Wahlkampfauftakt der Sozialdemokraten im Kreis

Wahlkampfauftakt der Sozialdemokraten im Kreis

Kreis Heinsberg. Auch in heißen Wahlkampfzeiten ist ein höflicher und respektvoller Umgang miteinander über Parteigrenzen hinweg möglich.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) wurde zum Wahlkampfauftakt der Sozialdemokraten im Kreis Heinsberg am Samstagmittag vor der Festhalle in Breberen unter anderem vom Gangelter Ehrenbürgermeister Heinrich Aretz (CDU) herzlich willkommen geheißen. Er überreichte der Bundespolitikerin aus Aachen einen Wappenkrug der Gemeinde.

Die Sozialdemokraten hatten diesmal bewusst den äußersten Westen des Kreises als Schauplatz für ihren Start in die heiße Wahlkampfphase ausgewählt und dabei ihren Optimismus zunächst am Vormittag bei einer Plakataktion in Selfkant-Tüddern zum Ausdruck gebracht: „Auch im Westen sieht HS nicht Schwarz!” So lautete der Slogan.

Nach flotter Jazz-Musik der Band „Five oÕclock” war SPD-Bundestagskandidat Dr. Christoph Zöpel, der Staatsminister im Auswärtigen Amt, in der Festhalle von Gangelt-Breberen zu Scherzen aufgelegt.

Beim Blick auf Plakate habe er „eine halbe Gemeinsamkeit” mit Bundeskanzler Gerhard Schröder festgestellt: „Wir färben uns beide die Haare nicht, ich habe aber schon ein paar graue!”

Grüße übermittelte er vom früheren Arbeitsdirektor der Zeche Sophia-Jacoba, Heinz Preuß, den Zöpel am Vortag auf der Auto-Rückreise von seinem Slowenien-Urlaub bei einem Zwischenstopp in einem Passauer Biergarten getroffen hatte.

„Für Staatsminister ist Fliegen nichts Besonderes”, kam Zöpel auf das Thema „Miles & More” zu sprechen. Wer sich „dusselig” verhalten habe, solle die Gelder zurückzahlen, „dann ist die Sache erledigt”. Wer allerdings bewusst dienstlich erlangte Bonusmeilen zum privaten Vorteil genutzt habe, habe „verantwortungslos” gehandelt.

Die Aussagen von Leo Dautzenberg (CDU) und Christa Nickels (Grüne) zitierend, sie hätten Dienstmeilen nicht privat genutzt, sagte Zöpel: „Soweit ich mich erinnern kann, habe ich das auch nicht gemacht.” Er habe bei der Lufthansa angerufen, um die Frage zu klären, doch diese benötige dazu seine Geheimzahl. Diese PIN liege aber in seinem Safe in Berlin.

Er sei viel geflogen, so Zöpel, auf Kosten von Bundestag, Auswärtigem Amt und SPD, manchmal auch auf eigene Kosten, dann aber nicht mit der Lufthansa; dies sei ihm zu teuer, da fliege er lieber Charter. Wenn er die PIN habe, dann werde er genau wissen, ob seine Erinnerung zutreffend sei.

„Ich muss ja auch mal was Schlechtes über die PDS sagen”, bewertete Zöpel den Gysi-Rücktritt in diesem Zusammenhang als „Fahnenflucht” und „verantwortungslos”. Abgeordnete seien „normale Menschen”, die auch mal Fehler machen würden.

Bei seinem Ausblick auf die Weltpolitik sprach Zöpel unter anderem das Thema Irak an. Es müsse von der Weltgemeinschaft Druck ausgeübt werden, damit die Waffenkontrolleure wieder ins Land gelassen würden.

Mit Militäreinsätzen sei die Situation aber nicht zu verbessern. Der deutsche und damit der europäische Weg sei es, Konflikte friedlich zu lösen. „Deutsche Soldaten machen da nicht mit”, formulierte Zöpel unmissverständlich.

Bevor Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt Ñ von der Polizei nach Breberen eskortiert Ñ ihre Wahlkampfrede vor rund 200 Zuhörern begann, überreichte sie Ali Bendes, einem „frisch gebackenen” Mitglied des SPD-Ortsvereins Gangelt, das Parteibuch.

Die solidarisch finanzierte gesetzliche Krankenversicherung verteidigend, plädierte die Ministerin für einen gleichen Zugang zu allen Möglichkeiten für alle. Dass Gesundheit vom Geldbeutel abhängig werde, würden Sozialdemokraten ebenso wenig wollen wie eine Zwei-Klassen-Medizin. Wer wolle, dass gesundheitliche Leistungen nur von der medizinischen Notwendigkeit abhängig seien, müsse SPD wählen.