Aachen: Vorsorge gegen den Schmerz-Alarm im Darm

Aachen : Vorsorge gegen den Schmerz-Alarm im Darm

Mal verstopft, mal zu schnell mit dem Durchlass, mal zu viel heiße Luft am Ende: Der Darm kann den Menschen auf verschiedene Weise plagen. „Quälend: Probleme mit dem Darm“ lautet darum der Titel des 102. Forums Medizin unserer Zeitung.

Sechs Experten haben sich dafür am Dienstagabend im Hörsaal 4 des Aachener Uniklinikums zwei Stunden Zeit für die rund 500 Zuhörer genommen. „Nutzen Sie die Gelegenheit, dass hier so viel Kompetenz sitzt“, sagt Moderatorin Sabine Rother, Redakteurin unserer Zeitung, und zeigt auf die Experten auf dem Podium: Gastroenterologe Ramin Schirin-Sokhan, Ernährungsberaterin Tanja Ristof, Professor Dr. Christian Trautwein, Direktor der Medizinischen Klinik III am Uniklinikum, Professor Ulf Peter Neumann, Direktor der Chirurgischen Klinik am Uniklinikum, Hausarzt Michael Hartmann und Sporttherapeut Josef Stepprath. Und im Publikum versteckt sitzt auch noch Professor Klaus Zerres, Inhaber des Lehrstuhls für Humangenetik am Klinikum.

Schlafen während der Spiegelung

Schon eine halbe Stunde vor Beginn sitzen Gisela und Peter Heck aus Eschweiler in Reihe 5 auf zwei der grünen Holzklappstühle. „Hier sitzen sonst die Studenten“, sagt Gisela Heck. Heute füllt sich der Saal überwiegend mit älteren Hörern. „Wir kommen immer, wenn uns etwas interessiert. Und mit dem Darm hat man ja immer mal hier und da Probleme“, sagt sie. „Ich wurde schon operiert“, sagt ihr Mann Peter.

„Du müsstest eigentlich zur Vorsorge“, sagt sie zu ihm. „Aber du schlabberst auch schon so wie ich. Ich weiß, dass es wichtig ist, aber ich habe einfach Angst“, sagt sie. Diese Angst will Gastroenterologe Shirin-Sokhan den Besuchern nehmen. „Die Darmspiegelung ist für viele vielleicht abschreckend, aber es ist doch entscheidend, was sie leisten kann.“ Zum Beispiel Vorstufen von Darmkrebs erkennen. Oder nach Gründen für Bauchschmerzen suchen. Gisela Heck hat trotzdem Angst. „Sie können auch schlafen während der Untersuchung und wachen danach wieder auf“, sagt er.

Shirin-Sokhan hat sein Praxisteam in den Hörsaal mitgebracht. „Ohne die kann ich nicht arbeiten“, sagt er. Vor einem Jahr hat er Professor Trautmann und das Klinikum in Richtung Praxis verlassen.

Dort arbeitet auch Hausarzt Hartmann. Zu ihm kommen ebenfalls Patienten mit Darmproblemen. „Völlegefühl, Sodbrennen, Aufstoßen, Krämpfe, Blähungen, Nahrungsunverträglichkeiten hat jeder schon mal verspürt“, zählt er auf. Hartmann gibt die Tipps, die sich Gisela Heck wünscht. „Ich will keine Heilmittelchen, sondern wissen, was ich über die Ernährung erreichen kann“, sagt Heck. „Kaufen Sie frisches Gemüse auf dem Wochenmarkt, geben Sie dem Gaumen was zu Kauen und vor allem: Essen Sie in Ruhe“, sagt Hartmann. Das wiederholt auch Ernährungsberaterin Tanja Ristof: „Nehmen Sie sich Zeit zum Essen.“ Außerdem: ausreichend Flüssigkeit trinken und sich bewegen.

Im Hörsaal mobilisiert Lisa Stepprath die Besucher. „Wir tanzen den Darmwalzer“, sagt sie. Und zur Musik kreisen Besucher und Experten die Hüften und schwingen die Arme. Einen Soloauftritt legt Heinz Maeghs (84) hin. Er federt auf einem kleinen Trampolin. „Das ist ein Ganzkörpertraining“, sagt Josef Stepprath. „Und wer gehbehindert ist, federt einfach sitzend auf einem Gymnastikball.“

Die Einlage des Mannes, der in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag feiert, imponiert dem Ehepaar Heck. Beeindruckend sind außerdem die Bilder, die Professor Neumann zeigt: von Laparoskopien am Dickdarm, also einer Operation wie durch ein Schlüsselloch, die sehr kleine Schnitte erlaubt. Seine Botschaft: Darmkrebs ist auch in fortgeschrittenen Stadien heilbar. Dafür arbeitet der Chirurg eng mit den Onkologen zusammen. „Bei Darmkrebs ist der Chirurg der Wichtigste“, sagt Helga Ebel, Leiterin der Krebsberatungsstelle, die vorne im Hörsaal sitzt. „Aber: Bewegung und Sport wirken manchmal besser als Medikamente.“

Gisela Heck verfolgt die Vorträge der Experten aufmerksam. Was ihr besonders gefällt am Forum Medizin? „Hier haben die Experten Zeit, Fragen zu beantworten“, sagt sie. Und darum sitzt sie da. Am Dienstagabend sind es sehr spezielle Fragen, die Besucher stellen: Soll ich Divertikulitis lieber operieren lassen? Kann ich gleichzeitig an Fruktoseintoleranz, Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit leiden? Und ist eine Laktoseintoleranz angeboren oder kann sie sich auch erst entwickeln?

Dann stellt Moderatorin Sabine Rother Professor Zerres eine letzte Frage. Wo schon ein Genetiker im Publikum sitzt. Wie es um die Vererbung von Darmproblematiken steht, will sie wissen. „Etwa fünf Prozent der Darmkrebsformen kommen familiär gehäuft vor“, sagt er. „Wenn enge Verwandte erkrankt sind, solle man dem nachgehen.“ Und auch Professor Trautwein ruft zur Vorsorge auf: „Wenn Onkel, Bruder oder Schwester ein Karzinom oder einen Polyp hatten, sollten Sie schon zehn Jahre früher zu der Vorsorge kommen, als in dem Alter, in dem die Erkrankung bei Ihren Verwandten aufgetreten ist.“

Angst vor dem Ergebnis

Gisela Heck hat auch nach den zwei Stunden Forum noch Angst vor der Vorsorge. „Es ist eher die Angst vor dem Ergebnis, als vor der Untersuchung“, sagt sie. Besser gefällt ihr da das Thema des nächsten Forums Medizin am 19. November. „Probleme mit den Füßen“ beschäftigen die Experten dann. „Da muss ich wiederkommen“, sagt sie. Wieder ein Thema, das sie betrifft.