Städteregion: Warten auf den Bescheid vom Land: Wird Merzbrück Forschungsflugplatz?

Städteregion : Warten auf den Bescheid vom Land: Wird Merzbrück Forschungsflugplatz?

Noch vor der Sommerpause, da ist Städteregionsrat Helmut Etschenberg zuversichtlich, wird das Land Nordrhein-Westfalen den Förderbescheid für den Ausbau des Flugplatzes-Merzbrück in Würselen zum Forschungsflugplatz verschicken. Dabei hatten die Flugplatz Aachen-Merzbrück GmbH (FAM), die RWTH Aachen Campus GmbH und die Air s.Pace GmbH erst im März einen entsprechenden Antrag gestellt.

Bei seinem Besuch vor Ort vor wenigen Wochen hatte sich NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart erklären lassen, was die beiden Firmen in Sachen Entwicklung und Erprobung von umweltfreundlichen, geräuscharmen und günstigen Elektro-Kleinflugzeugen vorhaben Und er war durchaus angetan von der Idee des sogenannten Silent Air Taxis.

Was wiederum Etschenberg Anlass zur Hoffnung auf einen positiven Bescheid gibt. Dann läge der entscheidende Finanzierungsbaustein für den Bau einer neuen Start- und Landebahn vor, die doppelt so lang wie die bisherige werden soll. Doch die vier Millionen Euro vom Land wären erst die halbe Miete. Weitere rund vier Millionen Euro muss die FAM beziehungsweise ihre kommunalen Gesellschafter — die Städteregion, die Städte Aachen und Eschweiler sowie die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen — aufbringen. Und da ist noch nicht alles in trockenen Tüchern.

Elf Jahre sind seit dem Grundsatzbeschluss zum Ausbau des Flugplatzes vergangen, noch viel länger wurde immer wieder darüber diskutiert — auch im Hinblick darauf, dass rund um den Flugplatz Gewerbegebiete erschlossen werden sollen. Von 1000 Jobs, die dort entstehen könnten, war immer wieder die Rede. Dreh- und Angelpunkt war und ist eine längere Start- und Landebahn, die zudem leicht verschwenkt werden soll.

Die FAM-Gesellschafter waren 2007 bereit, für den Ausbau - der mit Kosten in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro veranschlagt worden war - 2,3 Millionen Euro zu zahlen, wenn das Land sich mit derselben Summe beteiligt. Das wurde erst zugesagt, unter Rot-Grün aber wieder infrage gestellt. Das Thema Finanzierung war dann zehn Jahre lang keines mehr, weil es keinen Planfeststellungsbeschluss gab. Doch der liegt jetzt seit einem Jahr vor. Seitdem arbeitet FAM-Geschäftsführer Uwe Zink an einem Finanzierungskonzept.

Grundsatzbeschluss von 2007

Hauptproblem für Zink dabei ist, dass die Kosten für den Ausbau des Flugplatzes seit dem Grundsatzbeschluss der Gesellschaft aus 2007 gestiegen sind. Die Inflation spielt dabei eine Rolle, aber auch die insgesamt gestiegenen Baupreise. Inzwischen liegt die — von einem Wirtschaftsprüfer geprüfte — Kostenkalkulation nach Informationen unserer Zeitung bei Gesamtkosten in Höhe von rund 7,8 Millionen Euro, einschließlich eines Baukostenrisikozuschlages in Höhe von 20 Prozent. Steuert das Land wie erhofft gut vier Millionen Euro bei, bliebe die FAM insgesamt auf deutlich höheren Kosten sitzen als die Gesellschafter 2007 bereit waren zu tragen. Viel mehr aber als die damals zugesagten 2,3 Millionen Euro wollen sie im Prinzip auch heute nicht für den Ausbau des Flugplatzes zahlen.

An dieser Stelle kommt die Euregiobahn, die am Flugplatz Merzbrück vorbeiführt, ins Spiel. Denn die soll elektrifiziert werde. Doch das geht nur, wenn die Start- und Landebahn verschwenkt wird oder die Bahntrasse tiefer gelegt wird, damit die Abstände zwischen der Oberleitung und den Flugzeugen groß genug sind. Letzteres wäre aber ziemlich teuer. Die Euregio-Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) hat also großes Interesse daran, dass die Start- und Landebahn verschwenkt wird. Uwe Zink verhandelt daher mit dem Unternehmen über eine Entschädigungszahlung. Nach Informationen unserer Zeitung soll die EVS rund 1,8 Millionen Euro an die FAM zahlen.

EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil sagt dazu nur: „Wir führen zielführende Gespräche. Das ist nicht so einfach, man kann auch sagen: Es ist kompliziert.“ Die EVS stehe jetzt allerdings nicht mehr unter Zeitdruck, weil es nun doch erst in vier Jahren eine neue Ausschreibung für den Betrieb auf dieser Strecke geben werde, die Elektrifizierung also noch Zeit habe. „Wir befinden uns aber in der Planungsphase für die Elektrifizierung“, sagt Fürpeil, und da spiele der Flugplatz eine Rolle. „Das ist eine gegenseitige Abhängigkeit“, sagt er und fügt hinzu: „Unser Ziel ist es, Einvernehmen mit der FAM zu erzielen.“

Ein wenig aufs Tempo drücken allerdings die Verantwortlichen für das E-Flugzeugprojekt rund um Prof. Dr. Günther Schuh an der Spitze. Sie wollen möglichst schnell, am liebsten schon im nächsten, spätestens im übernächsten Jahr mit der Arbeit beginnen. Voraussetzung dafür ist, dass bis dahin die neue Start- und Landebahn fertig ist. Machbar wäre das, meint Uwe Zink, „wenn alle mitziehen“. Will heißen: Sobald die Verhandlungen mit der EVS abgeschlossen seien, die Gesellschafter dem Finanzierungskonzept zugestimmt hätten und der Förderbescheid des Landes vorliege, könne man loslegen. Die reine Bauzeit für die Bahn betrage etwa sechs bis acht Monate, die Vorarbeiten wie Schaffung der Ausgleichsflächen samt Umsiedlung von Kiebitzen und Rebhühnern seien langwieriger. „Mein Ziel ist, dem Wunsch von Professor Schuh folgend spätestens 2019/2020 fertig zu sein.“

Städteregionsrat ist zuversichtlich

Eines sagt Zink aber auch ganz klar: „Wenn das Land das nicht bezuschusst, dann wird es keinen Ausbau des Flugplatzes geben. Dann ist meine Aufgabe hier beendet.“ Doch soweit ist es noch nicht. Noch versprühen Etschenberg und Zink Zuversicht. Auf der FAM-Homepage ist zu lesen, dass der Aufsichtsrat der Gesellschafterversammlung der FAM empfiehlt, die Geschäftsführung zu ermächtigen „… bis zum 1.6.2020 die erforderlichen Bauleistungen zu beauftragen und auszuführen. Die Gesellschafter stellen hierfür eine Bürgschaft von bis zu XXX Millionen Euro zur Verfügung.“

Weiter heißt es, die FAM stelle den Flugbetrieb auf der alten Start- und Landebahn ein, um die Elektrifizierung der Euregiobahn zu ermöglichen, und erhalte dafür im Gegenzug „einen Schadenersatz von XXX Millionen Euro zuzüglich der Zwischenfinanzierung“. Das stehe unter dem Vorbehalt, dass die Landesmittel fließen und dass die Gremien der Gesellschafter zustimmen.

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