Hückelhoven-Brachelen: Wenn der Zahn schmerzt, lahmt das Hinterbein

Hückelhoven-Brachelen : Wenn der Zahn schmerzt, lahmt das Hinterbein

Alternative Behandlungsmethoden stehen derzeit hoch im Kurs. Und das nicht nur bei Menschen. Auch für die vierbeinigen Freunde gibt es Hilfe, die ohne Spritzen und Medikamente auskommt. Seit rund einem halben Jahr heilt Kathrin Oidtmann Pferde durch „Handauflegen”.

So hat es zumindest den Anschein, wenn man sie bei der Arbeit sieht. Von Hause aus ist die 26-Jährige gelernte Physiotherapeutin und behandelt Menschen. Zusätzlich hat sie eine rund einjährige Ausbildung zur Pferdeosteopathin am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) in Dülmen absolviert. „Denn was für Menschen gut ist, kann bei Tieren nicht falsch sein”, lautet ihr Credo.

Die Pferdeosteopathin kuriert die Pferde durch Dehnübungen, Massagen und bestimmte Entspannungstechniken. Das landläufig so genannte „Einrenken” steht nicht auf ihrem Programm. Bevor sie sich den vierbeinigen Patienten widmet, muss sie herausbekommen, wo beim Pferd der Schuh drückt. Dafür ist vor allem das klärende Gespräch mit den Besitzern nötig, denn oftmals werden die Pferde falsch geritten und trainiert oder haben sogar einen falschen Sattel.

Das kann gravierende Auswirkungen auf das Tier haben. „Viele Haltungsschäden der Reiter können sich auch auf das Pferd übertragen”, erläutert Oidtmann ihren ganzheitlichen Ansatz. Die Tiere laufen „unrund” und neigen zur Trägheit.

Im zweiten Schritt legt sie nun Hand ans Pferd, tastet Muskeln und Gelenke ab und kontrolliert, ob sich Gelenkflächen gegenseitig blockieren. Selbst Zahnschmerzen können Auswirkungen auf die Bewegungsabläufe der Pferde haben. „Bei Zahnproblemen können die Tiere hinten lahmen, obwohl ihre Knochen, Muskeln und Gelenke keinerlei Anhaltspunkte liefern”, erklärt sie. Viele Tiere leiden auch unter durchaus fragwürdigen Trainingsmethoden oder darunter, dass sie die meiste Zeit des Tages im Stall verbringen.

Die Behandlung eines Pferdes ist durchaus nicht ungefährlich. Die Tiere können austreten oder beißen, weshalb Oidtmann zuerst das Vertrauen ihrer vierbeinigen Patienten gewinnen muss. Die Behandlung dauert mindestens anderthalb Stunden, oftmals auch länger, da die Pferde nicht immer stillhalten.

Im Idealfall genügt eine Behandlung, um dem Tier helfen zu können. Am Ende steht ein intensives Gespräch mit den Haltern, bei dem nützliche Tipps für Aufwärm-, Dehn- und Entspannungsübungen gegeben werden. Wichtig sei, dass die Reiter erkennen, was falsch gelaufen ist, um die Fehler zukünftig zu vermeiden, betont Oidtmann.

Die Arbeit am Pferd ist für die ehemalige Dressurreiterin ein Traumberuf, den sie ausbauen will. Derzeit macht sie eine Zusatzausbildung zur Pferdephysiotherapeutin. Auch zur Hundeosteopathin lässt sie sich ausbilden. Die Pferdeosteopathie ist in einigen Bundesländern bereits eine anerkannte Therapieform.

Im Kreisgebiet ist Oidtmann derzeit die einzige praktizierende Pferdeosteopathin. Auch wenn es immer noch einige Kritiker gebe, seien viele Pferdehalter heute „durchaus aufgeschlossen” für ihre Arbeit. Profis schwörten auf die Hilfe der „Handaufleger”. So würden Turnierpferde einmal im Jahr untersucht, um sie auf einem bestmöglichen Leistungsstand zu halten.