Städteregion: Weiterbildungskolleg: Gelungener Start in gemeinsame Zukunft

Städteregion : Weiterbildungskolleg: Gelungener Start in gemeinsame Zukunft

Die Herbstferien bieten die Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und durchzuatmen. Das dürfte guttun, auch wenn Matthias Herrmann nach den ersten knapp acht Wochen, in denen das neue Weiterbildungskolleg (WBK) der Städteregion in Betrieb ist, feststellt: „Die Unruhe unter den Beschäftigten, die alle belastet hat, ist schnell einer normalen Arbeitshaltung gewichen.“

Wie groß gleichwohl die Herausforderungen sind, die die Zusammenführung einer privaten und einer öffentlichen Schule mit sich bringt, davon kann der kommissarische Leiter ein Lied singen. Denn es war viel Vorbereitungs- und auch einige Überzeugungsarbeit erforderlich, ehe aus dem Abendgymnasium der Städteregion und dem Euregio-Kolleg des Vereins WBK eine neue gemeinsame Einrichtung werden konnte. Auch wenn eigentlich seit längerer Zeit klar war, dass angesichts rückläufiger Nachfrage akuter Handlungsbedarf bestand, um den zweiten Bildungsweg für die Zukunft zu sichern.

Diesem Umstand trugen die städteregionale Verwaltung und Politik letztlich Rechnung: Zum 1. August wurde das Weiterbildungskolleg mit seinem Hauptstandort an der Friedrichstraße in Würselen und seinem (provisorischen) Nebenstandort in der Aachener Eintrachtstraße offiziell eröffnet und am 30. August der Unterrichtsbetrieb aufgenommen. Der alte Standort des Abendgymnasiums in Aachen-Laurensberg ist derweil aufgegeben worden.

„Das war die richtige Entscheidung, wir sind auf einem guten Weg“, lässt Matthias Herrmann keine Zweifel aufkommen. Dass diese Einschätzung im Kollegium auf breite Zustimmung stößt, hat sicherlich auch damit zu tun, dass aus dem privaten Betrieb alle diejenigen übernommen worden sind, die Interesse bekundet hatten. „Und davon profitieren natürlich auch die Studierenden“, betont die Leiterin des Bildungsgangs Abendgymnasium, Iris Weuster. „Immerhin haben wir das komplette Kurs- und Lehrangebot beider Einrichtungen erhalten können und bieten dies mit den bekannten und vertrauten Kollegen an.“

42 sind das an der Zahl. Sie kümmern sich aktuell um insgesamt 487 Studierende in den Bereichen Vollzeit-Kolleg, Teilzeit-Kolleg, Abendgymnasium, Online-Abitur und Vormittagskurs. „Die Anmeldezahlen liegen etwas unter unseren Erwartungen“, räumt Matthias Herrmann ein. Das gelte vor allem für das Abendgymnasium, wo sich der negative Trend der vergangenen Jahre fortsetze und derzeit noch 217 junge Frauen und Männer gezählt werden.

„Das hat auch damit zu tun, dass sich mancher Studierende nach der Zusammenführung für das Kolleg entschieden hat“, gibt Claudia Wein-Hilgers, die am Weiterbildungskolleg für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, zu bedenken. Schließlich sei das Tagesangebot unter wirtschaftlichen Aspekten attraktiver, da ab dem ersten Semester Bafög bezogen werden könne und ein Zuverdienst von bis zu 450 Euro erlaubt sei. „Gleichwohl zeigt die Zahl auch, dass der Bildungsgang Abendgymnasium weiter gefragt ist“, betont Iris Weuster.

Das wiederum passe zum Anspruch der neuen Schule, möglichst viele Interessenten zu bedienen. „Unsere Studierenden sind ganz unterschiedliche Menschen mit völlig unterschiedlichen Biografien“, berichtet die Bildungsgangleiterin. Diesen biete das Weiterbildungskolleg „eine sehr individuelle Beratung und eine individuelle Begleitung“, erklärt Matthias Herrmann.

Und dies in „einem Gebäude, das wirklich top und für uns optimal ist“, schwärmt der Schulleiter. Mit einer — temporären — Ausnahme allerdings: Beim WLAN gebe es noch Defizite. „Aber da wird sich bald was tun“, ist Herrmann zuversichtlich. In einem anderen für den täglichen Betrieb wichtigen Bereich kann er bereits Vollzug melden: Für die Cafeteria ist ein neuer Pächter gefunden worden. „Das ist vor allem für die Studierenden im Abendbereich, die unser Angebot ja berufsbegleitend nutzen, von großer Bedeutung“, weiß Iris Weuster.

Der Start, das kann also festgehalten werden, ist geglückt. „Und dennoch werden wir weitere Schritte machen müssen“, betont Matthias Herrmann. Schließlich könnten zwei bis dato eigenständige Einrichtungen nicht innerhalb weniger Wochen nahtlos zusammengefügt werden. „Die Mitglieder der Fachkonferenzen müssen sich noch besser finden, die Profile müssen vereinheitlicht werden und die Konzepte ineinandergreifen“, nennt der kommissarische Leiter beispielhaft wichtige Themen.

Noch kein Thema ist laut Herrmann hingegen der nächste große Schritt, der dem Weiterbildungskolleg bevorsteht: Zu Beginn des Schuljahres 2021/22, so sieht es der gemeinsame Plan von Stadt Aachen und Städteregion vor, wird auch die Abendrealschule in die neue Weiterbildungseinrichtung integriert und der Aachener Standort an der Eintrachtstraße durch einen anderen im Stadtgebiet ersetzt. An Herausforderungen wird es also auch in Zukunft nicht mangeln.

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