Kreis Heinsberg: Weniger Mandate für Frauen: „Unvorstellbar!“

Kreis Heinsberg : Weniger Mandate für Frauen: „Unvorstellbar!“

Persönliche Gespräche zur Politik auf allen Ebenen standen auch dieses Mal im Mittelpunkt des traditionellen Neujahrsempfangs, zu dem die Frauen-Union im CDU-Kreisverband Heinsberg in den Sitzungssaal des Heinrich-Köppler-Hauses in Heinsberg eingeladen hatte.

Vorsitzende Karin Mainka freute sich in ihrer Rede zur Begrüßung, dass unter anderen auch der Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Bernd Krückel sowie mehrere Bürgermeister der Einladung gefolgt waren.

Danach blickte sie zunächst zurück auf das Jahr 2017 mit seinen Wahlterminen. Nicht nur der FU- und der CDU-Kreisvorstand seien neu gewählt worden, sondern es habe auch die Landtags- und Bundestagswahlen gegeben. Der erfolgreiche Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen habe Hoffnung gemacht für die Bundestagswahl. „Doch die Ernüchterung kam noch am Wahlabend“, erinnerte sich Mainka. Zum inzwischen vorliegenden Sondierungspapier von CDU und SPD erklärte sie: „Man sollte nicht im Vorfeld Wahrscheinlichkeiten zerreden.“ Erst am kommenden Sonntag würden die Delegierten beim SPD-Bundesparteitag darüber abstimmen, ob Koalitionsgespräche aufgenommen würden. „Warten wir den Sonntag ab“, lautete ihr Appell.

Danach kehrte sie wieder zur Frauen-Union zurück und betonte unter Applaus: „Dieses Jahr ist ein Jubiläum für Frauen — 100 Jahre Frauenwahlrecht.“ Am 30. November 1918 sei das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahrecht für Frauen in Kraft getreten. Am 19. Januar 1919 hätten dann die ersten Frauen gewählt werden können. 300 hätten kandidiert, 37 seien gewählt worden. Insgesamt habe es 423 Abgeordnete gegeben.

Inzwischen gebe es Veränderungen, „aber es reicht noch lange nicht aus“, betonte Mainka. Mehr noch: „Nach 100 Jahren Frauenwahlrecht ist der Frauenanteil rückläufig, eigentlich unvorstellbar!“

Im Bundestag sei der Frauenanteil so gering wie zuletzt vor 19 Jahren. Von insgesamt 709 Abgeordneten seien 218 Frauen (31 Prozent). Die CDU und CSU hätten 246 Sitze, davon seien 49 für Frauen (19,9 Prozent). Im Landtag liege der Frauenanteil insgesamt bei 27,6 Prozent, bei der CDU bei 23,6 Prozent. Nicht nur, was Mandate betreffe, auch für gleichen Lohn oder Führungspositionen sei der Kampf noch nicht ausgefochten.

Ohne Frauen sei kein Staat zu machen und auch kein Wahlkampf, dankte Bernd Krückel der FU in seinem Grußwort. Die Frauenquote im Landtag sei so gering, weil dieses Mal sehr viele Kandidaten direkt gewählt und die Reserveliste zunächst nicht gezogen habe, erklärte er den aktuellen Prozentsatz. Frauen könnten auch nur dann berücksichtigt werden, wenn sich als Kandidatinnen um Wahlkreise bewerben würden, fuhr er fort.

„Es wäre schön, und da bitten wir um das Verständnis der Männer, wenn Frauen auch dahin kommen könnten, wo sie gerne sein wollen“, entgegnete Mainka und warb damit um die verstärkte Berücksichtigung von Frauen bei der Kandidatenaufstellung.

(anna)