Wassenberg/Aachen: Wassenberger Paar klagt gegen Geläut

Wassenberg/Aachen : Wassenberger Paar klagt gegen Geläut

„Oh, du heiliger Bimbam”, muss ein Ehepaar aus dem Wassenberger Stadtteil Steinkirchen-Effeld gedacht haben, als 1999 die Pfarre St. Martinus das „Angelus-Läuten” nach langjähriger Pause wieder einführte.

Die Eheleute wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Glockenturm in einem 1990 von ihnen gekauften Haus und hören nun seit drei Jahren morgens um 7 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr das Läuten aus aller nächster Nähe - und finden es unerträglich.

„Vom Glockenlärm erkrankt”

Derzeit klagen sie in Aachen vor dem Verwaltungs- und vor dem Landgericht gegen die Kirchengemeinde St. Martinus. Mit der Verwaltungsgerichtsklage will das Paar die Unterlassung des frühen 7-Uhr-Geläuts erreichen.

„Messungen des Staatlichen Umweltamtes Aachen zufolge überschreitet vor allem dieses Drei-Minuten-Dauergeläut die zulässigen Immissionsrichtwerte”, so Rechtsanwältin Regine Neumann.

Vor dem Landgericht fordert ihre Mandantin Schadensersatz für den Einbau von dreifach verglasten Schallschutzfenstern in der ersten Etage des Wohnhauses; zudem fordert sie ein Schmerzensgeld. Das Geläut beeinträchtige ihre Lebensqualität erheblich, argumentieren die Kläger. Die Frau sagt, bei ihr habe der Lärm sogar gesundheitliche Beschwerden ausgelöst.

Das Bistum sieht dem Ausgang der Klagen - das Landgericht will erst die Entscheidung des Verwaltungsgerichts abwarten, mit der nicht vor Anfang 2003 zu rechnen ist - gelassen entgegen.

„Vom Grundgesetz geschützt”

Bei dem „Angelus-Läuten”, einer Einladung zum Gebet, handele es sich um ein liturgisches Läuten, das vom Grundgesetz her geschützt sei, erläutert Jobst Rüthers, Pressesprecher des Bistums.

In Steinkirchen-Effeld sei das „Angelus-Läuten” etwa zehn Jahre ausgesetzt worden, bis das manuelle Läutewerk durch ein elektrisches habe ersetzt werden können. Rüthers: „Wer in die Nähe einer Kirche zieht, muss wissen, dass das Gotteshaus ein Recht aufs Läuten hat.”

Dass die Kirche Wohlwollen zeige und dem Ehepaar entgegenkomme, sieht er unter anderem in dem Versuch begründet, das ebenfalls monierte Schlagen der Kirchturmuhr durch bauliche Änderungen von einem 15- auf einen 30-minütigen Rhythmus zu reduzieren.