Wenns gießt, musst Du weniger gießen

Wenns gießt, musst Du weniger gießen

Erkelenz (an-o) - "Land unter!" - Von der Moldau bis zum Tiber werden idyllische Urlaubsorte zu Katastrophengebieten erklärt. Im Kreis sind wir glimpflich davon gekommen. Gleichwohl: Das Wetter schlägt auch hier aufs Gemüt. Wie sehr macht das zu schaffen?

"Wann wird´s mal wieder richtig Sommer?" fragt nicht nur Rudi Carell. Auch Alfred Postler aus Erkelenz fällt nach einem Blick zum Himmel nichts anderes mehr ein. Seine einzige Hoffnung: "Wir fahren Anfang September in Urlaub. Vielleicht wird es dann ja besser."

Auch Marta Dobrowolny hat so ihre Probleme. Der rüstigen Rentnerin schlägt das ständig wechselnde Klima nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf die Gesundheit. "Mein Kreislauf macht manchmal was er will. Da kann man richtig depressiv werden", sagt die Erkelenzerin. Und da ist sie nicht die einzige. Gerade ältere Menschen leiden unter der Unbeständigkeit. "Aber mit den Jahren lernt man, sich damit abzufinden."

Ingrid Dossow findet das Wetter einfach nur traurig. "Als wir Mitte Juni von einem Besuch bei Verwandten in Thüringen zurückkamen, stand bei uns der Keller unter Wasser." Doch Eins blieb ihr bisher erhalten: die Hoffnung, dass es besser wird. Bis dahin versucht sie, das Beste aus der Situation zu machen. "Die Leute sollten sich nicht so sehr von dem schlechten Wetter beeinflussen lassen und so grimmig dreinblicken", findet sie.

Dass die allgemeine Gefühlslage der Bevölkerung schlecht ist, hat auch Stefan Uecker bemerkt. Kein Wunder bei so viel Regenwetter. Er flüchtet: Ab in den sonnigen Süden: "Das Wetter ist mir momentan egal. In zwei Tagen fliege ich ins warme Spanien, da kann es hier ruhig wie aus Eimern schütten." Für die Daheimgebliebenen und die Urlauber, die derzeit in Österreich und Italien ihren "Freischwimmer" machen, hat er aber Mitleid. Deshalb hofft er mit ihnen auf Besserung.

Der Ernst der Lage wird erst deutlich, schaut man sich die Wetterlage in ganz Deutschland an. Und da ist die Euregio eigentlich mit einem blauen Auge davon gekommen: In anderen Landesteilen fielen bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter. Dies forderte in Niedersachsen sogar ein erstes Todesopfer: Der 31-jährige Fahrer eines Rettungsfahrzeugs kam bei einem Unfall auf einer überfluteten Straße ums Leben. In Bayern, Österreich, Nord- und Mittelitalien sieht es sogar noch schlimmer aus. Hier fielen in wenigen Stunden bis zu 120 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel - das sind 12 Putzeimer voll! Sogar die Römer konnten sich vor den Regenfluten kaum retten.

Treibhauseffekt

Die Ursachen für die zunehmend schlechtere Witterung sehen nicht nur viele Erkelenzer in der immer weiter fortschreitende Klimaveränderung auf dem Globus. "Die Auswirkungen des Treibhauseffektes werden immer deutlicher", da sind sich alle Befragten einig. Und die Wissenschaft gibt ihnen Recht. Zwar wird die "globale Erwärmung" nicht nur, aber doch sehr stark vom Menschen beeinflusst, zum Beispiel durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe, wie Erdöl oder Kohle. So treten schwere Unwetter heute viel häufiger als noch vor hundert Jahren auf.

Im Moment, so scheint es, bleibt für viele nur die Flucht nach Süden. Wie zum Beispiel für Heidi Schirowski. Sie findet das Wetter "alles andere als berauschend". Den Stadtbummel mit ihrer kleinen Tochter Heidi kann sie im Moment wirklich nicht genießen. "Wir waren in diesem Jahr schon einmal auf Mallorca", sagt sie. "Aber wegen des Wetters überlegen wir, noch einmal hinzufliegen." Was den Sommer angeht, bleibt ihr nur Eines: "Ich hoffe auf das nächste Jahr. Vielleicht wird´s dann ja besser."

Ein gewisser Galgenhumor bleibt Vielen jedoch trotz schlechter Stimmung erhalten. Wie zum Beispiel Jürgen Laaser: "Der Regen hat auch sein Gutes: Immerhin muss ich so die Blumen im Garten nicht gießen."