Hückelhoven: Wenn der König fällt, ist das Spiel zu Ende

Hückelhoven : Wenn der König fällt, ist das Spiel zu Ende

Das Spiel hat 64 Felder, 32 Figuren und besteht im Gegensatz zu anderen Sportarten aus reiner Kopfarbeit.

Beim Schach geht es um Angriff und Verteidigung, um Weitblick und Gerissenheit. Strategien müssen entwickelt, die des Gegners lahm gelegt werden. Seinem Widersacher stets drei Züge voraus zu sein, verspricht den Sieg. Erst, wenn der König fällt oder die Fronten verhärten (Remis), ist es vorbei.

Verhaltener Optimismus der Gastgeber

Dieses Schicksal ereilte am Samstag einige Mitglieder der ersten Mannschaft des Schachclubs Turm Rurtal, aber das achtköpfige Team hatte auch wahrlich eine harte Nuss zu knacken. Anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens konnte die Denksportgruppe den internationalen Schachmeister Anatoli Donschenko als Gast gewinnen.

Ganz von selbst verstand es sich, dass das Spiel der Könige die Feierlichkeiten dominierte. Ein Uhrensimultanspiel sollte offen legen, ob sich der russische Spezialist tatsächlich gegen jeden der klugen Köpfe durchzusetzen vermochte.

Während Donschenko zwei Stunden Bedenkzeit für alle Partien zusammen zur Verfügung standen, hatten seine acht Gegner jeweils 60 Minuten zum Nachdenken.

„Uhrensimultan-Schach ist eine echte Herausforderung”, schilderte Gerhard Blask, der das spannende Zusammentreffen organisiert hatte. „Es bedeutet für den Schachmeister, dass er acht Partien im Kopf haben muss, auch wenn sie schon weit fortgeschritten sind.” Bei der ersten Mannschaft machte sich dennoch verhaltener Optimismus breit.

Der erste Vorsitzende Axel Schneider versprach vor Beginn der Partie, es dem Meister so schwer wie möglich zu machen. Und tatsächlich konnte das Team ein ansehnliches Ergebnis einfahren.

Russischer Meister beeindruckte durch Stärke

Ein Unentschieden erkämpften Axel Schneider, Hans-Jörg Brecker, Lothar Dehen, Helmut Machat und Rolf Zens. Gerd Kreuder sowie Frank Theißen mussten die Waffen strecken, während es Eckhardt Opitz als Einzigem gelang, den Meister in die Knie zu zwingen.

Letztlich aber behielt dieser mit einem Endergebnis von 4,5 zu 3,5 die Oberhand. Donschenko habe sehr schnell gespielt und seine Gegnerschaft zunehmend unter Druck gesetzt, bilanzierte Schneider. „Allerdings sind ihm dadurch auch einige Fehler unterlaufen.”

Der russische Meister war durchaus beeindruckt von der Spielstärke seiner Gegner, glaubte jedoch, bei besserer Vorbereitung einen höheren „Score” erreichen zu können. Eine baldige Revanche wurde vereinbart.

Gerhard Blask pflegt schon seit beinahe zehn Jahren eine Freundschaft mit dem 62-jährigen Schach-Profi, der vor fünf Monaten mit seiner Ehefrau von Moskau nach Gießen emigrierte und vorher als Schach-Trainer tätig war.

In jeder Fachzeitschrift der vergangenen Monate sei sein Name zu lesen. Leider spreche er noch nicht so gut Deutsch, erklärte Organisator Blask. In seiner russischen Heimat habe ihm das damalige Regime lange Zeit verboten, an Wettkämpfen im Ausland teilzunehmen.

Zeitweise musste er zur Ernährung seiner Familie sogar als Bergarbeiter schuften. Sehr bemerkenswert ist für Blask deshalb, dass Donschenko noch mit über 50 Jahren den Titel eines internationalen Meisters errang. Denn, „zwar zählt auch die Erfahrung, aber im Alter lässt die Konzentrationsfähigkeit unweigerlich nach”.

Weltklassespieler seien schließlich größtenteils sehr junge Menschen.

Turm Rurtal der Sieger mit guter Beinarbeit

Zu einem Mannschaftssimultanturnier lud der SC Turm Rurtal befreundete Schachvereine aus Neuss-Norf und Erkelenz auf den Brunnenhof des Gymnasiums.

Vor allem intensive Beinarbeit war im Verlauf des Turniers unter freiem Himmel gefragt, da die Schachbretter an einer langen Tischreihe aufgebaut waren und die 20 Teilnehmer eine beachtliche Strecke zurücklegen mussten - an insgesamt 40 Brettern spielte bei knapper Bedenkzeit Jeder gegen Jeden.

Dem Sieger winkte ein stattlicher Wanderpokal in Form eines hölzernen Turmes.

Das Rennen machte der SC Turm Rurtal mit 8, 5 von 12 möglichen Punkten. Übrigens: Die Hückelhovener Sportler bewährten sich auch bei der ersten Runde im Wettstreit um den Bezirkspokal (3,5 zu 0,5 gegen Rheydt).