Städteregion: WFG der Städteregion: Die lange Suche nach einer guten Lösung

Städteregion : WFG der Städteregion: Die lange Suche nach einer guten Lösung

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion (WFG) ist ein Auslaufmodell. Am 31. Juli 2018 wird endgültig Schluss sein — 49 Jahre nach ihrer Gründung durch den damaligen Kreis Aachen und den ihm angehörenden Kommunen. Überraschend kommt das Ende allerdings nicht.

Schließlich wurde der Entschluss, sich schrittweise aus dem öffentlichen Leasingbereich zu verabschieden und damit die eigene Geschäftsbasis aufzulösen, bereits vor sechs Jahren gefasst. Juristische und steuerliche Gründe sprachen damals dagegen, auch in Zukunft mit Hilfe kommunal verbürgter Gelder Leasingverträge mit Unternehmen abzuschließen. Seitdem ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft auf dem Rückzug, der letzte Schritt steht nun bevor.

„Tourismusförderung ist Wirtschaftsförderung par excellence“, betont Helmut Etschenberg. Die Touren-App kommt schon gut an.
„Tourismusförderung ist Wirtschaftsförderung par excellence“, betont Helmut Etschenberg. Die Touren-App kommt schon gut an. Foto: Michael Grobusch

„Wir werden keinen Flurschaden hinterlassen. Für alle unsere Kunden ist eine Folgelösung gefunden worden“, betont WFG- Geschäftsführer Professor Axel Thomas. Keine Folgelösung gibt es hingegen bislang für die verbliebenen Zuständigkeitsbereiche der WFG. Was aus dem Ansiedlungsmarketing und der Regionalberatung wird, ist noch unklar. Thomas hält sich in diesem Punkt bedeckt und verweist darauf, dass er für die Zukunftsplanung nicht zuständig sei, weil auch seine Zeit spätestens am 31. Juli 2018 enden werde: „Die Kommunen und die Städteregion werden dafür eine Lösung erarbeiten müssen.“

Um diese ringen sie im Grunde schon seit fünf Jahren. Immer wieder haben sich der Aufsichtsrat und die Bürgermeisterkonferenz mit dem Thema beschäftigt. Ein Ergebnis liegt bis heute nicht vor. Helmut Etschenberg bleibt dennoch gelassen: „Wir arbeiten natürlich daran, aber im Moment sind wir noch in einer schwebenden Situation“, erklärt der Städteregionsrat auf Anfrage.

„Wir sind von Anfang an dazu bereit gewesen, gemeinsam mit der Stadt Aachen die Wirtschaftsförderung an die Agit abzugeben“, blickt er zurück. Doch weil der Vorschlag, in diesem Feld die besagte Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer zu beauftragen, bei der Stadt weiterhin auf wenig Gegenliebe stößt, suchen die übrigen neun regionsangehörigen Kommunen nun mit der Städteregion nach einer Alternative.

„Es wird auch in Zukunft die hohe Priorität eines jeden Bürgermeisters sein, Wirtschaftsförderung zu betreiben, Gewerbeflächen vorzuhalten und Ansprechpartner zu bieten“, ist Helmut Etschenberg überzeugt. Gleichwohl habe sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Städteregion in vielen Jahren als zentrale Anlaufstelle und Bindeglied für das Ansiedlungsmarketing bewährt. Deshalb soll diese Leistung nach dem Willen der Städteregion auch nicht ersatzlos entfallen.

Drei Optionen zeigt der Städteregionsrat im Gespräch mit unserer Zeitung auf: „Entweder machen das die Kommunen zukünftig selbst, oder wir übernehmen das als städteregionale Verwaltung mit unserem Wirtschaftsförderungsamt, oder wir erteilen der Agit außerhalb ihres eigentlichen Portfolios einen Dienstleistungsauftrag.“ Klar sei jedoch: „In allen drei Fällen brauchen wir das Votum der Bürgermeister.“ Diesen wird sich bei der Bürgermeisterkonferenz am 4. Dezember die nächste Gelegenheit bieten, in gemeinsamer Runde darüber zu sprechen.

Neue Herausforderungen

Derweil sieht Helmut Etschenberg neue Herausforderungen und Chancen auf die Städteregion und ihre Kommunen zukommen. Zum Beispiel aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Tourismus. „Tourismusförderung ist Wirtschaftsförderung par excellence“, meint der Städteregionsrat und will die durchaus schon beträchtlichen Bemühungen in diesem Feld — etwa die Schaffung neuer Raderlebnisrouten und eine offensive Vermarktung als „Aktiverlebnisregion“ — weiter intensivieren. Und: „Wirtschaftsförderung bedeutet auch, Mobilität und Verkehr zu stärken“, betont Etschenberg.

Darüber hinaus biete sich durch die angelaufene Partnerschaft mit der südkoreanischen Provinz Ansan eine sehr reizvolle Perspektive für die Städteregion. „Da entwickelt sich eine spannende Kooperation zwischen Unternehmen, Verwaltungen und Hochschulen“, berichtet der zuständige Dezernent Markus Terodde. Diese soll beim nächsten Aufenthalt einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation aus Südkorea in der Region Mitte November und beim für das zweite Halbjahr 2018 geplanten Gegenbesuch weiter vertieft werden. In diesen wie auch in allen anderen Fällen sieht Helmut Etschenberg die Städteregion in der Rolle des Mittlers und Förderers: „Wir verfolgen keine Eigeninteressen. Deshalb können wir sehr gut die Moderation übernehmen.“