Hückelhoven: Wenn Mineralien zu wahren Stars werden

Hückelhoven : Wenn Mineralien zu wahren Stars werden

Eigentlich scheinen sie ziemlich gegensätzlich zu sein: schnell, laut und quirlig die einen - unbewegt, lautlos und in Stille ruhend die anderen. Doch Kinder und Mineralien harmonieren trotz dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit miteinander, zeigt das Kinderfest der Mineralien- und Bergbaufreunde.

Auf dem großen Hof vor dem Museum der Mineralien- und Bergbaufreunde suchen Kinder in einem großen Sandkasten mit Spaten bewaffnet konzentriert den Boden ab: fast schon professionelle Mineraliensucher.

Auch Gold waschen Kinder aus Schüsseln heraus, wenn sie nicht gerade die Hüpfburg erober n oder zur Musik tanzen, die das Fest wie der Würstchenduft begleitet .

In einem Spirator, der einem aufrecht gestellten Miniaturbetonmischer ähnelt, drehen sich die Stars des Tages unaufhörlich. Kegelförmige Siliciumcarbidkörper schleifen die Mineralien glatt und fördern deren Zeichnungen und Maserungen zutage.

„Das sind Flinte - Feuersteine”, sagt Bernd Neuß von den Mineralienfreunden. „Sie alle kommen hier aus der Gegend, zum Beispiel aus der Kiesgrube in Dahlheim”, fährt er fort. Er selbst ist aktiver Mineraliensammler, sucht in Kiesgruben, Wäldern und ferneren Regionen nach den funkelnden Steinen.

In einem kleinen Raum am Ende des Hofes stehen Maschinen, Mineralien und Werkzeuge. Seit zwei Jahren nutzen die 1997 gegründeten Mineralienfreunde diesen Werkraum mit den zwei Steinsägen und Schleifmaschinen zur Mineralienbearbeitung. Neuß schleift zur Zeit an einem kokusnußgroßen Amethyst.

Jeden Stein weiß er einzuordnen: Rosenquarz, Tigerauge, Pyrith, ein fossiles Wurzelstück von einem Siegelbaum, eine versteinerte Koralle. Abgelagertes Sediment, in deren Trockenrisse eine metallhaltige Flüssigkeit gelaufen sein muss, formt eine Eisenblume, so Neuß.

Er zeigt die Polierkörper und das -pulver, das aus Kurund besteht - nach dem Diamanten das zweithärteste Material, das in der Natur vorkommt.

Mehrmals im Jahr machen die Mineralienfreunde Exkursionen zu Gruben in ganz Deutschland. Auch in die Niederlande und nach Belgien reisen sie. Die Eifel ist als mineralreichstes Gebiet Europas schon interessant genug, und auch das Sauerland und der Schwarzwald haben einiges an Mineralien zu bieten.

Börsen und der Tausch mit Gleichgesinnten erweitern und verändern den Bestand außerdem. An die Eröffnung eines Ladens denken die Mineralienfreunde jedoch nicht. Sie haben ihr Museum.

Im Museum können im ersten Raum wahre Schätze aus der ganzen Welt begutachtet werden. Bizarre Formen des Gips und erstaunlich gerade Formen des kubischen Pyrith stehen in den Vitrinen.

„Es gibt mehr zu Mineralien als nur den Bergbau”, sagt der ehemaliger Bergmann Franz Jahnke, zweiter Vorsitzender des Vereins. Viele der Stücke sind auch aus den heimischen Gruben. „Wir hätten noch so viele Ausstellungsstücke, aber der Raum hier reicht leider nicht, um alle zu zeigen”, sagt Jahnke.

Auch Bergmänner sind präsent in der Ausstellung, fahren als lebensgroße Puppen auf Lorenwagen oder suchen unter einem Tisch nach Gestein. Vor allem der letzte Raum ist ihnen gewidmet.

In der dazu passenden Dunkelheit, die die Bergmänner ja die meiste Zeit umgeben hat, sieht der Besucher dann jedoch noch viel mehr: was scheinbar weißes Gestein ist, funkelt unter Schwarzlicht rosa-orange.

Die Führungs durch das Museum an der Ludoviciostraße ist kostenlos. Öffnungszeiten: sonntags 11 bis 15 Uhr, Mittwoch ab 18 Uhr oder nach Vereinbarung.