"Weniger Lkw als in der Bauphase"

"Weniger Lkw als in der Bauphase"

Baal (an-o) - Wolfgang Appelhans ist ausgesprochen zuversichtlich. "Wer die Bauphase überlebt hat, der wird sich jetzt freuen", scherzt der Logistik-Chef im neuen QVC-Distributionszentrum. Der Lkw-Verkehr werde nämlich um rund 80 Prozent zurückgehen, wenns mit dem Versandgeschäft los gehe.

Und der Startschuss soll in der ersten September-Woche fallen. "In der Anlaufzeit dürften es rund 30.000 Warensendungen sein, die wir von hier aus pro Tag zu den Kunden schicken", schätzt Appelhans. Das Plan-Ziel will QVC in knapp zwei Jahren erreichen. Dann sollen von den Verladerampen der Versandzentrale aus 140.000 Pakete auf die Reise geschickt werden.

Wolfgang Appelhans: "Das macht 70 Post-Lkw. Und da wir im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten, bedeutet das eine zusätzliche Verkehrsbelastung für Baal von gerade mal fünf Lastwagen pro Stunde. Das ist gerade mal ein Fünftel von dem, was während der Bauarbeiten an schweren Lastern hin und her gefahren ist."

85 Millionen Euro investiert

Nur eineinhalb Jahre haben die Baufirmen gebraucht, um das in jeder Hinsicht imposante Gebäude auf dem rund 120.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Porschestraße aus dem Boden zu stampfen. Mit einer Brutto-Geschossfläche von 67.000 Quadratmetern, einem Brutto-Rauminhalt von 745.000 Kubikmetern und einer Nutzfläche von 55.000 Quadratmetern ist eines der größten Logistik-Zentren im gesamten europäischen Raum entstanden.

Satte 85 Millionen Euro hat das Teleshopping-Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf in das Projekt investiert. Und die Entscheidung für den Neubau spiegelt den rapiden Wachstumskurs wieder, auf dem das Unternehmen unterwegs ist. Allein im Jahr 2001 hatte der Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent auf knapp 220 Millionen Euro gesteigert werden können. Und innerhalb von vier Jahren verzehnfachte sich die Kundenzahl, die derzeit bei etwa 1,75 Millionen liegt.

Mitarbeiter gesucht

Sukzessive stieg auch die Zahl der Mitarbeiter an: Bundesweit sind es zurzeit 1600, und in Baal werden es rund 1000 sein, wenn der Betrieb dort auf Hochtouren läuft. Für die Startphase ist eine Mitarbeiterzahl von etwa 400 angepeilt.

"Im Moment suchen wir aber noch 40 Vollzeit- beziehungsweise 80 Teilzeitkräfte", sagt Wolfgang Appelhans. Und das vorzugsweise aus der Region. Nicht umsonst engagiert auch QVC sich in der "WORKin"-Initiative, mit der acht kreisheinsberger Unternehmen in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ihre vakanten Arbeitsplätze besetzen wollen.

"Von vorgestern"

Mit der Inbetriebnahme des neuen Distributionszentrums gehen im bisherigen Warenverteilzentrum von QVC in Neuss die Lichter aus. Nicht nur, dass die Raumkapazitäten dort völlig hinter der expandierenden Entwicklung her hinkten. "Auch die technische Einrichtung war von vorgestern", lässt Wolfgang Appelhans wissen. Fast schon von übermorgen hingegen ist die Logistik-Technik in Baal. Die rund 18000 unterschiedlichen Produkte, die QVC mittlerweile im Sortiment hat, liegen in einem hochmodernen Hochregal-Lager sowie einem Hängewaren- und Schmucklager für den Kunden-Abruf bereit.



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Bei der Zusammenstellung der Bestellungen werden die QVC-Mitarbeiter maßgeblich von "Kollege Computer" unterstützt, wobei die EDV-Zentrale eher an ein Großrechenzentrum als an ein Versandhaus erinnert. Dutzende schrankhoher Hochleistungsprozessoren sorgen dafür, dass die komplexen Abläufe aus dem Zusammenspiel von Wareneingang, Lagerung, Bestellung, Paketbestückung und Versand reibungslos ineinander greifen. Einen konkreten Termin für die Inbetriebnahme gibt es nicht. "Wir sind dabei, die Systemkomponenten noch besser aufeinander abzustimmen", sagt Logistik-Chef Appelhans. "Sobald alles im grünen Bereich liegt, gehts los. Das wird voraussichtlich Mitte bis Ende kommender Woche sein."