Kreis Heinsberg: Was die Kunst auf dem Land zu suchen hat

Kreis Heinsberg : Was die Kunst auf dem Land zu suchen hat

Seit dem vergangenen Jahr gehört Dr. Ruth Seidl, Landtagsabgeordnete der Grünen aus Wassenberg, dem Vorstand des Frauenkulturbüros NRW an. Grund genug, Künstlerinnen und Expertinnen aus Kulturverwaltung und Kulturpolitik ins Begas-Haus nach Heinsberg einzuladen. Dies tat das Büro gemeinsam mit dem Kunst-Mentorin-Projekt Rheinland Pfalz.

„Stadt Land Fluss — was hat die Kunst auf dem Land zu suchen — eine Standortbestimmung“ lautete der Titel dieser Tagung. Viele Fragen wurden dabei aufgeworfen: Was bringt Kultur und Kunst, was bringen die Künstlerinnen und Künstler in die Region? Wie sind Institutionen, Akteure sowie kulturelle Impulse und Inhalte ins Selbstverständnis und die Entwicklung der Region einbezogen? Wie identifizieren sich Kulturmacher mit ihrem Standort, und wofür ist das wichtig? Vor allem sollte die Standortfrage aus Sicht der Künstlerinnen und der Kunst beleuchtet werden. „Für einen Tag wollten wir eine Plattform installieren, die das Spannungsfeld von regionaler Verortung und Verankerung einerseits sowie das Potenzial der vielfältigen internationalen Erfahrungen andererseits nutzt, um in einen kreativen Austausch zu kommen“, erklärte Seidl. Ziel war es, Vernetzungen, Entwicklungen und Trends sichtbar zu machen, im Diskurs Handlungsfelder freizulegen sowie zu neuen Aktions- und Kooperationsmöglichkeiten einen Beitrag zu leisten.

Nach der Führung von Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann durch das Begas-Haus stellten sich mit Karin Meiner aus Burgbrohl und Ulli Böhmelmann aus Köln zwei Künstlerinnen mit Blick auf ihre Standorte vor. Mit Blick auf die administrative Praxis tat dies nach der Mittagspause Dr. Ingrid Misterek-Plagge, die Geschäftsführerin des Vereins Kulturraum Niederrhein, und mit Blick auf die kuratorische Sicht Dr. Bettina Paust, künstlerische Direktorin der Stiftung Museum Schloss Moyland. Anliegen und Bedürfnisse der Kunst auf dem Lande aus künstlerischer, kuratorischer und administrativer Perspektive wurden in zwei Plenumsrunden diskutiert die Dr. Friederike Hauffe, Kunsthistorikerin und Kunstmanagerin aus Berlin, leitete.

„Wir sind zwar hier im ländlichen Raum, aber wir machen hier auch Kultur“, so das persönliche Fazit von Seidl. Wichtig seien auf dem Land vor allem Identität stiftende, kleinere Projekte. Es sei sicher falsch, diese der Region quasi von oben „aufzustülpen“. Die Menschen in der Region müssten eher von unten her mitgenommen werden. Wichtig sei dann die Kooperation großer und kleinerer Projekte.

Ein gutes Beispiel ist für sie das Museumsnetzwerk Niederrhein, das alle zwei Jahre zu einem Themenjahr macht, an dem sich nicht nur die kulturgeschichtlichen Museen am Niederrhein, sondern auch Geschichtsvereine, Archive oder die Volkshochschulen beteiligen. Am aktuellen Themenjahr mit dem Titel „Himmelwärts“, bei dem es um das religiöse Zusammenleben am Niederrhein ging, waren zum Beispiel auch das Flachsmuseum und das Museum für Europäische Volkstrachten in Wegberg-Beeck beteiligt. Das Flachsmuseum zeigte eine Ausstellung von Taufkleidern. Das Museum für Europäische Volkstrachten präsentiert noch bis März „Textile Kirchenschätze im Verborgenen“. „Unterwegs“ wird das nächste Thema dieser Kooperation lauten. „Nicht nur mit dem Blick auf die Mobilität, sondern auch mit dem Blick auf Flucht und Vertreibung“, so Seidl.

(anna)