Erkelenz: Wenn Mama knetet, gluckst Leonie vor Vergnügen

Erkelenz : Wenn Mama knetet, gluckst Leonie vor Vergnügen

Leonie quengelt. Sie hat keine Lust, länger in ihrem Tragekorb zu liegen.

Luca lächelt versonnen seine Mama an, die auf einer Gummimatratze sitzt und das Kind zwischen ihre geöffneten Beine gelegt hat. Die Tür geht auf. Jetzt wird es laut. Justin fühlt sich schon den ganzen Tag über nicht gut. Er weint herzerweichend.

„Drei Kinder, und jedes ist völlig unterschiedlich”, lacht die Kinderkrankenschwester Martina Müller. Sie leitet seit kurzem den Kurs Babymassage am Erkelenzer Krankenhaus.

„Babymassage ist ein Energieaustausch zwischen Mutter und Kind. Körpernähe und Hautkontakt sind auch nach der Geburt sehr wichtig. Kinder, die mit zärtlichen Berührungen verwöhnt werden, haben dadurch eine natürliche Grundlage, sich zu selbstbewussten und unabhängigen Persönlichkeiten zu entwickeln”, erklärt Martina Müller.

Sie hört den drei Muttis zu, die sich über Justins Weinen hinweg unterhalten. Sie sprechen über die Ernährung ihrer Babys, über einzelne Übungen, die sie in der Babymassage gelernt haben. Zuletzt kommt Klaudia Lutz mit ihrem Sohn Frederik. Die beiden möchten heute nur zusehen, da Frederik morgens noch ein wenig erhöhte Temperatur hatte.

Martina Müller schaltet leise Musik ein. Sie bittet die Mütter, ihre Kinder zu entkleiden. Leonie gluckst vor Freude, als es endlich aus dem Tragekorb rausgeht. Luca lächelt immer noch selig die Mama an, solange sie sich nur um ihn kümmert. Justin hat sich ein wenig beruhigt. Nur ab und an verzieht er das kleine Gesicht.

Klaudia Lutz wirft einen schnellen Blick auf ihr Söhnchen: Frederik schlummert friedlich.

Als die drei Kinder nackt vor ihren Müttern auf weichen Handtüchern liegen, beginnt Martina Müller, erste Handgriffe an einer Puppe vorzuführen, die vor ihr liegt. „Die Hände auf die Brust und am Rippenbogen entlang, danach von der Leiste zur gegenüberliegenden Schulter.”

Ohne Zögern machen Christine Löwenfoß, Nicole Nerlich und Birgit Mertens die Bewegung bei ihren Kindern nach. „Daran sieht man, dass die Mütter schon mehrmals teilgenommen haben”, erklärt Martina Müller.

Sie unterrichtet die Babymassage nach Frédérik Leboyer, seit sie selbst vor vier Jahren ein Fortbildungsseminar besucht hat. Leboyer, geboren 1918, Frauenarzt und Geburtshelfer in einer Pariser Klinik, fand in Indien Anregungen für eine neue Sichtweise von Geburt und Mutterschaft, vor allem die „sanften Hände”. Mit seinen Büchern und Vorträgen löste er eine weltweite Bewegung für die sanfte Geburt aus.

Als Martina Müller einige Übungen aus dem Yoga einstreut, erhellt sich sogar das Gesicht von Justin. Mama Birgit führt sein rechtes Händchen mit dem linken Bein zusammen. Justin, mit drei Monaten der jüngste im Kurs, liebt diese Übung.

Dann geht es weiter mit dem Gesichtchen. Jetzt ist Luca wenig begeistert. Der „Sonnenschein” des Kurses wehrt Mamas Hände, die mit etwas neutralem Öl befeuchtet sind, unwirsch ab. Justin erklärt die Babymassage nun für beendet. Er schreit so laut, dass die Musik im Raum kaum mehr zu hören ist. Birgit Mertens zieht ihn an und setzt sich auf einen dicken grünen Sitzball, auf dem sie ein wenig schaukelt.

Der kleine beruhigt sich. „Justin ist ein Blähkind. Als Birgit mit ihm in den Kurs wollte, war der Kurs gerade mitten drin. Deshalb habe ich sie anfangs zu Hause besucht und ihr die wichtigsten Handgriffe, die besonders gegen Blähungen helfen, schon gezeigt”, erinnert sich Martina Müller.

Der Kurs umfasst jeweils fünf Treffen. Dann schließt sich der nächste Kurs direkt an. Jedes Treffen dauert etwa anderthalb Stunden. Die eigentliche Babymassage braucht davon nur eine halbe Stunde. Den Rest benötigen die Mütter zum An- und Ausziehen, Stillen oder Fläschchen Geben und zum Austausch. Leonie liegt jetzt genüsslich in Mamas Schoß und nuckelt an ihrem Fläschen.

Sie hat die Welt um sich herum vergessen. Und sogar Mama Christine schaut versonnen und selig. „Das ist das übliche Bild nach der Babymassage. Denn Babymassage macht hungrig”, erklärt Martina Müller lächelnd.

Sie empfiehlt die Massage besonders bei Kindern mit Dreimonatskoliken, Blähungen und sehr unruhigen Kindern. Daneben aber auch für alle, die ihrem Kind etwas Gutes tun wollen.

Die Kinder sollten zwischen zwei und sechs Monaten alt sein. Jetzt schneidet Martina Müller einen Kuchen an, den sie selber mitgebracht hat. Schließlich ist heute das letzte Treffen der vier Mütter und Kinder. Beim nächsten Mal werden andere dabei sein, die ihr Kind verwöhnen wollen.

Der Kurs Babymassage findet im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus mittwochs um 15 Uhr statt. Die Kursgebühr beträgt 50 Euro. Infos und Anmeldung bei Martina Müller, 02431/944262. Informationen gibt es auch im Internet unter www.martinas-babymassage.de