Wegberg: Wenns schaurig wird im Bestattungsinstitut

Wegberg : Wenns schaurig wird im Bestattungsinstitut

Nein, eine ungewöhnliche Erfahrung ist es nun wirklich nicht mehr für Reiner Sowa, in Bestattungshäusern aus seinen Büchern vorzutragen.

Bestattungshaus? Autorenlesung? Kein Grund zur Beunruhigung: Mit einem Hang zur Morbidität hat diese Eigenart herzlich wenig zu tun. Es bietet sich eben einfach nur an.

Denn welcher Ort wäre wohl geeigneter als ein Beerdigungsinstitut, um Lesern einen „Bestatter-Krimi” schmackhaft zu machen?

Reiner Sowa ist der Erfinder jenes erfolgreichen Sub-Genres. Jetzt besuchte der im Bergischen Land lebende Krimi-Autor das Bestattungshaus Joerissen, seinen Roman „Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit” sowie die Kurzgeschichte „Dortmunder Deal” im Gepäck.

Alltag für den Autor, Premiere für das Team um Geschäftsführerin Elke Schnocks: „Wir machen das zum ersten Mal.”

Sollte der gebannt horchenden Hörerschaft ab und an ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sein, so lag das ganz bestimmt nicht am Erscheinungsbild der Umgebung, sondern an den rätselhaft-bedrohlichen Vorgängen, von denen sie aus dem Mund des Schriftstellers in wohldosierten Portionen erfuhren.

Ohnehin: Ein geschmackvolles Ambiente, Herbstlaub-Dekoration, Kunst an den Wänden und auf dem Boden hätten den Aufenthalt im Institut zu einem entspannenden Erlebnis werden lassen können.

Wäre da nicht der Mord an einem Kind gewesen, dessen Mörder das Publikum direkt auf den ersten Seiten kennen lernen muss und der Sowas Hauptprotagonisten, Bestatter Ulrich Schwartz, auf den Plan ruft.

Zur gleichen Zeit nämlich erhält dieser eine mysteriöse E-mail, die ihn zu einem Grab führt, das die bedrückende Geschichte des Bensberger Schlosses im Bergischen Land wieder wachruft, als es noch Nationalpolitische Erziehungsanstalt und KZ-Außenlager war. „Ich kann den Toten nicht mehr helfen, aber den Trauernden”, so der Grundsatz des Bestatters. Zum Beispiel, indem er Kriminalfälle löst.

In seinem Krimi „Ein Bestatter in dunkler Vergangenheit” baut Sowa einen kontinuierlichen Spannungsbogen auf, und ebenso spannt er seine Leser auf die Folter, indem er ein Geflecht aus Gegenwart und Historie mittels zweier paralleler Handlungsfäden geschickt miteinander verknüpft.

Die Charaktere der beiden ermittelnden Kommissare Barbara Reuter und Gerd Kaschek konnte der 46-jährige Verwaltungswirt nur allzu gut mit Leben füllen, stand er doch selbst als Drogenfahnder und Todesermittler in Diensten der Kriminalpolizei.

Schon in Kürze erscheint der Roman unter dem Titel „L´ombre de la Napola” in Frankreich. Das Werk, an dem Sowa gerade ausgiebig auf einem einsamen Fleckchen Erde am Golfe du Lion feilt, spielt übrigens nicht im Bestatter-Milieu. Schwartz ist damit nicht gestorben. „Der kommt wieder”, verspricht der Krimi-Konstrukteur.