Erkelenz: Weihnachten bei rund 40 Grad ist bloß ein Traum

Erkelenz : Weihnachten bei rund 40 Grad ist bloß ein Traum

Für zehn Austauschschüler aus Australien, die für sechs Wochen beim Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz zu Besuch sind, steht die Welt gerade Kopf.

Zu Hause in Melbourne würden die Schüler wahrscheinlich „am Strand” liegen und zur Abkühlung, immerhin haben sie dort gerade 43 Grad, ins „kühle” Wasser springen. Da ist das nasskalte Wetter hier in Deutschland schon ein krasser Gegensatz.

Dass die Mädels so empfinden erfuhr die Heinsberger Zeitung im Gespräch mit vier Ausstauschschülern und ihren „Gastgebern”, Gina Schmerling und Elise Margetts, Ruth Heidmann und Kali Fraser, Anke Kamin und Emma Banks sowie Désiré Emunds und Laura Orr, im Lehrerzimmer des Cornelius-Burgh-Gymnasiums.

Seit Ende November sind die Australier bereits in Erkelenz und der Region unterwegs, um möglichst viele Eindrücke zu sammeln. Besonders fasziert sind sie dabei von der Geschichte, den vielen alten Gebäuden und der anderen Kultur.

Wirklich „alte„ Geschichte” gibt es bei ihnen zu Hause nämlich nicht. Nun steht Weihnachten vor der Tür, was für die Gäste ebenfalls eine aufregende Erfahrung wird. Zwar feiern die Australier auch Weihnachten, doch bei Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke sieht das doch etwas anders aus, weiß auch Simone Thissen, die mittlerweile seit sechs Jahren in Melbourne als Deutschlehrerin arbeitet und die Austauschschüler nach Erkelenz an ihre ehemalige Schule begleitet hat.

So gab es etwa bis vor zirka 20 Jahren auch in Australien noch das traditionelle und vor allem reichhaltige Weihnachtsessen. Doch wegen der hohen Temperaturen wurde diese Tradition abgeschafft, „Barbecue passt eben besser zu dem Wetter”, berichtete Gina Schmerling, die sich mit ihrem Gast darüber schon mehrfach unterhalten hat.

Dass hierzulande viel zum Fest gegessen wird, gefällt den Gästen nicht sonderlich. Statt des reichhaltigen Essens gibt es in Australien dafür umso mehr Weihnachtsschmuck. In manchen Vororten seien die Häuser geradezu mit bunten, leuchtenden Weihnachtsdekorationen „überladen”. Es gäbe regelrechte Wettbewerbe unter den Nachbarn, hieß es.

Adventskalender sind dort ebenfalls bekannt, Adventskränze dagegen weniger. Während wir hier in Deutschland bereits am 24. Dezember abends Weihnachten feiern, geht das Fest der Liebe in Australien erst tagsdrauf los.

Neuland waren für die Gäste auch die vielen Weihnachtsmärkte, die es nicht nur hier in der Region so gibt. Gemeinsam erkundeten die Melbourner regelrecht fasziniert etwa den Aachener Weihnachtsmarkt. Nur Glühwein, den mochten sie gar nicht, verrät Désiré Emunds. Den gibt es bei ihnen auch gar nicht.

Dafür lieben sie deutsche Schokolade umso mehr. Die Sortenvielfalt wäre hier auch viel größer, das gäbe es so auch nicht in Australien. Dass Weihnachten im Kreise der Familie gefeiert wird, und dazu auch ein Tannenbaum gehört, ist aber schon bekannt. Nur die Kälte, die ist absolutes ungewohnt. Und weiße Weihnacht ist kaum vorstellbar für die Gäste. Vielleicht kommen sie dieses Jahr sogar in diesen Genuss, wenn Petrus gut gesinnt sein sollte.

Jetzt freuen sie sich aber alle erst einmal auf das besinnliche Fest, ebenso wie Simone Thissen, die seit sechs Jahren das erste Mal wieder in Deutschland Weihnachten feiern wird. Das sei schon „nett”. Sie hätte sich aber gut an die australische Art, Weihnachten zu feiern gewöhnt.

Am 7. Januar heißt es dann, Abschied nehmen von den neu gefundenen Freunden. Im Sommer nächsten Jahres steht der Gegenbesuch an.