inde fließt nur wenige Meter entfernt. Zumindest teils wurde dort bei der illegalen Entsorgung mit einiger krimineller Energie vorgegangen. Asbestversuchte Nachtspeicheröfen wurden mit viel Aufwand — und mit Hilfe von schweren Gerät wie Baggern — unter die Erde gebracht. Was wurde dort noch vergraben? Sind bereits über Jahre Schadstoffe in den Boden und möglicherweise sogar in die Inde gelangt?

Und welchen Hintergrund hat die Tatsache, dass dort Container mit Restmüll stehen, die nicht nur im Wortsinn zum Himmel stinken, sondern Zeugen zufolge auch regelmäßig geleert werden? Woher stamm dieser Restmüll? Und warum kamen — bis zum beginn der aktuellen Ermittlungen — bisweilen die „Anlieferer“ spät in der Nacht, wie Anwohner berichten? Auf Satellitenbildern im Internet ist jedenfalls zu erkennen, dass der Steinbruch nicht erst seit kurzem eine illegale Müllhalde ist.

Fragen, die derzeit unter anderem die Stadt mit Nachdruck aufzuklären versucht — vor allem, was die personalrechtlichen Dinge betrifft. Acht Mitarbeiter des Stadtbetriebs aus den Bauhöfen Haaren und Kornelimünster sind vom Dienst freigestellt. Sie sind von zwei Kollegen unter anderem der illegalen Sondermüllentsorgung bezichtigt worden. Hinzu kommen Vorwürfe, die sich um Drogenmissbrauch im Dienst, nicht genehmigte Nebentätigkeit während der Arbeitszeit oder auch Unterschlagung von städtischem Eigentum — zum Beispiel Sprit und Baumaterial — drehen. Es gibt auch Vorwürfe, dass auf städtische Kosten möglicherweise regelmäßig containerweise privater Bauschutt entsorgt wurde. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite sind hunderte Mitarbeiter des Stadtbetriebs, die unter dieser Geschichte massiv leiden. Denn sie müssen sich derzeit — im Internet oder auch persönlich — kollektiv beschimpfen lassen und sehen sich unter Generalverdacht gestellt. Am Mittwoch nun kamen rund 200 von ihnen im Gebäude am Madrider Ring zusammen. Unter anderem Oberbürgermeister Marcel Philipp und der zuständige Dezernent Lothar Barth waren mit dabei.

Auf Nachfrage der AZ sagte Barth am Mittwoch: „Wir haben den Mitarbeitern unsere Vertrauen ausgesprochen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir hinter dem Stadtbetrieb stehen und dass es keinesfalls einen Generalverdacht gibt.“ Informiert wurde auch über das weitere Vorgehen. So wurde gesagt, dass mittlerweile zur Unterstützung auch ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Er arbeitet in einer Gruppe mit, zu der auch Rechnungsprüfungsamtleiter Dirk Emmerich, Rechtsdezernentin Annekathrin Grehling, Führungskräfte des Stadtbetriebs und Lothar Barth gehören. So soll es heute ein Gespräch geben, zu dem laut Barth auch Betriebsleitung und Betriebsrat eingeladen seien. es werde um eine Analyse der Situation gehen und um die Frage „Was machen wir?“ Ziel des Ganzen sind mögliche Verbesserungen im Stadtbetrieb.

Zur weiteren Klärung der Vorwürfe seien auch Aussagen über Beobachtungen von Zeugen wichtig, die sich melden sollen. Allerdings dürfe es kein Denunziantentum geben: „Anonyme Schreiben wollen wir nicht“, betont Barth Der Betriebsfrieden dürfe durch solche Dinge nicht gefährdet werden.