Houverath: Windmühlen: Schülerin deckt Info-Mangel auf

Houverath : Windmühlen: Schülerin deckt Info-Mangel auf

An Winkrafträdern scheiden sich die Geister. Schon Don Quichotte kämpfte gegen sie, weil er sie für böse Riesen hielt. Heute stehen Windmühlen allerdings deutlich mehr im Mittelpunkt des Interesses.

Windkraftgegner beklagen störende Geräusche, Schattenschlag, Eiswurf, Disco-Effekt und die Zerstörung des Landschaftsbildes.

Befürworter führen die Vorteile der regenerativen Energieerzeugung, größere Sicherheit und den Nutzen für die Umwelt ins Feld.

Doch wie beurteilen eigentlich die Menschen, die im Schatten der weißen Riesen leben, die Windparks.

Genau dieser Frage ist die 17-jährige Anne Kristin Braczynski aus Houverath auf den Grund gegangen und hat dafür sogar beim BundesUmweltWettbewerb 2002 einen Preis abgestaubt.

„Ich habe im letzten Jahr kurz vor den Sommerferien ein Plakat für den Wettbewerb gesehen. Da wollte ich unbedingt mitmachen”, erklärt die Schülerin des Cornelius-Burgh-Gymnasiums.

In der Schule habe sie seit der 9. Klasse den Kurs Umwelt-Wasser besucht und sei seither fasziniert von Themen wie regenerative Energie, Treibhauseffekt und Ozonloch.

„Ich habe sofort die Unterlagen angefordert und in den Sommerferien 1000 Ideenkonzepte ent- und wieder verworfen.”

Zeitungsartikel brachten sie letztlich auf den Gedanken, die Einstellung der Menschen in Houverath zur Windkraft zu untersuchen. Schließlich liegt der Ort in direkter Nachbarschaft zum Windpark Hückelhoven.

Zunächst ging es ans Konzepterstellen. Die engagierte Zwölftklässlerin informierte sich über Technik, Aufbau und Funktion von Windkraftanlagen, listete die Nachteile auf, machte die Gesetzeslage aus und sprach mit der Firma Umweltkontor, Betreiber der Anlage, sowie der Stadt Hückelhoven.

„In den Herbstferien habe ich bei Umweltkontor zudem ein spannendes Praktikum gemacht”, ist Anne Kristin stolz auf ihre umfangreiche Arbeit. Anschließend nahm sie das Objekt selbst in Augenschein.

„Ich habe - soweit möglich - überprüft, ob die Regelungen eingehalten wurden. Unter anderem habe ich gemessen, ob die Räder tatsächlich 500 Meter von der nächsten Ortsbebauung entfernt sind”, verdeutlicht die 17-Jährige. Das Ergebnis: Der Abstand stimmt.

Die Befragung der Ortsbevölkerung bildete den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Jeder Haushalt erhielt ein DIN A 4 Blatt mit 16 Fragen.

Die ausgefüllten Bögen wertete die Schülerin aus. Das Ergebnis überraschte selbst die Jungwissenschaftlerin: „Die allgemeine Akzeptanz lag bei über 80 Prozent und vergrößerte sich sogar, als die Anlage ein halbes Jahr stand.”

Über die Hälfte der 55 Befragten fühlte sich allerdings nicht genügend informiert. Auch bemängelten viele, dass die Informationen im Vorfeld des Anlagenbaus nicht umfassend genug gewesen seien.

„Die Anlage war plötzlich über Nacht da, ohne dass jemand genau darüber Bescheid wusste.”

Die Auswertung veranlasste Anne Kristin Braczynski ein Info-Blatt für die Anwohner zu entwerfen.

Darauf erklärte sie genau, wie die Windkraftanlagen funktionieren, was das Gesetz vorschreibt, zeigte die Ökonomie und die Wirtschaftlichkeit der Rotoren auf und gab die Ergebnisse der Umfrage bekannt.

Ihre Erkenntnisse teilte sie zudem der Firma Umweltkontor mit, die daraufhin ihre Bemühungen um mehr Information ebenfalls intensivierte und im nächsten Umweltkontor-Magazin, in Anlehnung an das Merk-Blatt von Anne Kristin, sogar einen Informations-Bericht herausgeben möchte.

Auch ein Artikel über die naturwissenschaftlich begabte junge Frau selbst ist bereits in dem Heft erschienen.

Ihre gesamte Arbeit brachte Anne Kristin Braczynski schließlich zu Papier, entwarf Grafiken und fügte Fotografien hinzu. Das komplette Werk schickte sie nach gut neun Monaten Arbeit an das Wettbewerbsbüro.

„Ich dachte, das wars. Ich gewinne bestimmt nicht. Das war ja mein erster Wettbewerb, ich hatte überhaupt keine Erfahrung.”

Doch im Juni kam ein Brief: Die Juroren baten Anne Kristin zu einem Gespräch. Von den 100 Wettbewerbsteilnehmern waren 16 geladen.

„Die haben sehr kritische Fragen gestellt, das habe ich nicht erwartet”, beschreibt die Houveratherin. Vor gut zwei Wochen erhielt sie dann die Nachricht, dass sie zu den Gewinnern gehört.

Welchen Preis sie erhält, ist bis zur Verleihung am 29. September geheim. Doch egal ob es nun ein Haupt-, Neben- oder Trostpreis ist, Anne Kristin Braczynski hat in jedem Fall gewonnen:

„Mir hat die Arbeit sehr viel Freude gemacht, und ich habe gelernt, mit Menschen umzugehen”, lautet ihr Resümee.