Städteregion: Wie die Integration der 1700 geflüchteten Frauen gelingen kann

Städteregion : Wie die Integration der 1700 geflüchteten Frauen gelingen kann

Wenn über Flüchtlinge gesprochen wird, stehen meist Männer, vor allem junge Männer im Fokus. Frauen kommen in der öffentlichen Debatte kaum vor. „Frauen sind kaum sichtbar, sie sind auch weniger in Integrations- und Sprachkursen oder Qualifikationskursen zu finden“, sagt Andrea Hilger, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit.

Dabei spielen Frauen eine wichtige Rolle bei der Integration ihrer Familien. Doch wie kommt man an die Frauen heran? Und was brauchen sie an Unterstützung, um den Einstieg in Ausbildung oder Beruf zu schaffen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Fachtagung im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk W — das W steht für Wiedereinstieg (ins Berufsleben) — kommende Woche Freitag, 9. März, in Aachen.

Etwa 1700 geflüchtete Frauen leben derzeit in der Städteregion, 500 von ihnen in der Stadt Aachen, darunter 120 alleinerziehende Mütter, sagt Hilger. Die meisten der Frauen seien zwischen 25 und 35 Jahre alt. Viele hätten nur eine geringe Schulbildung oder auch gar keine, müssten noch alphabetisiert werden. Gut ausgebildet seien vor allem jüngere Frauen. „250 der geflüchteten Frauen haben Abitur oder einen Hochschulabschluss“, berichtet Hilger.

Kontakte knüpfen

Bei der Fachtagung wollen Hilger und Kim Müller, Quartiersmanagement Flüchtlingsintegration bei der Stadt Aachen, Doris Vallée vom Stadtteilbüro Aachen-Nord und Michael Omsels von der gemeinnützigen Arbeitsförderungsgesellschaft low-tec ins Gespräch mit allen Akteuren kommen, die einen Beitrag zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen leisten könen.

Angesprochen sind etwa Beschäftigte in Familienzentren, die Kontakte zu den Frauen haben und sie auf Angebote aufmerksam machen können, oder ehrenamtlich Tätige in der Flüchtlingsbetreuung. „Da die geflüchteten Menschen dezentral wohnen, ist es sehr schwierig, Kontakte zu knüpfen“, weiß Kim Müller. „Aber im Stadtteil kennt man sich, da ist es einfacher, jemanden auf der Straße anzusprechen und zu sagen: Bring deine Nachbarin doch mal zum Müttercafé mit.“

Niedrigschwellige Angebote wie Jobcafés oder Müttertreffs seien wichtig, um überhaupt an die Frauen heranzukommen, sind sich die Organisatoren der Fachtagung einig. Bei der Tagung, die mit einem Impulsvortrag mit dem Titel „Flucht und Segen — Warum Frauen in Arbeit der Schlüssel zur gelungenen Integration sind“ der Autorin Ann-Kathrin Eckardt beginnt, diskutieren die Teilnehmer an fünf Thementischen über neue Formen der Beratung und Begleitung geflüchteter Frauen, Unterstützungsmöglichkeiten auf dem Weg in Ausbildung und Beruf sowie Sprachkurse speziell für Frauen.

Außerdem geht es um die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und es werden Ergebnisse einer nordrhein-westfälischen Studie zu den Bedürfnissen qualifizierter geflüchteter Frauen vorgestellt.

„Die Tagung soll nur ein ersten Aufschlag sein“, betont Andrea Hilger. Ziel sei es, ein Netzwerk zwischen den Akteuren zu knüpfen, auf das jeder bei Fragen und ganz konkreten Fällen zurückgreifen kann. Es sollen aber auch Strukturen entwickelt werden, die verhindern, dass Frauen doppelt und dreifach beraten oder von Hü nach Hott geschickt werden, weil niemand weiß, wo die betreffende Frau schon war. Ein gutes Beispiel dafür, wie man das gestalten kann, gibt es in Bonn. Es wird auf der Fachtagung vorgestellt.

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