Heinsberg: Wenn der Seher das Eisen schmiedet

Heinsberg : Wenn der Seher das Eisen schmiedet

Zurück ins frühe Mittelalter begeben sich René Dieken und seine Freunde, wenn sie ihrem Hobby frönen. Die im Dezember 2006 in Heinsberg gegründete Gruppe nennt sich „Inn Vidförla”, was im Altisländischen soviel die „die Weitgereisten” bedeutet.

Bisher führten die Reisen der Gruppe bereits zu verschiedenen mittelalterlichen Märkten, auf denen sie sich und ihre selbst genähte und angefertigte Kleidung nebst Ausrüstung und Accessoires präsentierten. Dazu gehört unter anderem ein Zelt, das einem Original des legendären Oseberg-Schiffes nachgearbeitet wurde, vier für die damalige Zeit typische Keilzelte und ein so genanntes Versorgungszelt.

René Dieken ist nicht nur der Jarl (Chef) der Gruppe. Er hat neben dem Zelt auch die Kleidung der Gruppenmitglieder selbst genäht. In dem altisländischen Namen „Raudebjörn” wird sein Vorname mit seinem ganz persönlichen Merkmal, dem roten Bart verknüpft.

Zu den Mitbegründern der Gruppe gehören Barbara und Jennifer Denski, Jörg Winter und Brigitte Lötschner, die sich als Mitglieder von „Inn Vidförla” natürlich ganz anders nennen und mit ihrem Namen zugleich charakterisiert werden. Barbara ist „Thordes Dekkia” (Die Dunkle), Jennifer heißt „Astrida”, was so viel wie die Leidenschaftliche bedeutet. Jörg Winter wandelte nur seinen Vornamen in die nordische Form „Jörn” ab .

Als neue Mitglieder sind inzwischen Robert Vogt /Varg Horstson (der Sohn des Wolfs) und Barbara Macho/Grinna (Die Listige) mit ihren Töchtern Leonie/Halla und Darleen (Runia” in die Gruppe aufgenommen worden.

Jedes Mitglied hat in der Gruppe ganz bestimmte Aufgaben zu erledigen. So ist Barbara Denski für die Lederarbeiten zuständig, ob Schuhe, Gürtel oder Taschen, die sie auf Wunsch auch fertigt.

Barbara arbeitet auf einem, dem Original nachgebauten kleinen Handwebstuhl aus bunten Wollfäden farbenfrohe Bänder, die als schmückende Borden in die Kleidung eingearbeitet oder als Gürtel getragen werden können.

„Es ist spannend und macht nicht nur sehr viel Spaß, Kleidung und Ausrüstung, wie sie im frühen Mittelalter verwendet wurden, selbst zu fertigen”, sind sich die Gruppenmitglieder einig, die damit außerdem noch den Geldbeutel schonen. Zwar kann man inzwischen fast alles an Zubehör irgendwo kaufen, aber das ist weitaus weniger reizvoll, da die eigenen Erfahrungen fehlen.

Es war kein Zufall, dass die Gruppenmitglieder in einem Heinsberger Garten mit Blick auf die alte Heinsberger Stadtmauer ihr Lager aufgeschlagen hatten. Robert, der Wolfssohn, der zugleich der „Seher” der Gruppe ist, hatte sich an diesem Tag vorgenommen, seine Künste als Schmied zu vervollkommnen. Dazu musste natürlich ein Feuer entfacht werden, um das zu schmiedende Eisen zum Glühen zu bringen. Erst danach schwang er unter den aufmerksamen Augen seines „Jarl” den Hammer und war ganz stolz, dass sein Eisenstück mit jedem weiteren Schlag der Form eines Messers immer ähnlicher wurde.

„Eine recht schweißtreibende Arbeit”, stellte Robert fest, dem sehr bald die ersten Tropfen von der Stirn liefen.

Barbara richtete während dessen ihren Webstuhl, um eine neue Schmuckborde anzufertigen, während hinter ihr die neunmonatige Leonie im mit weichem Schafsfell ausgekleideten Bollerwagen zufrieden spielte.

Einmal im Monat findet ein „Thing” (Treffen) der Gruppenmitglieder statt, bei dem die nächsten Aktivitäten und Termine abgestimmt und besprochen werden.

„Das frühe Mittelalter, dem wir uns zugewandt haben”, so Ren? Dieken , ist auf den Mittelaltermärkten eher selten repräsentiert. Besonders dann werden auch aus dieser Zeit bekannte Rezepte von der Gruppe ausprobiert und es wird zeitgemäß gekocht. Es gab damals Hirse und viele Breie, aber auch Stockbrot.

Gerne beantworten die Gruppenmitglieder Fragen nach der Lebensweise des frühen Mittelalters. Diese Zeit den Menschen und ganz besonders Kindern auf anschauliche und interessante Weise näher zu bringen, ist das eigentliche Anliegen der Gruppe. Hier künftig pädagogisch intensiver tätig zu werden, ist das erklärte Ziel.

Wer sich für eine Zeitreise oder eine Mitarbeit in der Gruppe interessiert, ist herzlich willkommen, ohne sich gleich für eine Mitgliedschaft entscheiden zu müssen. Je größer die Gruppe, desto einfacher könnten die Aufgaben bei den „Reisen” (wie der Transport der Ausrüstung) verteilt werden, so René Dieken.

Die Gruppe einmal probeweise ein Wochenende zu einem der Mittelaltermärkte zu begleiten, ist nicht nur möglich, sondern wird sogar gewünscht. Telefonischer Kontakt ist unter 02452/988979 möglich.