Hückelhoven: Wiener Schmäh im besten Sinne

Hückelhoven : Wiener Schmäh im besten Sinne

Ein bisschen verrucht, aber dennoch glanzvoll - nicht zu Unrecht erweckt die sinnliche Welt der Varieté-Theater der 20er Jahre mit ihren Chansonetten und Lebemännern diesen Eindruck.

Einer solch extravaganten Kulisse bedient sich gekonnt die amüsante Operette „Die Csárdásfürstin” von Emmerich Kálmán.

Am Montagabend brachte sie das 50-köpfige Ensemble der Johann-Strauss-Operette Wien in der Aula des Gymnasiums auf mitreißende Weise zur Aufführung. Wiener Schmäh - im besten Sinne - gehörte selbstverständlich auch dazu. Unter der Regie von Trude Stemmer wurde ein vor allem in musikalischer Hinsicht großer Aufwand betrieben: Neben den Solisten und einem Ballett trug überdies ein vollständiges Orchester zum Gelingen des Gastspiels bei.

Eine der einprägsamen Melodien hieß „Das ist die Liebe, die dumme Liebe”. Und nicht nur diese Eigenschaft zeichnet die Liebe mutmaßlich aus. Sie kann auch verworrene Pfade einschlagen, wie die Handlung des wohlklingenden Stückes demonstrierte: Der junge Adelige Edwin Ronald aus Wien hat sich unsterblich in Sylvia Varescu verliebt, der Chansonette des Budapester Nachtlokals „Orpheum”.

Weder die Vorbehalte seines Vaters Leopold Maria Fürst von und zu Lippert-Weylersheim noch die Diskussionen mit dem altersweisen Feri Kerekes („Seit einiger Zeit merke ich, dass ich täglich älter werde. Für mich ist Schluss mit der Liebe.”) können ihn davon abbringen. „Es gibt keine andere, es kann keine andere geben”, bekundet er kompromisslos. Um die leidenschaftliche Affäre mit der „unwürdigen” Künstlerin zu beenden, lässt Fürst Leopold seinen Sohn kurzerhand ins Heer einberufen.

Doch bevor dieser von Dannen ziehen muss, arrangiert er noch schnell eine Blitzhochzeit mit Sylvia (Einen Advokaten! Einen Notar!). Die Varieté-Mädchen mit ihren kurzen blauen Fransenröcken, roten Handschuhen und weißen Perlenketten tun derweil, was sie immer tun: sie kichern.

Doch als die frischgebackene Gattin eine voreilig aufgegebene Anzeige über die Verlobung Edwins mit Komtesse Stasi in die Hände bekommt, scheint der Traum von einem glücklichen Leben geplatzt - gäbe es da nicht die Macht des Schicksals und einige helfende Hände . . . Letztlich siegt die wahre Liebe.

Der Komponist Emmerich Kálmán wollte seinem Publikum Menschen aus Fleisch und Blut, nicht Operettenfiguren präsentieren. Auch die Johann-Strauss-Operette Wien gab sich redlich Mühe, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Der dargebrachte Melodienreichtum in Form von Beiträgen wie „Ganz ohne Weiber geht es nicht” oder „Tanzen möchte ich, jauchzen möchte ich”, die aufwändig gefertigten Kostüme, das überzeugend gestaltete Bühnenbild und nicht zuletzt die unangestrengt wirkenden Leistungen der gut aufgelegten Akteure taten ihr Übriges.

Und das Wichtigste: Dem Publikum gefiels.