Wegberg/Erkelenz: Von Minsk aus zum Schacht 3 in Hückelhoven

Wegberg/Erkelenz : Von Minsk aus zum Schacht 3 in Hückelhoven

Anstrengend und strapaziös war für die insgesamt 33 Kinder und Jugendliche sowie deren Betreuer die gut 1800 Kilometer lange Busreise von Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands, bis zu ihrem Ferienziel, dem Haus St. Georg in Watern.

Auf Einladung des Vereins „Ökumenische Tschernobylhilfe Wegberg-Erkelenz”, verbringen die Kinder und Jugendliche in diesem Jahr zum wiederholten Mal einen vierzehntägigen Ferienaufenthalt in der Region Wegberg.

Waren es in den Anfangsjahren Kinder, die unter den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl litten, sind es nun Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Verhältnissen wie auch aus kinderreichen Familien, die von diesen Ferienmaßnahmen profitieren.

Nach der ersten Nacht in ihrem Feriencamp wurden alle Beteiligten zunächst einmal neu eingekleidet. Insgesamt waren es 27, aus Kleidersammlungen und Spenden prall mit Kleigungsstücken und Schuhen aller Art gefüllten Kartons, aus denen sich die Kinder bedienten. „Für mich und meine Helfer war es es toller Anblick, die Kinder, die sich vorkamen, als sei Weihnachten in die Sommerzeit verlegt worden, bei der Anprobe beobachten zu können”, sagt Helene Schlicht, die seit Jahren als Vorsitzende der Ökumenischen Tschernobylhilfe die Geschicke des Vereins leitet.

Sichtlich wohl fühlen sich die Kinder, die rund um die Uhr von „Tante Elsa”, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Vereins, betreut werden, im Heim St. Georg. Nach einem gemeinsamen Frühstück steht an den meisten Tagen schon ein Bus bereit, der die Kinder zu den ausgewählten Zielen bringt. Unter anderem stand dabei Besuch eines Wellenbades im niederländischen Eindhoven auf dem Programm.

Weitere Ziele waren ein Erlebnispark in Nijmwegen, oder der Duisburger Zoo, wo sich die Gesellschaft den Tag über amüsierte. Mit den Höhepunkten ihres Ferienaufenthaltes in der Bundesrepublik zählte neben einem Begrüßungsempfang im Beecker Flachsmuseum auch der Besuch des Braunkohletagebaus Garzweiler. Die Reisegruppe gelangte per Bus direkt in den Tagebau, wo den Kindern die Gewinnung sowie die Verwendung der Braunkohle erklärt wurde.

Ganz besonders hatten sich die Mitglieder des Hückelhovener „Fördervereins Schacht 3” in Szene gesetzt: Nachdem eine Einladung zur Besichtigung des neuen Lehrstollens auf der ehemaligen Schachtanlage in Hückelhoven eingegangen war, wurde dieser neuen Einrichtung ein Besuch abgestattet. Rainer Appelt als ehemaliger Kumpel ließ es sich nicht nehmen, den Kindern und ihren Betreueren während eines Rundganges den Abbau der Kohle unter Tage sowie den täglichen Arbeitsablauf in einem Kohlebergwerk zu erläutern.

So erfolgreich diese Ferienmaßnahmen der Tschernobyhilfe in der Vergangenheit auch immer waren, so stellt sich für die Organisatoren und Verantwortlichen immer wieder die Frage der Finanzierung. „Es ist unbestritten, das die Kinder insbesondere aus gesundheitlicher Sicht von ihrem Aufenthalt in Deutschland profitieren. Für uns aber wird es immer schwieriger, diese Aufenthalte, die uns jedesmal runde 15.000 Euro kosten, zu finanzieren”, weist die Vorsitzende darauf hin, dass diese Ferienmaßnahmen ausnahmslos aus Spendengeldern finanziert werden.

Am Sonntag heißt es für die Gruppe Abschied nehmen. Nach erlebnisreichen Tagen tritt die Reisegruppe die Heimreise an.