Kreis Heinsberg: Wechselspiel zwischen Verhüllen und Darstellen

Kreis Heinsberg : Wechselspiel zwischen Verhüllen und Darstellen

„Ich suche Du”, der Name dieser Ausstellung des gebürtigen Wegbergers und nun in Düsseldorf lebenden Künstlers Volker Hermes, die beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch in Verbindung mit dem Neujahrsempfang eröffnet wurde, lasse zunächst einmal stutzen, so formulierte es Kunsthistorikerin Christina Kral (Aachen), die den zahlreichen Gästen die Werke des Künstlers in einer viel gelobten Einführung präsentierte.

„Nicht nur ist der Ausdruck grammatikalisch falsch, er verrät einem auch nicht direkt, worum es in der Ausstellung und bei den Arbeiten von Volker Hermes geht”, stellte die junge Doktorandin fest.

Die großformatigen Arbeiten von Volker Hermes sind allesamt Porträts, die zugleich einen Such- und Annäherungsprozess widerspiegeln, den er mit seiner Malerei gerade durchläuft. Bei seiner Auseinandersetzung mit dem Porträt beschränkt er sich nicht nur auf ein einzelnes Medium. Es finden sich in der Ausstellung sowohl Acrylgemälde als auch Fotocollagen und Zeichnungen, die alle gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Christina Kral ging auf den Werdegang des Künstlers (Jahrgang 1972) ein, der sich nach seinem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf ausschließlich mit der Darstellung von alltäglichen Objekten beschäftigte und vor einem Jahr dazu über ging, auch figurative Werke zu malen. Auslöser, sich mit Porträts zu befassen, waren die Gemälde alter Meister.

Mit den großformatigen Gemälden, die im unteren Ausstellungsraum vom Horster Hof gezeigt werden, entfernte er sich von der Nachbildung bereits existierender Porträts. Es sind persönliche Darstellungen, Freunde und Bekannte die er malt, aber auch Selbstbildnisse, die da zu sehen sind.

„Obwohl die Gesichter der Dargestellten nie sichtbar sind, sind die Gemälde für Hermes Porträts, weil er mit ihnen Aussagen über die Personen trifft”, so Christina Kral. „Volker Hermes erzeugt ein spannungsreiches Wechselspiel zwischen Verhüllen und Darstellen.

Der Betrachter soll zwar durch ungewöhnliche Porträts irritiert werden, aber es geht dem Künstler nicht darum zu verschleiern oder zu mystifizieren. Deshalb benennt er die Gemälde immer nach dem Vornamen der abgebildeten Person und häufig geht auch aus dem Titel hervor, welches Bild eines alten Meisters er zitiert”, erläuterte sie die Arbeitsweise des Künstlers.

Ein markantes und ins Auge fallendes Exponat eines Selbstbildnisses ist zugleich das größte Gemälde der Ausstellung. Es zeigt Volker Hermes auf einem sich aufbäumenden Pferd, das er aus einem Gemälde von Diego Velazquez entnommen hat.

Er löste es allerdings aus der Landschaft heraus und platzierte es vor einem neutralen rosafarbenen Hintergrund. Anstelle des Grafen de Olivares sitzt nun der Künstler auf dem Pferd. Statt des menschlichen Kopfes blickt den Betrachter allerdings ein Maskottchentier an, diesmal ein Widderkopf.

Die Haltung von Volker Hermes, erklärte Christina Kral, sei die des Grafen de Olivares, nur hat er darauf verzichtet, die rechte Hand des Reiters wiederzugeben. Diese wiederum taucht in einem anderen kleinen Gemälde von Hermes auf. Den Stab, den der Graf normalerweise in der Hand hält, hat Hermes dabei durch einen Pinsel ersetzt.

Er stellt sich somit als Künstler bei der Arbeit dar. „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich solche Hosen und solche Schuhe trage”, machte der Künstler auf Details aufmerksam, durch die er zu identifizieren ist.

Bis 1. Februar läuft die Ausstellung „Ich suche Du” mit Malerei von Volker Hermes beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof). Die Öffnungszeiten: sonntags von 11 bis 17 Uhr und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.