Keyenberg: Windpark Keyenberg: 99 Schwindel erregende Meter

Keyenberg : Windpark Keyenberg: 99 Schwindel erregende Meter

68 Meter können unendlich lang sein - vor allem dann, wenn die Wegstrecke steil gen Himmel verläuft. Da braucht es schon eine gewisse Kondition sowie strammer Waden.

Einem „Selbsttest” in Sachen Höhenangst konnten sich Kletterwillige am Samstag unterziehen.

Der Anlass: Die Firma Energiekontor hatte auf dem Gelände des Windparks bei Keyenberg zu einer kleinen Einweihungsfeier geladen, um diesen nach über eineinhalbjähriger Betriebszeit endlich ganz offiziell seiner Bestimmung zu übergeben.

Neun Anlagen vom Typ AN Bonus 1,3 MW verrichten zwischen Keyenberg und Holzweiler ihren Dienst. Die Besteigung eines der Windräder war obligatorisch.

Wie die Typenbezeichnung schon vermuten lässt, produzieren die Windenergieanlagen 1300 Kilowatt umweltfreundlichen Strom bei einer Windgeschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde.

Ein Elektromotor steuert drei Rotorblätter, die einen Durchmesser von 62 Metern aufweisen - zwischen Boden und äußerster Blattspitze erstrecken sich also 99 schwindelerregende Meter.

Im Rumpf sind Getriebe, Generator und Hauptwelle verborgen. Für Kletterwillige, die es ganz nach oben zog, galt also: Bauch einziehen.

„Der prospektierte Jahresenergieertrag an diesem günstigen Binnenlandstandort beläuft sich auf zirka 19,3 Millionen Kilowattstunden und kann damit ungefähr 6450 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen”, informierte Christoph Sauer von Energiekontor.

„In den vergangenen acht Monaten hat der Windpark die Prognosewerte deutlich übertroffen”, so der Betriebsführer weiter.

Zum Vergleich: Pro 100 000 Kilowattstunden durch Wind erzeugter Energie ergibt sich eine Einsparung von 30 000 Kilogramm Steinkohle oder 21 000 Kilogramm Öl. 310 Gramm gefährlicher Atommüll könnte bei dieser Energiemenge vermieden werden.

Auch durch Kohlendioxid, Kohlenmonoxid und andere Umweltgifte erzeugte Schadstoffemissionen sind in erheblichen Umfang vermeidbar. Diese Zahlen sprechen durchaus für die Windenergie als Alternative zu konventionellen Methoden der Stromerzeugung

227 Anteilseigner haben sich am Keyenberger Windpark mit insgesamt 4,2 Millionen Euro Kommanditkapital beteiligt. Das Bauland ist gepachtet, wobei die Eigentümer einen Anteil an der Jahresenergieproduktion erhalten.

Auch die Gemeinden würden angesichts anfallender Gewerbesteuern langfristig von den Anlagen profitieren, betonte Sauer. Deren Lebensdauer ist bei guter Wartung auf mindestens 20 Jahre ausgelegt. Techniker überprüfen die schlanken Kolosse alle zwei Wochen auf ihren Zustand.

Lediglich zwei Tage dauere der Aufbau eines dreiteiligen sowie ungefähr eine Million Euro kostenden Windrades, erklärte Annett Zielske von der Bremer Herstellerfirma AN Windenergie.

Den größten Zeitaufwand verursache die Aushärtung des Fundamentes - vier Wochen müssten die Ingenieure und Techniker warten, bis die Installation fortgeführt werden könne.

Eine ungewöhnliche Zusammenarbeit ergab sich zwischen Energiekontor und der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erkelenz: Um im Ernstfall die Rettung von verunglückten Wartungstechnikern zu ermöglichen, stattete das Unternehmen die Löschgruppe Holzweiler (Zug 3) mit speziellem Gerät aus.

Einfach, aber effektiv: Eine Rettungsmulde sowie ein Rollgliss genannter Flaschenzug gehören ab sofort zur ständigen Ausrüstung der Wehr.