Geilenkirchen: „Wahrsager” bot Lottozahlen gegen Bargeld an

Geilenkirchen : „Wahrsager” bot Lottozahlen gegen Bargeld an

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung hat das Schöffengericht Geilenkirchen unter Vorsitz von Richter Anselm Pütz am Dienstag einen 45-jährigen „Wahrsager” aus der Gemeinde Waldfeucht verurteilt.

„Wir haben nach dieser Hauptverhandlung nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Angeklagte die übrig gebliebenen acht Straftaten begangen hat”, begründete der Richter das Urteil.

„Der Angeklagte hatte es mit seinem Vorgehen ausschließlich auf die 110 000 Mark, die der Hauptbelastungszeugin aus einem Hausverkauf als Überschuss zur Verfügung standen, abgesehen”, erklärte der Richter.

Vorgeworfen hatte Staatsanwalt Kaufmann dem Angeklagten, in der Zeit von Juli bis September 2000 neben seinen Gebühren für das Kartenlegen in seinem Haus weit über 20 000 Mark von einer psychisch kranken, leichtgläubigen Frau aus Heinsberg ergaunert zu haben.

Die Anzeige der Hauptbelastungszeugin bei der Polizei war auf Initiative ihres heute 56-jährigen Arztes aus Heinsberg zustande gekommen: „Meine Patientin ist in ihrem Leben ständig ausgenutzt worden. Sie hatte mir erklärt, dass sie bei einem Kartenleger war, der sie im Laufe der drei Monate um einen Riesenbetrag gebracht hatte”, sagte der Arzt vor Gericht aus.

Er habe ihr daraufhin geraten, Strafanzeige zu erstatten und er habe gleichzeitig einen ihm bekannten Polizeibeamten informiert, dass eine derartige Anzeige erstattet werde. Das habe er nur getan, weil die Frau psychisch angeschlagen war und ihm bekannt gewesen sei, dass dieser Polizeibeamte mit solchen Menschen gut umgehen könne.

Die 45-jährige Hauptbelastungszeugin erklärte, dass sie, nachdem sie geschieden war, wegen einer Beziehung zu einem Mann in Düsseldorf zum Kartenleger gegangen sei. Dies hatte ihr ein Bekannter vorgeschlagen. „Ich war völlig am Boden zerstört, und das hat der Kartenleger ausgenutzt.”

Er habe ihr gesagt, dass ihr Freund Spielschulden in Düsseldorf gehabt habe, die er beglichen hätte. Die 4500 Mark, die er für die Spielschulden gezahlt habe, müsse sie ihm natürlich erstatten. „Was ich, leichtgläubig wie ich nun einmal bin, auch getan habe”, sagte die Zeugin.

Wenig später habe der Angeklagte sie aufgefordert, 1800 Mark zurückzuzahlen, die er aufgewendet habe, um einen Polizeibeamten in Düsseldorf zu bestechen, damit kein Strafverfahren gegen ihren Freund eröffnet werde. Auch die berappte die Zeugin.

Selbst für eine Fahrt des Angeklagten zu einem Magiertreffen auf einer Insel in der Nordsee ließ sich die Frau vom Angeklagten mit 2500 Mark zur Kasse bitten.

„Er hat mich in dieser Zeit einmal angerufen und mir gesagt, dass er mir die Lottozahlen voraussagen könne. Das war aber auch mit der Zahlung eines Betrages von 5600 Mark verbunden. Weil ich ihm glaubte, habe ich auch diesen Betrag von meinem Sparkonto abgehoben und ihm gegeben, denn er hatte mir einen Millionen-Gewinn versprochen.”

Diese Aussage wurde bestätigt durch die Aussage eines 50-jährigen Bekannten der Frau, der ebenfalls Kunde des Kartenlegers war. Auch ihm hatte er Lottozahlen gegen Bares angeboten. Dieser Zeuge war auf die Forderung von 2000 Mark aber nicht eingegangen.

Staatsanwalt Kaufmann: „Die umfangreiche Beweisaufnahme hat sämtliche Tatvorwürfe nachgewiesen. Es handelt sich um qualifizierten Betrug und zweifaches Vergehen gegen das Heilpraktiker-Gesetz. Der Angeklagte ist vielfach und einschlägig vorbestraft, zudem ist die Schadenshöhe beträchtlich. Deshalb fordere ich zwei Jahre und sechs Monate.”

Anderer Auffassung war Strafverteidiger Werner Krings: „Bewiesen sind die Behauptungen der Belastungszeugin aus meiner Sicht nicht. Ich fordere für meinen Mandanten Freispruch.”