„Was uns fehlt, das sind Fachleute”

„Was uns fehlt, das sind Fachleute”

Kreis Heinsberg. Halb Europa versinkt in diesen Wochen im Regenchaos. Während es in anderen Landesteilen „Land unter...” heißt, blieb - bis auf die Landwirtschaft - die Region am Niederrhein bislang von größeren Schäden verschont.

„Seit gut zwei Wochen stehen bei uns alle Räder still”, sagt Heinrich Sevens aus Golkrath, der gemeinsam mit seinem Sohn Lorenz ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen betreibt.

Weil der Vater im Krieg geblieben ist, übernahm Sevens bereits in jungen Jahren den elterlichen Hof. Neben dem Bearbeiten der eigenen Scholle spezialisierte sich der Golkrather Ende der 50er Jahre als landwirtschaftlicher Lohnunternehmer.

Kraftstrotzende Schlepper und Mähdrescher wurden angeschafft. Heinrich Sevens erntet im Auftrag von Landwirten in einem Umkreis von 40 Kilometern.

Spezialisiert haben sich Vater und Sohn zwischenzeitlich auf das Ernten von Getreide, Mais und Rüben. Über insgesamt vier Mähdrescher, zu einem jeweiligen Preis von bis zu 200 000 Euro verfügen sie.

Heinrich Sevens und Sohn Lorenz beschäftigen zudem vier Vollzeitarbeitskräfte. Mutter Elisabeth ist für den administrativen Bereich des Unternehmens mitverantwortlich.

Doch schon seit Jahren ist bekannt, dass der Beruf des Landwirtes kein Traumjob mehr ist. Nicht nur dem andauernd schlechten Wetter wird der Niedergang der Landwirtschaft angelastet.

Der Golkrather merkt auch an, dass mit all den Subventionen der deutsche Bergbau vernichtet wurde und man nun dabei sei, auch die Landwirte in den sicheren Ruin zu treiben.

„Alleine die Produktion eines Doppelzentners Getreide kostet uns 18 Euro. Für eine gute Qualität bekommen wir aber nur achteinhalb Euro vom Händler.

Der größte Teil der Differenz wird vom Staat sowie der EU subventioniert. Nun aber ist die Qualität nach den andauernden Regenfällen sehr schlecht, und der Erzeuger muss mit ständig größer werdenden Abzügen rechnen. Wie soll das auf Dauer funktionieren?”

Den in der Landwirtschaft erhofften Nachwuchs gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Aussichten, dass sich ein junger Mann für diesen Beruf entscheidet, sind mehr als gering.

Heinrich Sevens: „Was uns fehlt, sind Fachleute. Nicht solche, die von den Hochschulen kommend uns ihre Gesetzte und Verordnungen auferlegen. Sondern Leute, die als Praktiker innerhalb der Landwirtschaft jahrelange Erfahrung gesammelt haben.”

So dümpeln die noch verbliebenen Betriebe vor sich hin - vor den Augen ein unüberschaubarer Katalog voller Verordnungen. „Sofern die Osterweiterung der EU erfolgt, werden bei manch einem Kollegen die Lichter ausgehen”, ist sich Heinrich Sevens sicher, dass das Todesurteil für die deutsche Landwirtschaft schon längst unterschrieben wurde.

Derweil hoffen der 65-Jährige und dessen Mitarbeiter, dass sich zumindest der Rest des Sommers von seiner besten Seite zeigt, damit wenigstens die Kartoffel- und Rübenernte nicht so katastrophal ausfällt wie in diesem Jahr die Getreideernte.