Vorstand und Fraktion völlig überrascht

Vorstand und Fraktion völlig überrascht

Kreis Heinsberg. Von den Führungskräften abgesehen, kam für die Mitglieder von Kreistagsfraktion und Kreisvorstand der CDU die Nachricht, dass Karl Gruber auf eine erneute Kandidatur als Landrat verzichtet, völlig überraschend.

In den Gremien folgten Abstimmungen: Bei der ersten geheimen in der Fraktion gab es schon eine überwältigende Mehrheit für Preuß bei nur zwei Nein-Stimmen. Kritik, die laut wurde, soll sich gegen das Verfahren, nicht gegen die Person gerichtet haben.

Bei einer zweiten Abstimmung, ob der Personalvorschlag letztlich von allen mitzutragen sei, wurde keine einzige Gegenstimme mehr verzeichnet. Im Vorstand, der danach tagte, sah das erste geheime Votum so aus: 15 Ja, vier Nein und eine Enthaltung. Unter dem Zeitdruck einer für den Abend anberaumten Pressekonferenz stehend, wurde auf eine zweite geheime Wahl verzichtet. Offen wurde nachgefragt. ohne dass noch Widerspruch zu verzeichnen war.

„Aus dem politischen Bereich hat keiner den Hut in den Ring geworfen”, stellte Kreisvorsitzender Dr. Hanno Kehren fest, dass aus der Fraktion niemand Ambitionen angemeldet habe. Für die Fraktion sei Verwaltungsfachmann Helmt Preuß „erste Wahl in der Nachfolge für Landrat Karl Gruber”, sagte Fraktionsvorsitzender Heinz-Jakob Paulsen.

Die Fraktion nehme dessen Grubers Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis. Helmut Preuß sei der Fraktion seit vielen Jahren gut bekannt. „Wir schätzen seine Sachkompetenz sehr. Er hat in etlichen Bereichen der Kreisverwaltung seine Führungsqualitäten unter Beweis gestellt. Der Fraktion gegenüber war er stets kooperativ, und er versteht es bestens, auf Menschen zuzugehen.”

Auch der Kreisvorstand sei sehr überrascht gewesen, berichtete Kreisvorsitzender Kehren, der ebenfalls großes Bedauern äußerte, dass mit Karl Gruber „eine der sichersten aller Banken” bei der Kommunalwahl nicht mehr antrete. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass Helmut Preuß in der Bevölkerung gut zu etablieren sei und die Kreisverwaltung in der bewährten Form führen werde. Dass Preuß sich als kommunaler Spitzenbeamter politisch immer habe zurückhalten müssen, könne ihm jetzt nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Am 13.Mai wird die Kreisvertreterversammlung der CDU den Landratskandidaten der Union endgültig benennen. Parteichef Kehren hält es für möglich, dass parteiintern noch andere Kandidaten antreten werden, andererseits gebe es aber ein klares Meinungsbild von Vorstand und Fraktion für Helmut Preuß, gab er zu bedenken.

Überrascht zeigten sich auch Vertreter der anderen Kreisparteien, nachdem sie am Donnerstag vom Kandidaturverzicht Karl Grubers aus der Zeitung erfahren hatten.

Franz-Josef Fürkötter, erster Mann der SPD im Kreis, betonte, dass Gruber aus der Kreispolitik ausscheide, sei „menschlich schade”, der Umgang mit ihm immer angenehm gewesen sei. Mit dem Dezernenten Helmut Preuß gebe es eine gute sachliche Zusammenarbeit. Jetzt begebe er sich auf eine andere Ebene. Da bleibe abzuwarten, wie er sich positioniere.

„Ein sehr solider Beamter, der die fachliche Kompetenz habe, eine Verwaltung zu führen”, so das Urteil über Helmut Preuß von Felix Becker, dem FDP-Landtagsabgeordneten. „Ob er auch noch andere Voraussetzungen hat, kann ich nicht beurteilen”, so Becker. Es sei immer die Frage, wie man das Amt wahrnehmen möchte.

„Helmut Preuß ist jemand, der die verwaltungsinternen Vorgänge sehr gut kennt, abzuwarten bleibt, inwieweit er auch politisch klug agieren kann”, sagte Gerd-Peter Claßen, Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag.

In der Hierarchie der Kreisverwaltung steht hinter dem Landrat an zweiter Stelle der Kreisdirektor, doch letztlich lautete Karl Grubers Personalvorschlag für seine Nachfolge nicht Peter Deckers, sondern Helmut Preuß, ein Mann aus der „dritten Reihe”.

Menschlich habe Deckers da sicher etwas „zu verdauen”, sagte Gruber, angesprochen auf eine mögliche Enttäuschung von Deckers. Preuß betonte die bisherige gute sachliche Zusammenarbeit unter den Dezernenten.

Deckers wollte am Donnerstag auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Zu einer sachlichen Zusammenarbeit sei er immer bereit, betonte er. Bis Ende September 2005 sei er als Kreisdirektor gewählt. Diese Amtszeit werde er voraussichtlich auch ableisten. Ob er dann wieder für das Amt des Kreisdirektors kandidieren wolle, sei eine andere Frage.